Dienstag, 15. September 2015

La vita è bella

Eine Woche nichts tun, keine Artikel schreiben, Email mal Email sein lassen, keine Artikel schreiben und das Leben geniessen. Heute wurde mir bewusst, dass ich dies seit  über anderthalb Jahren nicht gemacht habe.

Das Leben hier hat sich mit dem Abgang von Rhys schlagartig geändert. Nicht eine, nicht zwei, gleich drei Frauen sind in mein Leben getreten. Letzte Woche wurde exzessiv gefeiert bis zum legendären Wahrheit & Pflicht Abend, welche alle Beteiligten zutiefst beeinflusst hat. Folk tanzen auf dem Piazza Bellini, die Suche nach dem perfekten Glas Wein und unzählige Abenteuer, die hier besser nicht erwähnt werden hinterliessen ihre Spuren.

Die letzten Tage war Strand angesagt, irgendwann muss man sich auch wieder erholen. Mondello, normalerweise überlaufen, fanden wir nach einem halbstündigen Regen fast ohne Menschenseele vor und genossen den Sonnenuntergang am Strand. Gestern ging es nach Arenella, ein Strand der nur den wenigsten bekannt ist und viel Raum für zweisame Stunden zulässt. Bei 34°C, ohne Schatten Nachmittags um zwei Uhr ohne Mittagessen bereits anfangen Bier zu trinken war jedoch nicht die weiseste Idee, die wir hatten. Umso besser schmeckte die riesige Familien Pizza um acht Uhr Abends für 13 Euro, inklusive Getränken. Ausgeklungen wurde der Abend am Pier begleitet von den energetischen Klängen einer Gruppe Bongo Spieler.

La vita è bella =)




Eine Woche bleibt mir noch übrig in Palermo, dann heisst es leider Abschied nehmen. Ein Tag, dem ich nicht entgegen sehne. Zu schön ist das Leben hier, ein Zuhause in der Fremde, die gar nicht mehr so fremd ist. Nach einem Monat werde ich mittlerweile auf den Strassen im Viertel begrüsst, kann mich in Restaurants und Bars ohne Probleme auf Italienisch verständigen und ab und zu erreichen mich am Morgen auch Nachrichten wie: Hey, warst du gestern bei der Taverna? ;)

Piazza Garrafello ist mittlerweile tot. Die Polizei hat die ewig währende Party beendet, Musik gibt es nur noch selten und wenn in moderater Lautstärke zu hören. Dies hält die Leute jedoch nicht davon ab, regelmässig in Heerscharen ins Viertel zu strömen. Trotzdem, im Gegensatz zu früher ist hier nicht mehr ganz so viel los, aber immer noch mehr als ihr euch vorstellen könnt.

Ein anderer legendärer Abend war am ersten Wochenende ohne Musik. Wir kamen gerade vom Piazza Maggione, dem Ort an dem sich alle Studenten treffen, zurück und wenig später wurden wir Zeuge einer Schlägerei. Nicht die übliche mit ein bisschen Hauen und Abstand nehmen, hier wurde in blinder Wut aufeinander eingedroschen und als jemand ein Messer zückte geriet die Menge in Panik. Flaschen und Stühle wurden von Herumstehenden in die Hand genommen, andere suchten das Weite. Es herrschte Chaos. Barbesitzer schnappten sich die Tische und Stühle ohne Rücksicht auf die sich noch darauf befindlichen Flaschen und schlossen innert Sekunden. In wenigen Minuten war praktisch keine Menschenseele mehr vorhanden und die fünf Polizeiwagen, welche zwanzig Minuten ankamen, verschwanden wieder nach dem Drehen einer Runde. Ein Abend, denn wir nicht so schnell vergessen werden!

Eine Woche noch, die innere Unruhe beim Gedanken daran ist unbeschreiblich. Das Zurücklassen geliebter Menschen nicht vorstellbar. Palermo hat mir gezeigt, wie das Leben sein sollte und mir ein neues Zuhause gegeben. Ein Ort, den man nicht verlassen will, in der Ferne vermisst und man wertgeschätzt wird, umgeben von Liebe.

Noch eine Woche...welche in den vollsten Zügen genossen werden wird. 

Montag, 7. September 2015

Abschied

Heimkommen, für viele Vollblut Reisende das Schlimmste. Meist dauert es mehrere Wochen, um mental wieder komplett zu Hause anzukommen. Einiges schmerzlicher ist jedoch das Abschied nehmen.

Die Dauer der Bekanntschaften spielt keine Rolle, nur die Intensivität. Manche fallen leichter, andere scheinen die Welt zum Stillstand zu bringen. Ein Wiedersehen ist meist ungewiss, leb wohl ist nicht selten wortwörtlich zu verstehen. Worte bleiben ungesagt, der Austausch von Facebook und anderen Daten wird versäumt. Manche bleiben ein Leben lang in Erinnerung, die Namen jedoch vergessen. Kleine magische Momente, die genau dies bleiben sollen und nicht vom Trott des Alltages zerstört werden.

Auch wenn das Schicksal gnädig ist und ein baldiges Wiedersehen ermöglicht, trennen sich die Wege nach kurzer Zeit bald wieder; für immer. Doch es gibt sie, die Ausnahmen. Personen, deren Pfade nach nur wenigen Tagen untrennbar verknüpft sind und den weiteren Lebensweg zusammen beschreiten.

