Die Luft steht still, kein Windhauch ist zu spüren. Die draussen herrschende Hitze verschwunden, wich jedoch nicht einer Kühle, die eigene Körpertemperatur verschmilzt mit der Umgebung. Leises wispern ist zu hören, ansonsten herrscht Totenstille, wortwörtlich. Wir haben soeben die Katakomben von Cappuccini betreten, Ruhestätte von rund 8000 Leichen und über 1200 Mumien.
Unterteilt sind die Katakomben in verschiedene Bereiche: Männer, Frauen, Kinder, Jungfrauen und Mönche. Die Leichen sind in allen Stadien vorzufinden und reichen von beinahe unversehrt erhalten über Gestalten aus den schlimmsten Alpträumen zu Skeletten. Die älteste Mumie, ein Mönch, ist über 400 Jahre alt und die jüngste, ein zweijähriges Mädchen, keine Hundert. Die Ausstellungsobjekte wirken beängstigend lebendig, als könnten sie jeden Moment aus ihrer Stare erwachen.
Besonders interessant war die innere Abstumpfung gegenüber den Leichen. Der anfängliche Reflex die Katakomben sofort wieder zu verlassen, der Blick nur kurz über die Toten huschend, stets in der Mitte des Ganges gehend, verschwand nach einer Weile und mit Interesse fang ich an die Toten und deren Kleidung zu studieren. Selbst das zweijährige Mädchen konnte nicht mehr schocken, ähnlich Andy Warhols Death and Disaster Austellung mit immer schlimmer werdenden Darstellungen von Unfällen. Es war die bisher schrecklichste und zugleich eindrücklichste Erfahrung in meiner Zeit in Palermo.
Das schäbige Viertel Vucciria ist in ganz Sizilien für seinen wilden Mercato della Vucciria bekannt, einen quirligen Markt, der nur so wimmelt vor schreienden Verkäufern, silbernen Fischen mit starrem Blick, schaukelnden Tierkadavern, frischem Obst und Gemüse und Fleischräuchergrills.
Vucciria, einst das Herz des von Armut geplagten Palermos und ein Sumpf von Verbrechen und Dreck, veranschaulichte die fast mittelalterliche Kluft zwischen Reich und Arm, die bis in die 1950er-Jahre in Sizilien existierte. Obwohl es immer noch ziemlich schäbig ist, zieht das Viertel Heerscharen von Touristen an und ist einer der faszinierendsten Bezirke von Palermo, in denen man umherschlendern kann.
- Lonely Planet Guide Sizilien
Herscharen von Touristen? Mercato della Vucciria als Highlight? Naja, Lonely Planet kann nicht alles wissen. Piazza Garrafello in Vucciria ist so ziemlich der beste Ort in Palermo, um Abends seine Zeit zu verbringen. Ein Bild davon habt ihr ja im letzten Beitrag gesehen. So sieht es jeweils am Wochenende aus:
Und in Bewegung (Vorsicht: Laut!):
Zu viele Videos und Bilder lassen sich zu den nächtlichen Aktivitäten nicht find. Dies hat einen einfachen Grund: Es ist illegal. Die Musik wird erst nach Mitternacht voll aufgedreht, Stände mit Alkohol kommen angefahren und Shops stellen ihren harten Alkohol aus. Dies geschieht erst nach Mitternacht, weil die Polizei dann schlafen geht. Fragt nicht, es ist einfach so... Sollte mitten in der Nacht doch mal Polizei in der Nähe sein, macht dies schnell die Kunde. Die Musik wird abgestellt, der Alkohol versteckt. An allen Eingängen zu La Vucciria müssen Späher postiert sein. Kaum ist die Lage wieder sicher, geht die Party weiter und der weisse Rauch zahlloser Joints steigt wieder vom Partyzentrum Palermos auf.
Touristen verirren sich selten hierhin und falls doch sind sie mehrheitlich italienischer Abstammung. Kein Wunder, diesen Part Palermos würde ich wahrscheinlich als Tourist nicht mal bei Tage betreten, geschweige bei Nacht. Tagsüber ist es gespenstig ruhig. Die Spuren der vergangenen Nacht werden beseitigt und der ganze Platz gewischt. Erst gegen Abend erwacht Piazza Garrafello langsam wieder. Die Leute setzten sich an die Tische, trinken Bier zu leiser Hintergrundmusik, bis spät Abends die Tische weggeräumt werden und die Party wieder von vorne los geht bis vier Uhr Morgens.
Palermo ist keine Liebe auf den ersten Blick und bei der Busfahrt vom Flughafen in die Stadt kam mir öfters der Gedanke: "Oh Gott, was habe ich getan?!" Die Lage des Hostels machte dies nicht besser, da die Gegend auf den ersten Blick ziemlich heruntergekommen scheint. In den letzten Tagen lernte ich jedoch die Stadt zu lieben, auch wegen meiner Arbeit hier. Ich schildere mal kurz einen normalen Tagesablauf:
9am: Langsam aufstehen und frühstücken. Jeden Morgen gibt es frische Croissants und den besten italienischen Kaffee. Danach schauen wir (= Rhys und ich) im Kalender nach wer heute das Hostel verlässt und wann die neuen Gäste ankommen. Wir beziehen die Betten neu, waschen die Bettwäsche und hängen sie draussen auf. Alle paar Tage wischen wir die Böden oder nehmen sie feucht auf. Gegen 12-1 Uhr Mittags sind wir meistens fertig mit der Arbeit - und nehmen es dabei sehr gemütlich. Insgesamt gibt es zehn Betten im Hostel, also nie wirklich viel zu tun für uns.
