Mittwoch, 26. August 2015

La Vucciria

Das schäbige Viertel Vucciria ist in ganz Sizilien für seinen wilden Mercato della Vucciria bekannt, einen quirligen Markt, der nur so wimmelt vor schreienden Verkäufern, silbernen Fischen mit starrem Blick, schaukelnden Tierkadavern, frischem Obst und Gemüse und Fleischräuchergrills. 
Vucciria, einst das Herz des von Armut geplagten Palermos und ein Sumpf von Verbrechen und Dreck, veranschaulichte die fast mittelalterliche Kluft zwischen Reich und Arm, die bis in die 1950er-Jahre in Sizilien existierte. Obwohl es immer noch ziemlich schäbig ist, zieht das Viertel Heerscharen von Touristen an und ist einer der faszinierendsten Bezirke von Palermo, in denen man umherschlendern kann.
 - Lonely Planet Guide Sizilien

Herscharen von Touristen? Mercato della Vucciria als Highlight? Naja, Lonely Planet kann nicht alles wissen. Piazza Garrafello in Vucciria ist so ziemlich der beste Ort in Palermo, um Abends seine Zeit zu verbringen. Ein Bild davon habt ihr ja im letzten Beitrag gesehen. So sieht es jeweils am Wochenende aus:


Und in Bewegung (Vorsicht: Laut!):



Zu viele Videos und Bilder lassen sich zu den nächtlichen Aktivitäten nicht find. Dies hat einen einfachen Grund: Es ist illegal. Die Musik wird erst nach Mitternacht voll aufgedreht, Stände mit Alkohol kommen angefahren und Shops stellen ihren harten Alkohol aus. Dies geschieht erst nach Mitternacht, weil die Polizei dann schlafen geht. Fragt nicht, es ist einfach so... Sollte mitten in der Nacht doch mal Polizei in der Nähe sein, macht dies schnell die Kunde. Die Musik wird abgestellt, der Alkohol versteckt. An allen Eingängen zu La Vucciria müssen Späher postiert sein. Kaum ist die Lage wieder sicher, geht die Party weiter und der weisse Rauch zahlloser Joints steigt wieder vom Partyzentrum Palermos auf. 

Touristen verirren sich selten hierhin und falls doch sind sie mehrheitlich italienischer Abstammung. Kein Wunder, diesen Part Palermos würde ich wahrscheinlich als Tourist nicht mal bei Tage betreten, geschweige bei Nacht. Tagsüber ist es gespenstig ruhig. Die Spuren der vergangenen Nacht werden beseitigt und der ganze Platz gewischt. Erst gegen Abend erwacht Piazza Garrafello langsam wieder. Die Leute setzten sich an die Tische, trinken Bier zu leiser Hintergrundmusik, bis spät Abends die Tische weggeräumt werden und die Party wieder von vorne los geht bis vier Uhr Morgens. 

Dienstag, 18. August 2015

Das Leben in Palermo

Palermo ist keine Liebe auf den ersten Blick und bei der Busfahrt vom Flughafen in die Stadt kam mir öfters der Gedanke: "Oh Gott, was habe ich getan?!" Die Lage des Hostels machte dies nicht besser, da die Gegend auf den ersten Blick ziemlich heruntergekommen scheint. In den letzten Tagen lernte ich jedoch die Stadt zu lieben, auch wegen meiner Arbeit hier. Ich schildere mal kurz einen normalen Tagesablauf:

9am: Langsam aufstehen und frühstücken. Jeden Morgen gibt es frische Croissants und den besten italienischen Kaffee. Danach schauen wir (= Rhys und ich) im Kalender nach wer heute das Hostel verlässt und wann die neuen Gäste ankommen. Wir beziehen die Betten neu, waschen die Bettwäsche und hängen sie draussen auf. Alle paar Tage wischen wir die Böden oder nehmen sie feucht auf. Gegen 12-1 Uhr Mittags sind wir meistens fertig mit der Arbeit - und nehmen es dabei sehr gemütlich. Insgesamt gibt es zehn Betten im Hostel, also nie wirklich viel zu tun für uns.