Nachmittag: Die verbringen wir immer unterschiedlich. Ganz gemütlich ist das 10km entfernte Mondello mit seinen warmen Gewässern:
Um 6-7 Uhr Abends sind wir meist zurück von den täglichen Ausflügen und es ist Zeit für eine kleine Siesta. Um 10 Uhr Abends kochen wir gemeinsam und gegen Mitternacht gehts meist raus mit einigen Hostel Besuchern. Wir haben gleich um die Ecke eine Piazza bei der jede Nacht Musik gespielt wird und viele Einwohner ihren Abend verbringen. Zwischen 1 und 2 Uhr gehts zurück ins Hostel zum Schlafen, wobei es diese Woche auch schon mal 4 Uhr Morgens wurde. Dies war jedoch ein spezieller Abend, da das gesamte Hostel gemeinsam ging. Mittlerweile dürfte ich schon auf Hunderten von Bildern wie diesen vertreten sein:
Entgegen dem Eindruck ist das Hostel selber sehr ruhig. Hier finden am Abend keine Parties statt, es wird sich höchstens angeregt unterhalten und mal zur Musik mitgesungen. Die Gäste kommen aus aller Welt und wechseln ständig. Unglaublich, wie viele interessante Menschen ich bereits kennen gelernt habe. Meine Facebook Freundesliste wächst täglich. Natürlich hat man nicht mit allen den selben intensiven Kontakt, aber wenn einem jemanden nicht passt, ist diese Person nach ein zwei Nächten eh wieder fort.
Martino (26) und seine Mutter Margherita (50?) sind die Besitzer des Hostels und das komplette Gegenteil von Stuart & Razz. Wir sind hier wirklich eine kleine Familie und unsere Arbeit wird geschätzt. Ich fühle mich willkommen und es werden auch oft positive Worte ausgesprochen. Das Vertrauen geht sogar soweit, dass wir einen Morgen lang das Hostel komplett alleine geführt haben, da sich ein familiärer Notfall ereignet hat. Wir empfingen die neuen Gäste, notierten die Passport Nummer, zeigten ihnen das Hostels und nahmen das Geld für die Nächte entgegen. Wir haben hier so wenig zu tun und uns wird soviel gegeben. Wenn Martino gerade ein bisschen gestresst ist (gestern wurde ihm z.B. der Motorrad Helm geklaut), schnappt er sich mich und wir gehen Gelato auf seine Kosten essen. Gelato im Brioche = göttlich. Falls wir zwichendurch hungrig sind, können wir in den Shop an der Strasse gehen und dem Besitzer sagen, dass Margherita bezahlt. Es ist wirklich paradiesisch hier. Auch den Gästen gefällts und viele kommen oft nochmals für eine Nacht vorbei, bevor sie wieder nach Hause oder sonst wohin reisen.
Unsere kleine Familie:
Das Hostel:
Rhys und ich schlafen in einem 8-Bett Zimmer, das andere hat vier. Tagsüber sind die Leute oder wir mit ausgewählten Gästen meist unterwegs und das Hostel ist praktisch leer. An Zeit zum einfach nur alleine sein mangelt es glücklicherweise nicht und auch Abends ist es immer ruhig in den Zimmern. Nur die Bedienung für die Klimaanlage mussten wir verstecken, da die Gäste die Temperatur ständig änderten. Das war es fürs erste aus Palermo. Im nächsten Beitrag werde ich näher auf einzelne Personen, Orte und sonstige Gegebenheiten eingehen, dies sollte einen Überblick über mein neues Leben als Sizilianer verschaffen. ;)
Am vergangenen Sonntag war der Punkt gekommen, an dem ich Entschied zu kündigen. Wie kam es dazu? Die generelle Stimmung habe ich ja bereits in einem vorherigen Beitrag beschrieben, dazu kam dass Razz sehr OCD ist und alles stets perfekt sein muss und nach ihrem Weg ausgeführt werden muss. Sie wollte, dass Maicon und ich den ganzen Shop betreuen und sie nichts anderes machen muss als Kaffee aus der Maschine lassen und die Kasse bedienen. Maicon erzählte mir, dass es zu Beginn nicht so schlimm war, aber von Woche zu Woche stetig schlimmer wurde. Razz fuhr sogar ein paar Mal früher nach Hause und wir mussten das Zelt alleine abbauen etc... alles in allem war die Atmosphäre einfach nicht gut. Es hätte eine wirklich gute Erfahrung sein können, aber die anfängliche Euphorie wich schnell. Nicht verwunderlich, dass ich in dieser Saison bereits die siebte Person bin, die den Shop verlässt, sei es freiwillig oder unfreiwillig. Es ist schier unmöglich den Erwartungen und Anforderungen dieser Frau gerecht zu werden. Ausserdem waren 25h Arbeit pro Woche vereinbart mit evt. ein paar Überstunden, gearbeitet haben wir rund 50h die Woche.
Am Sonntag Abend gab ich meine Kündigung per sofort bekannt und begann am nächsten Morgen etwas neues zu suchen. Meine erste Anlaufstelle war Cockermouth, da ich kein Internet hatte. Innert zwei Stunden fand ich dort einen Job in einer Bücherei und ein Zimmer in einer WG mit einer Finnin. Die Leute waren wirklich sehr hilfsbereit und eines führte zum Anderen. In einem Café nutze ich das Internet um eine Anfrage auch Couchsurfing zu senden, denn ich wollte so schnell wie möglich weg. Die Stimmung war sehr komisch. Nach der fünf stündigen Rückfahrt war überprüfte ich zu Hause in Leicester sogleich meine Anfrage und zu meinem grossen Glück wurde sie akzeptiert und ich konnte bereits am nächsten Tag dort einziehen. Nun galt es noch eine Arbeit zu für die weiteren Wochen und auch da hatte ich mehr als Glück, denn innerhalb von zwei Stunden hatte ich eine Zusage in Italien, um in einem Hostel zu arbeiten. Gott war ich froh!
Am Dienstag Nachmittag verliess ich bereits die Wohnung in Leicester, was sich als beste Entscheidung überhaupt heraus stellte. Der Fakt, dass mir nur die Hälfte des Lohns bezahlt wurde, weil ich gekündigt hatte, unterstreicht dies nur noch mehr. 200 Pfund verlor ich dadurch. Anyway, ich traf Mike am Nachmittag in der Stadt und später stiess seine Frau Laura hinzu. Beide Anfangs 30 und herzensgute Menschen. Sie ist Kuratorin für Museen und Bloggerin, er Musik Produzent. Wir hatten so viele Gemeinsamkeiten, wir redeten (& tranken) stundenlang bis 4 Uhr Morgens. Zu viel positives hat sich ereignet, um hier aufzulisten, aber mit Mike & Laura habe ich Freunde fürs Leben gefunden, die ich in absehbarer Zeit wieder treffen werde. Durch die beiden lernte ich die Vorzüge, Geschichte und das bunte Treiben in Leicester kennen. Es war wirklich schade, dass ich sie am Mittwoch Abend um Mitternacht bereits wieder verlassen musste und auch sie wollten nicht, dass ich gehe. So kann es gehen, zuerst unbedingt weg aus Leicester und ein paar Stunden später hätte ich für Monate bleiben können. Naja, Wochen, fuck the rain. Im nächsten Beitrag folgt die Einreise naaaach.... PALERMO und meine Arbeit hier (ein Wort: Paradies).
So endlich habe ich wieder Zeit zum Schreiben. In den letzten Tagen hat sich sehr viel ereignet. Verzeiht mir den überdramatischen letzten Beitrag - ich konnte nicht widerstehen. Damit es nicht ein überlanger Beitrag wird, gliedere ich die letzten Tage nach Events, angefangen mit dem Northbound Festival.
Da waren wir also unterwegs zum Northbound Festival, die Stimmung immer noch eiskalt zwischen Razz und Stuart. Statt wie geplant Mittwochs verliessen wir Leicester am Donnerstag um 6 Uhr Morgens und waren gegen Mittag in Cockermouth im Norden Englands. Die Landschaft dort ist einiges schöner als im flachen Süden des Landes und beherbergt einige flache Hügel, welche man knapp als Berge bezeichnen könnte.
Das Festival selber fand dieses Jahr zum ersten Mal statt, wobei in den Jahren zuvor ein anderes Festival am selben Ort war. Es war relativ klein und überschaubar mit einer Hauptbühne und vier kleineren Zelten. Leider wurde für das Festival nicht genügend Werbung gemacht und es waren praktisch keine Leute anwesend. Bei den Mainacts waren jeweils alle Besucher bei der Hauptbühne und die restlichen Stages beinahe leer. Insgesamt waren vielleicht knapp 1000 Besucher anwesend, wobei das Gelände locker Raum für 5000 und mehr gehabt hätte.
Das Line-Up bestand hauptsächlich aus englischen Bands jedes Genres und das absolute Hightlight waren Publich Service Broadcasting, welche ich bereits an der Secret Garden halbwegs gesehen hatte. Es war eine unglaublich gute Stimmung, weil ein Sturm aufkam und die Musik aus den Boxen so durcheinanderwirbelte, dass wir quasi rundum umgeben von der Musik waren, anstatt nur von vorne beschallt zu werden. Dazu kam eine interessante Lichtshow gepaart mit alten Filmszenen aus der Zeit als die Menschen zum ersten Mal den Weltraum erforschten. Was für eine Stimmung!
Der Auftritt erinnerte mich stark an Godspeed You! Black Emperor, sowohl von der Musik als auch von der Bühnenshow, wobei PSB einiges leichter zugänglich sind. Daneben haben wir noch unzählige Singer/Songwriter gesehen, da die Akkustik Bühne gleich bei unserem Shop war, aber nichts davon ist hängen geblieben, eine Übersättigung fand statt. Der einzige erwähnenswerte Auftritt, denn wir noch gesehen haben wer derjenige von den Dub Pistols, wobei sie für meinen Geschmack zu wenig von ihrem DnB gespielt hatten.
Das Wetter war uns gnädig und meist sonnig, begleitet von teilweise starken Böen. Tagsüber gingen Maicon und ich oft ins idyllische Dörfchen Cockermouth und entspannten auf einer Wiese am Fluss. Gefilmt habe ich dieses Mal praktisch nichts, es bot sich nicht genug Material für meinen Geschmack und es waren zu wenige Leute anwesend. Vielleicht schneide ich was im nächsten Post, aber das war es soweit mit meinem Eindruck vom Northbound Festival, im nächsten Beitrag folgen meine letzten Tage in England und wie es dazu kam.
Eine gespenstisch Stille herrscht in unserem Hause in Leicester, doch nicht die übliche. Im Garten ein Mann auf der Gartenbank sitzend, daneben mehrere leer getrunkene Dosen Bier geschmückt mit Joint Stümmeln. Die Türen zu den Zimmern sind geschlossen, nur ab und an hört man ein Husten oder die Spülung der Toilette. Drehen wir die Zeit ein paar Tage zurück.
Cambridge Folk Festival! Cambridge schöne Stadt, Line-Up einigermassen ansprechend, gesehen habe ich beides nicht. Unser Shop war dieses Mal auf dem Camping Platz angesiedelt, welcher sich drei Meilen vom eigentlichen Festival befindet und wir bekamen deshalb auch keine Armbänder für das Festival. Halb so wild, Secret Garden Party steckte uns noch immer in den Knochen und zur Abwechslung war es schön, mal ohne die Vibrationen des Basses in das Land der Träume zu gleiten. Was weniger schön war: Die Kälte. Mittwoch Nacht fielen die Temperaturen auf 5°C! Immerhin wurde es danach täglich wärmer, zusammen mit dem miesen Wetter von letzter Woche reichte es jedoch aus, mir eine leichte Erkältung zu bescheren. Dank viel Tee und Paracetamol ist diese Gott sei Dank fast wieder verflogen. Jeder von uns schlief mit Schlafsack, mindestens drei Decken und Wärmeflaschen. Sommer, ha! Habe ich so nicht in Erinnerung.
Auf dem Camping Platz war nicht besonders viel los. Wir hatten jeweils am Morgen Kundschaft, hauptsächlich Kaffee und jeweils ab 20 Uhr Abends wieder. Nachmittags waren die Leute am Festival. Aufgrund dessen habe ich die letzten Tage jeweils nur fünf Stunden gearbeitet. Die restliche Zeit hätte ich zwar wunderbar für einen Ausflug in die Stadt (Cambridge...) nutzen können, wollte mich aber nicht unnötig anstrengen und die Erkältung möglichst schnell auskurieren. Die meiste Zeit verbrachte ich mit Lesen (The Handmaid's Tale beendet und mit Peter Pan auch schon bald durch!) oder einfach nur auf der Wiese liegend mit Maicon und/oder Michael redend. Es waren wirklich sehr gemütliche und erholsame Tage. Jeweils ab 10 Uhr Abends gab es im Zelt auf dem Platz ein paar Singer/Songwriter, die jeweils 3-4 Songs spielten und danach vom nächsten abgelöst wurden. Das Zelt war zwar nur zehn Meter von meinem entfernt, aber die gemütliche Musik begleitete mich jeweils sanft in den Schlaf und dauerte nur bis Mitternacht an.