Nachmittag: Die verbringen wir immer unterschiedlich. Ganz gemütlich ist das 10km entfernte Mondello mit seinen warmen Gewässern:


Um 6-7 Uhr Abends sind wir meist zurück von den täglichen Ausflügen und es ist Zeit für eine kleine Siesta. Um 10 Uhr Abends kochen wir gemeinsam und gegen Mitternacht gehts meist raus mit einigen Hostel Besuchern. Wir haben gleich um die Ecke eine Piazza bei der jede Nacht Musik gespielt wird und viele Einwohner ihren Abend verbringen. Zwischen 1 und 2 Uhr gehts zurück ins Hostel zum Schlafen, wobei es diese Woche auch schon mal 4 Uhr Morgens wurde. Dies war jedoch ein spezieller Abend, da das gesamte Hostel gemeinsam ging. Mittlerweile dürfte ich schon auf Hunderten von Bildern wie diesen vertreten sein:



Entgegen dem Eindruck ist das Hostel selber sehr ruhig. Hier finden am Abend keine Parties statt, es wird sich höchstens angeregt unterhalten und mal zur Musik mitgesungen. Die Gäste kommen aus aller Welt und wechseln ständig. Unglaublich, wie viele interessante Menschen ich bereits kennen gelernt habe. Meine Facebook Freundesliste wächst täglich. Natürlich hat man nicht mit allen den selben intensiven Kontakt, aber wenn einem jemanden nicht passt, ist diese Person nach ein zwei Nächten eh wieder fort. 

Martino (26) und seine Mutter Margherita (50?) sind die Besitzer des Hostels und das komplette Gegenteil von Stuart & Razz. Wir sind hier wirklich eine kleine Familie und unsere Arbeit wird geschätzt. Ich fühle mich willkommen und es werden auch oft positive Worte ausgesprochen. Das Vertrauen geht sogar soweit, dass wir einen Morgen lang das Hostel komplett alleine geführt haben, da sich ein familiärer Notfall ereignet hat. Wir empfingen die neuen Gäste, notierten die Passport Nummer, zeigten ihnen das Hostels und nahmen das Geld für die Nächte entgegen. Wir haben hier so wenig zu tun und uns wird soviel gegeben. Wenn Martino gerade ein bisschen gestresst ist (gestern wurde ihm z.B. der Motorrad Helm geklaut), schnappt er sich mich und wir gehen Gelato auf seine Kosten essen. Gelato im Brioche = göttlich. Falls wir zwichendurch hungrig sind, können wir in den Shop an der Strasse gehen und dem Besitzer sagen, dass Margherita bezahlt. Es ist wirklich paradiesisch hier. Auch den Gästen gefällts und viele kommen oft nochmals für eine Nacht vorbei, bevor sie wieder nach Hause oder sonst wohin reisen. 

Unsere kleine Familie:




Das Hostel:







Rhys und ich schlafen in einem 8-Bett Zimmer, das andere hat vier. Tagsüber sind die Leute oder wir mit ausgewählten Gästen meist unterwegs und das Hostel ist praktisch leer. An Zeit zum einfach nur alleine sein mangelt es glücklicherweise nicht und auch Abends ist es immer ruhig in den Zimmern. Nur die Bedienung für die Klimaanlage mussten wir verstecken, da die Gäste die Temperatur ständig änderten. Das war es fürs erste aus Palermo. Im nächsten Beitrag werde ich näher auf einzelne Personen, Orte und sonstige Gegebenheiten eingehen, dies sollte einen Überblick über mein neues Leben als Sizilianer verschaffen. ;)