Zuvor schauten wir aber immer beim Story Teller vorbei, welcher gruselige "Gute Nacht"-Geschichten erzählte, selbstredend bewaffnet mit einer heissen Schokolade. Die Geschichten waren zwar nicht umwerfend, aber die Art und Weise wie sie erzählt wurden war das Interessante. Das Zielpublikum waren Kinder, welche sich zuhauf auf dem Platz befanden, aber auch einige Erwachsene fanden sich jeweils pünktlich um halb Zehn im Story Teller Zelt ein. Ich hätte mich glatt dran gewöhnen können! Am Sonntag war es so ruhig auf dem Platz, dass ich vor lauter Langeweile Michael anfing Alice in Wonderland vorzulesen. Ehe ich mich versah hatten sich ein paar Kinder zu uns gesetzt, welcher voller Aufmerksamkeit die Geschichte mitverfolgten und mit Gelächter (ich verpasse Alice einen indischen Akzent) verzierten. Der Sonntag war passenderweise seit langem wieder ein richtig warmer Tag mit blauem Himmel und die Stimmung unglaublich gemütlich. Nach rund einer Stunde war das Buch beendet und die Mütter hatten ihre Bälger wieder am Halse, waren aber dankbar für die kleine Pause. ^^
Food Exchange haben wir auch wieder betrieben. Neben uns war ein Crepes Stand, welcher auch 3er Stacks American Pancakes mit Speck und Ahornsirup servierte. Mir läuft bereits wieder das Wasser im Munde zusammen. Daneben haben mit dem Fish & Chips Stand, der Juice Box und dem Burger Shop getauscht. Wir haben geschlemmt die die Römer! Da fallen mir wieder die leckeren Kokosnüsse mit Rum an, die wir an der Secret Garden Party hatten und auf der anderen Seite waren die Crispy Duck Wrap Leute, welche wir bereits am Maverick kennen gelernt hatten. An jedem Festival lernen wir so viele Leute kennen oder treffen ein paar wieder, es ist hervorragend und die Stimmen zwischen den Verkäufern ist auch immer gut und man tauscht sich ein wenig darüber aus wie es so läuft im Geschäft. Mit den Organisatoren hält man auch öfters ein Schwätzchen und daneben lernen wir unzählige Künstler kennen, welche bei uns Kaffee holen und sonst mit uns chillen. Eine Sängerin war sogar gerade erst in der Schweiz gewesen, in Rheinfelden (!), da ihre Stiefmutter dort wohnt.
Aber warum die gespenstische Stille in Leicester fragt ihr euch nun? Na ja, da muss ich euch zuerst Stuart und Razz ein wenig mehr beschreiben. Die beiden sind/waren ein Paar, anfangs 40 und zu gleichen Anteilen Besitzer des Shops und des Hauses in Leicester. Razz ist gebürtige Südafrikanerin und halbe Griechin, Stuart Engländer durch und durch. Razz lebt mittlerweile seit neun Jahren in England und hat genug vom unberechenbaren Wetter, vom Stress im Shop und ganz besonders von Stuart. Weil sie Bankkonto und alles gemeinsam haben, kann sie aber nicht so einfach abhauen und will deshalb den Shop verkaufen, nach Thailand Reise und das Leben wieder geniessen können. Stuart hingegen hängt immer noch an Razz und versucht sie neben seiner Eifersucht dauernd zu beeindrucken, sein konstanter Marijuana Konsum hilft im dabei nicht gerade. Selbstredend führt dies zu Streitereien, Tag ein, Tag aus. Mittlerweile befindet sich jeweils nur einer der beiden im Shop und der andere ist sonstwo weit entfernt. Je länger die Saison, desto schlimmer wird es, wie mir auch Maicon bestätigte, der bereits einen Monat länger hier ist, als ich. Den wahren Grund für die Stille hier weiss ich nicht, aber heute Morgen gab es mal wieder einen besonders heftigen Streit, welcher selbst den sonst eher ruhigen Stuart zur Weissglut trieb. Die nächsten Stunden während des Abbaus wurde nur das nötigste, wenn überhaupt, an Worten gewechselt und zur Abwechslung ging es ziemlich zügig voran. Die Wut verlief Stuart Energie und ich glaube er wollte ursprünglich vor uns abhauen, aber da das Zelt des Shops nur in seinen Van passt, musste er diesen Plan irgendwann verwerfen. Nichts desto trotz, dank seinem Eifer waren wir in nur 3.5h mit dem Abbau fertig und fuhren (Maicon mit Stuart, ich mit Razz, Michael war schon am Morgen nach Manchester abgereist) zurück nach Leicester. Zum Vergleich: Am Secret Garden und LFest waren wir jeweils um 20 Uhr fertig mit dem Abbau und hatten zur selben Zeit den Shop geschlossen.
Keine Bilder, kein Video, dafür gabs dieses Mal ein kleinen Einblick hinter die Kulissen. Mittwoch geht es bereits wieder weiter ans Northbound Festival, welches dieses Jahr erstmalig statt findet. Die Zeit mit Internet ist rar, bis nächste Woche. <3
Mit Regen ist in England zu rechnen, aber was die letzten Tage vom Himmel herunter kam, war sogar für englische Verhältnisse unüblich. Leichter Regen begleitete uns am Mittwoch beim Aufbau. Das richtige Unwetter startete hmm last mich überlegen, ich glaube es war Freitag Morgen bis Samstag Morgen. Die Tage sind schwer auseinander zu halten, da es fast durchgehend regnete. Samstag war zum Glück der trockenste Tag, die grünen Wiesen hatten sich aber bereits in ein riesiges Sumpfgebiet verwandelt. Nichts desto trotz, Secret Garden Party ist und bleibt das beste Festival, an dem ich je war. Starten wir doch gleich mit dem Video, welches aus beschriebenen Wetterverhältnissen mehrheitlich Szenen bei Nacht enthält und zwischendurch wollte ich auch einfach selber mal Spass haben, ohne die Kamera konstant dabei haben zu müssen.