Bis bald <3


Samstag, 15. August 2015

Die letzten Tage in England

Am vergangenen Sonntag war der Punkt gekommen, an dem ich Entschied zu kündigen. Wie kam es dazu? Die generelle Stimmung habe ich ja bereits in einem vorherigen Beitrag beschrieben, dazu kam dass Razz sehr OCD ist und alles stets perfekt sein muss und nach ihrem Weg ausgeführt werden muss. Sie wollte, dass Maicon und ich den ganzen Shop betreuen und sie nichts anderes machen muss als Kaffee aus der Maschine lassen und die Kasse bedienen. Maicon erzählte mir, dass es zu Beginn nicht so schlimm war, aber von Woche zu Woche stetig schlimmer wurde. Razz fuhr sogar ein paar Mal früher nach Hause und wir mussten das Zelt alleine abbauen etc... alles in allem war die Atmosphäre einfach nicht gut. Es hätte eine wirklich gute Erfahrung sein können, aber die anfängliche Euphorie wich schnell. Nicht verwunderlich, dass ich in dieser Saison bereits die siebte Person bin, die den Shop verlässt, sei es freiwillig oder unfreiwillig. Es ist schier unmöglich den Erwartungen und Anforderungen dieser Frau gerecht zu werden. Ausserdem waren 25h Arbeit pro Woche vereinbart mit evt. ein paar Überstunden, gearbeitet haben wir rund 50h die Woche.

Am Sonntag Abend gab ich meine Kündigung per sofort bekannt und begann am nächsten Morgen etwas neues zu suchen. Meine erste Anlaufstelle war Cockermouth, da ich kein Internet hatte. Innert zwei Stunden fand ich dort einen Job in einer Bücherei und ein Zimmer in einer WG mit einer Finnin. Die Leute waren wirklich sehr hilfsbereit und eines führte zum Anderen. In einem Café nutze ich das Internet um eine Anfrage auch Couchsurfing zu senden, denn ich wollte so schnell wie möglich weg. Die Stimmung war sehr komisch. Nach der fünf stündigen Rückfahrt war überprüfte ich zu Hause in Leicester sogleich meine Anfrage und zu meinem grossen Glück wurde sie akzeptiert und ich konnte bereits am nächsten Tag dort einziehen. Nun galt es noch eine Arbeit zu für die weiteren Wochen und auch da hatte ich mehr als Glück, denn innerhalb von zwei Stunden hatte ich eine Zusage in Italien, um in einem Hostel zu arbeiten. Gott war ich froh!

Am Dienstag Nachmittag verliess ich bereits die Wohnung in Leicester, was sich als beste Entscheidung überhaupt heraus stellte. Der Fakt, dass mir nur die Hälfte des Lohns bezahlt wurde, weil ich gekündigt hatte, unterstreicht dies nur noch mehr. 200 Pfund verlor ich dadurch. Anyway, ich traf Mike am Nachmittag in der Stadt und später stiess seine Frau Laura hinzu. Beide Anfangs 30 und herzensgute Menschen. Sie ist Kuratorin für Museen und Bloggerin, er Musik Produzent. Wir hatten so viele Gemeinsamkeiten, wir redeten (& tranken) stundenlang bis 4 Uhr Morgens. Zu viel positives hat sich ereignet, um hier aufzulisten, aber mit Mike & Laura habe ich Freunde fürs Leben gefunden, die ich in absehbarer Zeit wieder treffen werde. Durch die beiden lernte ich die Vorzüge, Geschichte und das bunte Treiben in Leicester kennen. Es war wirklich schade, dass ich sie am Mittwoch Abend um Mitternacht bereits wieder verlassen musste und auch sie wollten nicht, dass ich gehe. So kann es gehen, zuerst unbedingt weg aus Leicester und ein paar Stunden später hätte ich für Monate bleiben können. Naja, Wochen, fuck the rain. Im nächsten Beitrag folgt die Einreise naaaach.... PALERMO und meine Arbeit hier (ein Wort: Paradies).


Northbound Festival 2. Versuch

So endlich habe ich wieder Zeit zum Schreiben. In den letzten Tagen hat sich sehr viel ereignet. Verzeiht mir den überdramatischen letzten Beitrag - ich konnte nicht widerstehen. Damit es nicht ein überlanger Beitrag wird, gliedere ich die letzten Tage nach Events, angefangen mit dem Northbound Festival.

Da waren wir also unterwegs zum Northbound Festival, die Stimmung immer noch eiskalt zwischen Razz und Stuart. Statt wie geplant Mittwochs verliessen wir Leicester am Donnerstag um 6 Uhr Morgens und waren gegen Mittag in Cockermouth im Norden Englands. Die Landschaft dort ist einiges schöner als im flachen Süden des Landes und beherbergt einige flache Hügel, welche man knapp als Berge bezeichnen könnte.

Das Festival selber fand dieses Jahr zum ersten Mal statt, wobei in den Jahren zuvor ein anderes Festival am selben Ort war. Es war relativ klein und überschaubar mit einer Hauptbühne und vier kleineren Zelten. Leider wurde für das Festival nicht genügend Werbung gemacht und es waren praktisch keine Leute anwesend. Bei den Mainacts waren jeweils alle Besucher bei der Hauptbühne und die restlichen Stages beinahe leer. Insgesamt waren vielleicht knapp 1000 Besucher anwesend, wobei das Gelände locker Raum für 5000 und mehr gehabt hätte.

Das Line-Up bestand hauptsächlich aus englischen Bands jedes Genres und das absolute Hightlight waren Publich Service Broadcasting, welche ich bereits an der Secret Garden halbwegs gesehen hatte. Es war eine unglaublich gute Stimmung, weil ein Sturm aufkam und die Musik aus den Boxen so durcheinanderwirbelte, dass wir quasi rundum umgeben von der Musik waren, anstatt nur von vorne beschallt zu werden. Dazu kam eine interessante Lichtshow gepaart mit alten Filmszenen aus der Zeit als die Menschen zum ersten Mal den Weltraum erforschten. Was für eine Stimmung!


Der Auftritt erinnerte mich stark an Godspeed You! Black Emperor, sowohl von der Musik als auch von der Bühnenshow, wobei PSB einiges leichter zugänglich sind. Daneben haben wir noch unzählige Singer/Songwriter gesehen, da die Akkustik Bühne gleich bei unserem Shop war, aber nichts davon ist hängen geblieben, eine Übersättigung fand statt. Der einzige erwähnenswerte Auftritt, denn wir noch gesehen haben wer derjenige von den Dub Pistols, wobei sie für meinen Geschmack zu wenig von ihrem DnB gespielt hatten.

Das Wetter war uns gnädig und meist sonnig, begleitet von teilweise starken Böen. Tagsüber gingen Maicon und ich oft ins idyllische Dörfchen Cockermouth und entspannten auf einer Wiese am Fluss. Gefilmt habe ich dieses Mal praktisch nichts, es bot sich nicht genug Material für meinen Geschmack und es waren zu wenige Leute anwesend. Vielleicht schneide ich was im nächsten Post, aber das war es soweit mit meinem Eindruck vom Northbound Festival, im nächsten Beitrag folgen meine letzten Tage in England und wie es dazu kam.

Montag, 3. August 2015

Cambridge Folk Festival

Eine gespenstisch Stille herrscht in unserem Hause in Leicester, doch nicht die übliche. Im Garten ein Mann auf der Gartenbank sitzend, daneben mehrere leer getrunkene Dosen Bier geschmückt mit Joint Stümmeln. Die Türen zu den Zimmern sind geschlossen, nur ab und an hört man ein Husten oder die Spülung der Toilette. Drehen wir die Zeit ein paar Tage zurück.