Das Video startet mit der gedämpften Soundkulisse in meinem Zelt, welches sich wie üblich wenige Meter hinter dem Shop befand. Der Boden vibrierte vom Bass und ein konstantes Misch Masch von drei bis vier verschiedenen Bühnen war konstant zu hören - von 12 Uhr Mittags bis 6 Uhr Morgens. Erholsamer Schlaf war schwer zu finden.
Ich weiss gar nicht wo anfangen, es gab dieses Jahr wieder so viel zu entdecken und im Gegensatz zu meinem letzten Besuch fand ich zwei versteckte Bühnen, die mir entgangen waren. Die Bands und DJs sind ausserhalb Englands weitesgehend unbekannt, doch das macht es so grandios. Man lässt sich einfach treiben und bleibt wo es gefällt. So fand ich Samstag Nacht (in der fast alle 33'000 Besucher das trockene Wetter genossen und fast alle Dancefloors überfüllt waren) ein kleines aber feines Zelt mit DJs die konstant DnB spielten. Bei all den Deep, Tech House und Techno Sets war ich froh, endlich mal etwas schnelleres gefunden zu haben und sprang kurzerhand in das Zelt und fing an zu tanzen. Hatte ich anfänglich noch genügend Platz für mich, so füllte sich das Zelt danach schnell - Ich hatte erfolgreich eine Party gestartet. Dort verweilte ich dann auch bis in die Morgenstunden, bevor es um 7.30 wieder zur Arbeit ging.
Neben den grossen Ereignissen wie das Feuerwerk am Samstag, der Verbrennung der Bühne in der Mitte des Sees oder dem Paint Fight gab es unzählige kleine Highlights, die niederzuschreiben würde Tage dauern. Maicon formulierte es bei der Besichtigung des Geländes am Mittwoch treffend: I wanna take some pictures, but everything is so beautiful that I want to capture it all.
Schaut euch einfach eines der Videos der letzten Jahre an und ihr wisst, warum nicht nur ich so von diesem Festival schwärme:
Natürlich habe ich neben all dem Feiern (nüchtern!) auch wieder genügend gearbeitet, eine Schicht sogar von Mitternacht bis 8 Uhr Morgens, aber der Part wurde im letzten Blogpost schon ausführlich beleuchtet. Dieses Mal hatten wir Verstärkung von Stephanie, einer Engländerin und Stuarts Neffen Michael. Stephanie arbeite jedoch nur bis Sonntag Morgen, da sie den Alkoholkonsum nicht unter Kontrolle hatte und auch sonst keine grosse Hilfe war. Michael war bereits letztes Jahr im Shop zugegen und war fast immer am Arbeiten, was uns zu Gute kam und dadurch ein wenig mehr Freizeit gab nach dem stressigen LFest.
Zum Lesen kam ich nicht viel, bin aber mittlerweile in der Hälfte von A Handmaid's Tale angelangt. Aus irgendeinem Grund habe ich das Bedürfnis Peter Pan als nächstes zu lesen. :D
Der nächste Blogeintrag sollte wieder etwas länger ausfallen. Wir haben wieder nur einen Tag Wochenende und gehen Morgen bereits weiter ans Cambridge Folk Festival. Ausserdem dauerte das Schneiden des Videos dieses Mal einiges länger und ich musste noch zwei Beiträge für indiegames.ch schreiben neben dem üblichen Beantworten von unzähligen Mails. Nächste Woche gibts es wieder ein normales 2-Tage Wochenende und mehr Hintergrundinfos zum Leben in England.
Die Frau - Zierliches Geschöpf göttlicher Abstammung umgeben von einer Aura blühender Rosen, gesegnet mit einer Silhouette, deren Perfektion Kreise vor Neid erblassen lässt. Andächtig gehend, unnahbar, was geheimnisvolles verbotenes ausstrahlend und stets darauf bedacht tadelloses Benehmen an den Tag zu legen.
Dies mag vielleicht im Mittelalter so gewesen sein, am LFest fand sich eine Horde saufender, grölender Weiber, mehrheitlich männlicher gekleidet als ich, wieder. Damit ihr euch gleich von der romantisierten Vorstellung umgeben von Tausend Lesben zu sein verabschiedet, hier ein passendes Bild zum Einstieg:
Trotz der harten Worte, das LFest war wirklich eine hervorragende Erfahrung und ich weiss gar nicht so wirklich, wo ich beginnen soll. Am besten die Tage davor, denn mittlerweile sind wir nur noch zu viert. Raven musste uns am Tag vor der Abreise zum LFest verlassen. Ach ich formuliers wie es war: Er wurde hochkant hinausgeschossen begleitet mit "Fuck offs" und "get out of my house". Am 2000 Trees war er bereits auf Bewährung aufgrund seines Verhaltens und die Tage danach ist die Situation ziemlich schnell eskaliert. Mit 18 Jahren war er einfach noch zu jung und muss sich selber zuerst noch finden. Nicht jedem gelingt es, sich innert weniger Tage an neue Situationen anzupassen, aber zumindest die im gastgebenden Hause geltenden Regeln sollte man respektieren. Böse war ich seiner Abreise nicht, denn ich teilte einen Raum mit ihm und auch mir ging er immer mehr auf die Nerven mit seinem Verhalten.
Da waren wir also nur noch vier, was automatisch mehr Arbeit für jeden bedeutete. Leider kam ich während des Festivals nicht zum Filmen, aber dazu kommen wir später, zumindest den Aufbau unseres Standes habe ich dieses Mal aufgenommen. Das Zelt selber ist dabei der kleinste Part, aber das Einrichten des Innenlebens konnte nicht wirklich gefilmt werden. Alles in allem dauert es rund vier Stunden, bis der Shop steht.