Cambridge Folk Festival! Cambridge schöne Stadt, Line-Up einigermassen ansprechend, gesehen habe ich beides nicht. Unser Shop war dieses Mal auf dem Camping Platz angesiedelt, welcher sich drei Meilen vom eigentlichen Festival befindet und wir bekamen deshalb auch keine Armbänder für das Festival. Halb so wild, Secret Garden Party steckte uns noch immer in den Knochen und zur Abwechslung war es schön, mal ohne die Vibrationen des Basses in das Land der Träume zu gleiten. Was weniger schön war: Die Kälte. Mittwoch Nacht fielen die Temperaturen auf 5°C! Immerhin wurde es danach täglich wärmer, zusammen mit dem miesen Wetter von letzter Woche reichte es jedoch aus, mir eine leichte Erkältung zu bescheren. Dank viel Tee und Paracetamol ist diese Gott sei Dank fast wieder verflogen. Jeder von uns schlief mit Schlafsack, mindestens drei Decken und Wärmeflaschen. Sommer, ha! Habe ich so nicht in Erinnerung.

Auf dem Camping Platz war nicht besonders viel los. Wir hatten jeweils am Morgen Kundschaft, hauptsächlich Kaffee und jeweils ab 20 Uhr Abends wieder. Nachmittags waren die Leute am Festival. Aufgrund dessen habe ich die letzten Tage jeweils nur fünf Stunden gearbeitet. Die restliche Zeit hätte ich zwar wunderbar für einen Ausflug in die Stadt (Cambridge...) nutzen können, wollte mich aber nicht unnötig anstrengen und die Erkältung möglichst schnell auskurieren. Die meiste Zeit verbrachte ich mit Lesen (The Handmaid's Tale beendet und mit Peter Pan auch schon bald durch!) oder einfach nur auf der Wiese liegend mit Maicon und/oder Michael redend. Es waren wirklich sehr gemütliche und erholsame Tage. Jeweils ab 10 Uhr Abends gab es im Zelt auf dem Platz ein paar Singer/Songwriter, die jeweils 3-4 Songs spielten und danach vom nächsten abgelöst wurden. Das Zelt war zwar nur zehn Meter von meinem entfernt, aber die gemütliche Musik begleitete mich jeweils sanft in den Schlaf und dauerte nur bis Mitternacht an.

Zuvor schauten wir aber immer beim Story Teller vorbei, welcher gruselige "Gute Nacht"-Geschichten erzählte, selbstredend bewaffnet mit einer heissen Schokolade. Die Geschichten waren zwar nicht umwerfend, aber die Art und Weise wie sie erzählt wurden war das Interessante. Das Zielpublikum waren Kinder, welche sich zuhauf auf dem Platz befanden, aber auch einige Erwachsene fanden sich jeweils pünktlich um halb Zehn im Story Teller Zelt ein. Ich hätte mich glatt dran gewöhnen können! Am Sonntag war es so ruhig auf dem Platz, dass ich vor lauter Langeweile Michael anfing Alice in Wonderland vorzulesen. Ehe ich mich versah hatten sich ein paar Kinder zu uns gesetzt, welcher voller Aufmerksamkeit die Geschichte mitverfolgten und mit Gelächter (ich verpasse Alice einen indischen Akzent) verzierten. Der Sonntag war passenderweise seit langem wieder ein richtig warmer Tag mit blauem Himmel und die Stimmung unglaublich gemütlich. Nach rund einer Stunde war das Buch beendet und die Mütter hatten ihre Bälger wieder am Halse, waren aber dankbar für die kleine Pause. ^^

Food Exchange haben wir auch wieder betrieben. Neben uns war ein Crepes Stand, welcher auch 3er Stacks American Pancakes mit Speck und Ahornsirup servierte. Mir läuft bereits wieder das Wasser im Munde zusammen. Daneben haben mit dem Fish & Chips Stand, der Juice Box und dem Burger Shop getauscht. Wir haben geschlemmt die die Römer! Da fallen mir wieder die leckeren Kokosnüsse mit Rum an, die wir an der Secret Garden Party hatten und auf der anderen Seite waren die Crispy Duck Wrap Leute, welche wir bereits am Maverick kennen gelernt hatten. An jedem Festival lernen wir so viele Leute kennen oder treffen ein paar wieder, es ist hervorragend und die Stimmen zwischen den Verkäufern ist auch immer gut und man tauscht sich ein wenig darüber aus wie es so läuft im Geschäft. Mit den Organisatoren hält man auch öfters ein Schwätzchen und daneben lernen wir unzählige Künstler kennen, welche bei uns Kaffee holen und sonst mit uns chillen. Eine Sängerin war sogar gerade erst in der Schweiz gewesen, in Rheinfelden (!), da ihre Stiefmutter dort wohnt.

Aber warum die gespenstische Stille in Leicester fragt ihr euch nun? Na ja, da muss ich euch zuerst Stuart und Razz ein wenig mehr beschreiben. Die beiden sind/waren ein Paar, anfangs 40 und zu gleichen Anteilen Besitzer des Shops und des Hauses in Leicester. Razz ist gebürtige Südafrikanerin und halbe Griechin, Stuart Engländer durch und durch. Razz lebt mittlerweile seit neun Jahren in England und hat genug vom unberechenbaren Wetter, vom Stress im Shop und ganz besonders von Stuart. Weil sie Bankkonto und alles gemeinsam haben, kann sie aber nicht so einfach abhauen und will deshalb den Shop verkaufen, nach Thailand Reise und das Leben wieder geniessen können. Stuart hingegen hängt immer noch an Razz und versucht sie neben seiner Eifersucht dauernd zu beeindrucken, sein konstanter Marijuana Konsum hilft im dabei nicht gerade. Selbstredend führt dies zu Streitereien, Tag ein, Tag aus. Mittlerweile befindet sich jeweils nur einer der beiden im Shop und der andere ist sonstwo weit entfernt. Je länger die Saison, desto schlimmer wird es, wie mir auch Maicon bestätigte, der bereits einen Monat länger hier ist, als ich. Den wahren Grund für die Stille hier weiss ich nicht, aber heute Morgen gab es mal wieder einen besonders heftigen Streit, welcher selbst den sonst eher ruhigen Stuart zur Weissglut trieb. Die nächsten Stunden während des Abbaus wurde nur das nötigste, wenn überhaupt, an Worten gewechselt und zur Abwechslung ging es ziemlich zügig voran. Die Wut verlief Stuart Energie und ich glaube er wollte ursprünglich vor uns abhauen, aber da das Zelt des Shops nur in seinen Van passt, musste er diesen Plan irgendwann verwerfen. Nichts desto trotz, dank seinem Eifer waren wir in nur 3.5h mit dem Abbau fertig und fuhren (Maicon mit Stuart, ich mit Razz, Michael war schon am Morgen nach Manchester abgereist) zurück nach Leicester. Zum Vergleich: Am Secret Garden und LFest waren wir jeweils um 20 Uhr fertig mit dem Abbau und hatten zur selben Zeit den Shop geschlossen.

Keine Bilder, kein Video, dafür gabs dieses Mal ein kleinen Einblick hinter die Kulissen. Mittwoch geht es bereits wieder weiter ans Northbound Festival, welches dieses Jahr erstmalig statt findet. Die Zeit mit Internet ist rar, bis nächste Woche. <3

Dienstag, 28. Juli 2015

Secret Garden Party 2015

Mit Regen ist in England zu rechnen, aber was die letzten Tage vom Himmel herunter kam, war sogar für englische Verhältnisse unüblich. Leichter Regen begleitete uns am Mittwoch beim Aufbau. Das richtige Unwetter startete hmm last mich überlegen, ich glaube es war Freitag Morgen bis Samstag Morgen. Die Tage sind schwer auseinander zu halten, da es fast durchgehend regnete. Samstag war zum Glück der trockenste Tag, die grünen Wiesen hatten sich aber bereits in ein riesiges Sumpfgebiet verwandelt. Nichts desto trotz, Secret Garden Party ist und bleibt das beste Festival, an dem ich je war. Starten wir doch gleich mit dem Video, welches aus beschriebenen Wetterverhältnissen mehrheitlich Szenen bei Nacht enthält und zwischendurch wollte ich auch einfach selber mal Spass haben, ohne die Kamera konstant dabei haben zu müssen.