Der Donnerstag war noch sehr gemütlich, nach dem Aufbau gab es für Maicon (in früheren Posts fälschlicherweise als Michael geschrieben) und mich nichts mehr zu tun und so entspannten wir auf der Wiese und hörten Musik. Auf dem Gelände selber war noch nichts im Gange, ausser anderen Aufbauarbeiten. Der Ort war zunächst gewöhnungsbedürftig, denn das Festival fand auf einer Pferderennstrecke statt. Ach und der Wind. Im obigen Video war es vielleicht wahrnehmbar. Es hat fünf Tage lang konstant gewindet, was mit der Zeit recht anstregend wurde, besonders aufgrund der Temperatur. Sonne, Schatten, Sonne, Schatten, abwechslungsweise im Minuten Takt.
Warum ich nicht mehr filmen konnte? Wir wurden total überlaufen. Es gab nicht viele Essensstände, knapp 6 und davon verkauften einer nur Smoothies, der andere Waffeln und ein anderer Fischstäbchen. Wir waren die einzigen, welche ein wenig vollwertigeres Essen verkauften. Wir waren konstant am Nachkochen des Stews, normalerweise bereiten wir einen Topf am ersten Tag vor und der reicht bis zum Ende. Nicht hier. Die Frauen verbreiteten das Wort über den schmackhaften Eintopf und waren selbst bereit eine Stunde dafür zu warten, bis der nächste Topf bereit war. Während einer dieser Wartezeiten verbreitete sich plötzlich das Wort über unsere Falafel und warteten auf einmal zwanzig Falafel auf meine Zubereitung. Es herrschte Chaos, Stress und jeder war am Limit. Wir hatten keine Verschnaufspause, es trudelten konstant Bestellungen rein. Selbst die anderen Shop hatten nicht mit einem solchen Hunger der Besucherinnen gerechnet und hatten im Verlaufe des Sonntags alle kein Essen mehr, was für uns noch mehr Kunden bedeutete.
Wir hatten jeweils von 8 Uhr Morgens bis 1 Uhr Nachts offen und jeder arbeitete täglich 12-14 Stunden. Am anstrengendsten war für mich der Samstag, 17 Stunden Arbeit mit zwischendurch einer Stunde Pause zum kurz Erholen. Selbst am Montag, an dem kein Programm mehr herrschte, wurden nicht nochmals überschwemmt von Kunden, da fast alle anderen Shops bereits gegangen waren. Der Abbau dauerte dementsprechend eine Weile und erst gegen Acht Uhr Abends verliessen wir als so ziemlich letzte Personen auf dem Gelände das Festival.
Ich habe kein einziges Konzert gesehen, ausser den spontanen Jam zwei Meter vor unserem Shop am Samstag Abend. Das war absolut bezaubernd. Viele der auftretenden Künstler haben spontan ein wenig zusammen gespielt und gesungen und nach und nach kamen mehr Menschen, um sich das impromptu Konzert anzuhören. Mir war auch nicht wirklich danach, Nachts noch in den Club zu gehen, irgendwie fühlte ich mich unter all den Frauen fehl am Platze und wie bereits zu Beginn erwähnt waren es mehrheitlich die eher männlichen Lesben und der Altersdurchschnitt müsste bei Mitte 30 gelegen haben. Es waren aber keinesfalls männerhassende Mannsweiber, versteht mich nicht falsch. Die Leute waren unglaublich freundlich und noch nie zuvor habe ich so viele Komplimente erhalten. Ich hatte am Ende das Gefühl, praktisch jede Person auf dem Festival zu kennen und wurde beim Herumlaufen konstant gegrüsst. Selbst auf der Männertoilette ergaben sich lustige Situationen. Jüngere Frau zur anderen: "Please behave, there are actual men using this toilet".
Es war einfach eine gute Stimmung, auch wenn ich mir selber eine jüngeres Publikum gewünscht hätte. Das war übrigens leicht irritierend, die jüngeren Besucherinnen (20 rum) waren meist mit älteren zusammen und ich sah nur wenige junge Paare. Allgemein fand man die Frauen stets im Doppelpakt, nur selten waren sie alleine unterwegs, meistens wenn sie aus anderen Ländern angereist waren. Belgierinnen, Österreicherinnen, Spanierinnen, von überall kamen sie hier.
Bevor ich es vergessen, schaut euch mal die Bilder von Kelly an, einer Künstlerin, die ich am Festival kennen gelernt habe. Sie kam immer wieder bei uns vorbei und wir haben Essen gegen zwei ihrer Werke getauscht:
Ich geh mich jetzt weiter erholen, denn Morgen geht es bereits weiter bis Montag Abend an mein geliebtes Secret Garden Festival. Bis nächste Woche ihr Lieben. <3
Ach wie die Zeit doch vergeht. Einerseits fühlt es sich an, als wäre ich schon ewig hier (im positiven Sinne) und andererseits kann ich fast nicht glauben, dass bereits zwei Wochen verstrichen sind. Mittlerweile haben wir uns alle auch wieder vom 2000 Trees Festival erholt, aber fangen wir doch von vorne an.
Am Mittwoch Morgen um 10 Uhr ging es los in Richtung Cheltenham und nach rund drei Stunden Fahrt kamen wir dort an. Das Wetter war zu diesem Zeitpunkt richtig eklig. Es regnete, war kalt und windig. Glücklicherweise kam während dem Aufbau langsam die Sonne raus und sofort herrschten wieder T-Shirt Temperaturen. Am Mittwoch war eigentlich noch gar nichts los, die Besucher sollten erst am Donnerstag kommen. Jedenfalls die erste Hälfte mit Special Early Bird Ticket oder was auch immer.