Das Video startet mit der gedämpften Soundkulisse in meinem Zelt, welches sich wie üblich wenige Meter hinter dem Shop befand. Der Boden vibrierte vom Bass und ein konstantes Misch Masch von drei bis vier verschiedenen Bühnen war konstant zu hören - von 12 Uhr Mittags bis 6 Uhr Morgens. Erholsamer Schlaf war schwer zu finden. 

Ich weiss gar nicht wo anfangen, es gab dieses Jahr wieder so viel zu entdecken und im Gegensatz zu meinem letzten Besuch fand ich zwei versteckte Bühnen, die mir entgangen waren. Die Bands und DJs sind ausserhalb Englands weitesgehend unbekannt, doch das macht es so grandios. Man lässt sich einfach treiben und bleibt wo es gefällt. So fand ich Samstag Nacht (in der fast alle 33'000 Besucher das trockene Wetter genossen und fast alle Dancefloors überfüllt waren) ein kleines aber feines Zelt mit DJs die konstant DnB spielten. Bei all den Deep, Tech House und Techno Sets war ich froh, endlich mal etwas schnelleres gefunden zu haben und sprang kurzerhand in das Zelt und fing an zu tanzen. Hatte ich anfänglich noch genügend Platz für mich, so füllte sich das Zelt danach schnell - Ich hatte erfolgreich eine Party gestartet. Dort verweilte ich dann auch bis in die Morgenstunden, bevor es um 7.30 wieder zur Arbeit ging. 

Neben den grossen Ereignissen wie das Feuerwerk am Samstag, der Verbrennung der Bühne in der Mitte des Sees oder dem Paint Fight gab es unzählige kleine Highlights, die niederzuschreiben würde Tage dauern. Maicon formulierte es bei der Besichtigung des Geländes am Mittwoch treffend: I wanna take some pictures, but everything is so beautiful that I want to capture it all. 

Schaut euch einfach eines der Videos der letzten Jahre an und ihr wisst, warum nicht nur ich so von diesem Festival schwärme:



Natürlich habe ich neben all dem Feiern (nüchtern!) auch wieder genügend gearbeitet, eine Schicht sogar von Mitternacht bis 8 Uhr Morgens, aber der Part wurde im letzten Blogpost schon ausführlich beleuchtet. Dieses Mal hatten wir Verstärkung von Stephanie, einer Engländerin und Stuarts Neffen Michael. Stephanie arbeite jedoch nur bis Sonntag Morgen, da sie den Alkoholkonsum nicht unter Kontrolle hatte und auch sonst keine grosse Hilfe war. Michael war bereits letztes Jahr im Shop zugegen und war fast immer am Arbeiten, was uns zu Gute kam und dadurch ein wenig mehr Freizeit gab nach dem stressigen LFest.

Zum Lesen kam ich nicht viel, bin aber mittlerweile in der Hälfte von A Handmaid's Tale angelangt. Aus irgendeinem Grund habe ich das Bedürfnis Peter Pan als nächstes zu lesen. :D 

Der nächste Blogeintrag sollte wieder etwas länger ausfallen. Wir haben wieder nur einen Tag Wochenende und gehen Morgen bereits weiter ans Cambridge Folk Festival. Ausserdem dauerte das Schneiden des Videos dieses Mal einiges länger und ich musste noch zwei Beiträge für indiegames.ch schreiben neben dem üblichen Beantworten von unzähligen Mails. Nächste Woche gibts es wieder ein normales 2-Tage Wochenende und mehr Hintergrundinfos zum Leben in England.

See you soon <3