Unser Stand befand sich komplett am anderen Ende des Geländes neben einer Bühne und drei anderen Essensständen. So hatten wir während den Tagen haufenweise musikalische Beschallung, aber jeweils nur bis 11 Uhr Abends. Das war ein wenig merkwürdig, da fast alle Bühnen ihr Programm um diese Zeit beendeten und nur noch Silent Disco angesagt war. Musste wohl einen rechtlichen Hintergrund haben. Jedenfalls, der Donnerstag startete gemütlich mit einem Stand-Up Comedian nach dem anderen, welche zum Glück meist sehr unterhaltsam waren. Am Freitag hatten wir fast aussschliesslich Singer/Songwriter auf der Bühne, was nach mehreren Stunden langsam aufs Gemüt schlagen kann und so sangen wir manchmal lauthals irgendwelche Lyrics mit lebensverneinenden Inhalt passend zum jeweils auftretenden Künstler. Am Samstag variierte das Programm ein wenig mehr und wurde teilweise auch richtig laut. Insgesamt waren es einfach zu viele Bands, aber hier drei, die mir positiv aufgefallen sind: Jonah Matranga, Alice Phoebe Lou und Emperor Yes, Selbstverständlich waren auch viele andere Künstler nett anzuhören, aber diese drei sind mir speziell im Gedächtnis geblieben. Hier seht ihr mal das komplette Programm. Wir waren bei The Croft platziert:
Samstag war der erste Tag, an dem wir Frühstück servierten und wir waren die einzigen auf dem Festival, die ein Full English Breakfast im Angebot hatten. Schnell bildete sich nach Öffnung um 7 Uhr Morgens eine Schlange und bis Mittags waren wir damit beschäftigt eine Bestellung nach der anderen abzuarbeiten. Speck, Würstchen, Bohnen, Hash Brownies und daneben nach die normalen Bestellungen, es herrschte ein wenig Chaos und die Leute mussten sich ein wenig auf ihr Essen gedulden, da wir nur zwei Grillstationen haben. Mittlerweile habe ich auch meinen Lieblingsort gefunden: Die Smoothie Area. Die ist direkt an der Front des Shops in Blickrichtung Kunden/Publikum und ich mag einfach die strahlenden Gesichter, wenn man ihnen ihre Bestellung überreicht. Ganz süss war eine Frau, die nach dem Probieren des Smoothies mit den Worten "It's delicious!" angehüpft kam. Michael mag diesen Bereich gar nicht, der ist lieber bei den Paninins/Toasties/Falafal. Dort ist man ein wenig versteckt durch einen 1.60m hohen Sichtschutz. Ich habe die Leute viel lieber im Blick.
Beim nächsten Festival werde ich euch den Shop auch mal zeigen, versprochen. Irgendwie kam ich dieses Mal nicht wirklich dazu. Nach jeweils rund 10-12 Stunden arbeiten wollte ich jeweils das Festival geniessen oder mich ein wenig hinlegen. Jeden Tag nach Feierabend ein paar Konzerte ansehen, es ist wirklich herrlich und während der Arbeit auch Live Beschallung, eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Mein bevorzugter Bereich am Festival war der Wald, dort wurden permanent Akkustik Sets aller Stilrichtungen gespielt und ein ganz besonderes Erlebnis waren Liberto Wolf am Freitag Abend. Die hatten alle ihre Lieder umgemodelt und heraus kam ein extrem ruhiges und bedächtiges Konzert. Stellt euch einfach Post-Rock ohne Lärm und Effekte vor. Es klang ein wenig wie die ersten paar Minuten von Long Distance Calling - Aurora. Schlagzeuge waren im Wald keine zugelassen und meistens Cajons oder andere einfacher Schlaginstrumente benutzt.
Auf den anderen Bühnen sah ich noch Bands wie The Subways und And So I Watch You From Afar, die ich aber bereits vorher kannte. Die Tagesheadliner Deaf Havana und Alkaline Trio konnten mich jeweils nicht so wirklich überzeugen, könnte aber auch an der Soundqualität gelegen haben, welche auch der Hauptbühne nicht die allerbeste war. Meine Entdeckung des Festivals und der absolute Höhepunkt waren The Twilight Sad, die schottischen Interpol mit Shoegaze Elementen. Der Sänger gab alles und schreite teilweise ohne Mikrofon seine Emotionen in die Menge und war dennoch hörbar. Solch eine Verausgabung und Hingabe an die Musik hatte ich bisher selten an einem Konzert gesehen. Auch auf den Alben können sie überzeugen und seit Montag höre ich sie fast konstant.
Entdeckt habe ich die Band durch das Wetter. Ich war gerade an der Hauptbühne bei Alkaline Trio, als es Anfing zu regnen. Da ich eh weiterziehen wollte, nutzte ich den Anlass. Bisher war das Wetter aber erste Sahne gewesen mit strahlend blauem Himmel tagsüber und warmen Temperaturen. Nur jeweils in der Nacht wurde es kühler mit rund 10°C.
2000 Trees war insgesamt ein gemütliches Festival, mit lahmem Publikum und zu wenig Musik in der Nacht. Die eher älteren Besucher des Maverick Festivals sorgten für einiges mehr an Stimmung als die jungen Hüpfer am 2000 Trees,welche meistens nur faul auf der Wiese rumlagen und sitzen und sich von der Musik beschallen liessen. Quick & Dirty habe ich noch ein kurzes Video mit ein paar Impressionen zusammen geschnitten. Gefilmt mit meiner Digicam, also erwartet nichts grosses und zudem ist das Schneiden auf dem Laptop eine sehr mühselige Arbeit...
Fast wäre es mir entfallen, der beste Part des Festivals: Die Zeit bei der alle Besucher wieder vom Gelände sein mussten. Es war unglaublich, was die reichen Kids so alles liegen gelassen hatten und wir gingen auf eine kleine Shopping Tour durchs Gelände. Decken, Kissen, Stühle, Tische, Schuhe, Kleider, Bier, Geld, Matratzen, Schlafsäcke, Zelte, Kühlerboxen, ich hätte mir eine komplette Wohnung einrichten können mit dem Zeugs. Nach fünf mehr oder weniger anstrengenden Tagen waren wir dann am Sonntag Abend gegen 9 Uhr endlich wieder zu Hause. Dieses Mal hatten wir genügend Essen während der Rückfahrt, im Gegensatz zu letztem Mal sogar viel zu viel. Das nächste Festival wird das LFest, ein Festival für und von Lesben. Ich bin mal gespannt, wie das wird.
Seit ich in England bin, habe ich wieder angefangen regelmässig zu lesen und mir vorgenommen, pro Festival ein Buch zu beenden. Mittlerweile habe ich Ready Player One von Ernest Cline und Catcher in the Rye von J.D. Salinger beendet, beides hervorragende Bücher. Aufgrund der Thematik hatte es mir Ready Player One besonders angetan. Ich liebe solche gross angelegten Schnitzeljagden. Als nächstes steht The Handmaid's Tale von Margaret Atwood an. Falls ihr noch Tipps für Bücher habt, die ich unbedingt lesen sollte, dann immer her damit. Blade Runner habe ich mir nun endlich auch mal angesehen und war positiv überrascht, ein berechtigter Klassiker. Als nächstes werde ich mir Citizen Kane geben, der steht schon viel zu lange auf meiner must-watch Liste.
Wohnung weg, Möbel und Gerümpel entsorgt. Nur noch ein paar Verpflichtungen binden mich an die Schweiz. Der Stress war gross in den letzten Tagen und hielt bis zur Ankunft am Flughafen an. Fünf Tage sind halt wirklich nicht sehr viel Zeit, um sein komplettes bisheriges Leben aufzugeben, aber immerhin halbwegs hat es geklappt.
Mittlerweile befinde ich mich schon fast eine Woche in Leicester, England. Unglaublich, wie schnell die Zeit verfliegt. Das erste Festival, das Maverick mit Fokus auf Folk, Blues und Country habe ich bereits hinter mir. Mittwoch Abends um 20 Uhr kam ich in Leicester (bei +30°C) an und am nächsten Nachmittag zogen wir bereits los. Wir, das sind Razz und Steward, meine "Arbeitgeber", Michael aus Brasilien, Raven aus Deutschland und ich. Mit diesen Vans ziehen wir von Festival zu Festival:
Bilder vom Cafe und den anderen werde ich noch nachliefern. Am Mittwoch hatte ich zu wenig Zeit, um alle Akkus aufzuladen, weswegen ich auf die Bilder von Michael angewiesen bin. Vom nächsten Festival, dem 2000 Trees wird es aber definitiv auch bewegtes Bildmaterial geben.
Das Cafe ist einiges grösser, als ich erwartet hatte. Nach rund vier Stunden Aufbau waren wir damit fertig und während den nächsten Tagen lernte ich die Zubereitung von Falafeln, Toasties, Paninies, diversen Stews, Smoothies und Milkshakes. Meine Barista Skills hinken noch hinterher, das haben meistens Razz oder Steward übernommen. Wie in der Schweiz war das Wetter ungewohnt heiss und Freitag Nacht zog ein gewaltiger Sturm übers Gelände. Zum Glück hat alles gehalten. Gearbeitet haben wir jeweils von 8 Uhr Morgens bis 11 Uhr Abends in unterschiedlichen Schichten, je nach Auslastung des Cafes.
Das Festival selber war auf einer Tierfarm situiert und im kleineren Rahmen mit 5000 Besuchern angesiedelt. Neben den bereits genannten Genres gab es auch ein paar Singer & Songwriter in kleinen Räumen der Farm, gemütlich ausgestattet mit Stühlen. Die beste Band, die ich gesehen habe war Marty O'Rilley & The Old Soul Orchestra, eine Mischung zwischen psychedelischen Blues, Folk mit Post-Rock Elementen. Ihr erstes Album befindet sich gerade noch in Produktion, weswegen ich euch nur ein älteres Lied verlinken kann, aber die Jungs waren wirklich super und auch Michael war total angetan von ihnen.
Nebenbei haben wir noch direkte Verwandte von Edgar Allen Poe und diverse Country Sänger gesehen, aber keine konnte uns so überzeugen wie Marty O'Rilley. Ganz gemütlich war auch eine Blues Sängerin begleitet mit E-Gitarre am Samstag Abend, wobei ich durch die entspannte Stimmung und den Anstrengungen der vergangenen Tage dabei fast auf meinem Stuhl eingeschlafen wäre.
Am Sonntag Nachmittag endete das Festival um 14 Uhr, wobei wir erst nach 16 Uhr anfingen mit Abräumen, da wir die anderen Stände noch ein wenig mit Nahrung und Kaffee versorgten. Überhaupt muss ich sagen, dass es sehr faszinierend ist zu sehen, wie ein Festival entsteht. Am Donnerstag war noch alles leer und nach und nach fingen alle an die Bühnen und Stände aufzubauen bis mit der Eröffnung am Donnerstag Abend dem Festival mit den Besuchern erst richtig Leben eingehaucht wurde. Bei der Ankunft war ich zuerst skeptisch, aber am Ende fand ich es ein gelungenes Event, wenn auch die Musik meist nicht meinen Geschmack traf.
In Windeseile räumten wir am späteren Sonntag Nachmittag alles auf und in einer Rekordzeit von drei Stunden war alles in den zwei Vans verstaut. Wir hatten es so eilig, wieder nach Hause zu kommen, dass wir völlig vergessen hatten Essen für die vierstündige Fahrt vorzubereiten. Dadurch ergab sich die lustige Situation, dass wir irgendwann Abends halb verhungert an einer Tankstelle gehalten haben und Steward unbedingt Hühnchen wollte. Er war so hungrig, dass er die Plastikverpackung nicht normal öffnete, sondern sie mit dem Finger wie ein Schwert aufstach. Michael und ich waren auch ausgehungert und fingen sogleich an zu essen, wenig später bemerkten wir, dass die Hühnchenstreifen nur halb gekocht waren, was für grosses Gelächter sorgte. Wie die Tiere hatten wir uns darauf gestürzt. Dafür gabs wenig später einen Halt im Mc'Donald's, wo wir uns ein wenig stärkten für die Weiterreise.
Um 1 Uhr Morgens waren wir zurück in Leicester und jeder verschwand praktisch sofort in seinem Zimmer und ging schlafen. Am Montag war es sehr ruhig im Haus. Erst gegen Abend kam langsam wieder leben in die Bude. Alle waren jeweils nur kurz wach, um was zu essen und gingen anschliessend wieder schlafen. Das waren so meine ersten Tage in London. Ich kann gar nicht fassen, dass schon bald eine Woche rum ist, die Zeit vergeht wie im Fluge. Morgen, also am Mittwoch geht es bereits weiter zum 2000 Trees Festival. Man liest sich nächste Woche wieder, bis dann. <3