Ausnahmen sind leider nicht die Regel und so suhlen wir uns in den verpassten Chancen und erinnern uns an die intensiven Momente vergangener Tage mit der Gewissheit, dass die nächste kommen wird. Irgendwann. Und mit Glück wird sie bleiben.


In Memoriam:

- Rothaarige Isländerin, welche für eine äusserst unterhaltsame Autofahrt von Reykjavik nach Akureyri gesorgt hat

- Texanerin in San Sebastian, welche durch ihre Nacktzeichnungen und dem Strandspaziergang bei Vollmond verzauberte

- Norwegerin in Bangkok, welche sofort auf der selben Wellenlänge war und man nie wusste, ob sie geistig im klaren ist

...und alle anderen wundervollen Menschen, die mir auf meinen Reisen begegnet sind.

Meine Liebe ist mit euch.

Sonntag, 30. August 2015

Catacombe dei Cappuccini

Die Luft steht still, kein Windhauch ist zu spüren. Die draussen herrschende Hitze verschwunden, wich jedoch nicht einer Kühle, die eigene Körpertemperatur verschmilzt mit der Umgebung. Leises wispern ist zu hören, ansonsten herrscht Totenstille, wortwörtlich. Wir haben soeben die Katakomben von Cappuccini betreten, Ruhestätte von rund 8000 Leichen und über 1200 Mumien.



Unterteilt sind die Katakomben in verschiedene Bereiche: Männer, Frauen, Kinder, Jungfrauen und Mönche. Die Leichen sind in allen Stadien vorzufinden und reichen von beinahe unversehrt erhalten über Gestalten aus den schlimmsten Alpträumen zu Skeletten. Die älteste Mumie, ein Mönch, ist über 400 Jahre alt und die jüngste, ein zweijähriges Mädchen, keine Hundert. Die Ausstellungsobjekte wirken beängstigend lebendig, als könnten sie jeden Moment aus ihrer Stare erwachen.



Besonders interessant war die innere Abstumpfung gegenüber den Leichen. Der anfängliche Reflex die Katakomben sofort wieder zu verlassen, der Blick nur kurz über die Toten huschend, stets in der Mitte des Ganges gehend, verschwand nach einer Weile und mit Interesse fang ich an die Toten und deren Kleidung zu studieren. Selbst das zweijährige Mädchen konnte nicht mehr schocken, ähnlich Andy Warhols Death and Disaster Austellung mit immer schlimmer werdenden Darstellungen von Unfällen. Es war die bisher schrecklichste und zugleich eindrücklichste Erfahrung in meiner Zeit in Palermo.

Mittwoch, 26. August 2015

La Vucciria

Das schäbige Viertel Vucciria ist in ganz Sizilien für seinen wilden Mercato della Vucciria bekannt, einen quirligen Markt, der nur so wimmelt vor schreienden Verkäufern, silbernen Fischen mit starrem Blick, schaukelnden Tierkadavern, frischem Obst und Gemüse und Fleischräuchergrills. 
Vucciria, einst das Herz des von Armut geplagten Palermos und ein Sumpf von Verbrechen und Dreck, veranschaulichte die fast mittelalterliche Kluft zwischen Reich und Arm, die bis in die 1950er-Jahre in Sizilien existierte. Obwohl es immer noch ziemlich schäbig ist, zieht das Viertel Heerscharen von Touristen an und ist einer der faszinierendsten Bezirke von Palermo, in denen man umherschlendern kann.
 - Lonely Planet Guide Sizilien

Herscharen von Touristen? Mercato della Vucciria als Highlight? Naja, Lonely Planet kann nicht alles wissen. Piazza Garrafello in Vucciria ist so ziemlich der beste Ort in Palermo, um Abends seine Zeit zu verbringen. Ein Bild davon habt ihr ja im letzten Beitrag gesehen. So sieht es jeweils am Wochenende aus:


Und in Bewegung (Vorsicht: Laut!):



Zu viele Videos und Bilder lassen sich zu den nächtlichen Aktivitäten nicht find. Dies hat einen einfachen Grund: Es ist illegal. Die Musik wird erst nach Mitternacht voll aufgedreht, Stände mit Alkohol kommen angefahren und Shops stellen ihren harten Alkohol aus. Dies geschieht erst nach Mitternacht, weil die Polizei dann schlafen geht. Fragt nicht, es ist einfach so... Sollte mitten in der Nacht doch mal Polizei in der Nähe sein, macht dies schnell die Kunde. Die Musik wird abgestellt, der Alkohol versteckt. An allen Eingängen zu La Vucciria müssen Späher postiert sein. Kaum ist die Lage wieder sicher, geht die Party weiter und der weisse Rauch zahlloser Joints steigt wieder vom Partyzentrum Palermos auf. 

Touristen verirren sich selten hierhin und falls doch sind sie mehrheitlich italienischer Abstammung. Kein Wunder, diesen Part Palermos würde ich wahrscheinlich als Tourist nicht mal bei Tage betreten, geschweige bei Nacht. Tagsüber ist es gespenstig ruhig. Die Spuren der vergangenen Nacht werden beseitigt und der ganze Platz gewischt. Erst gegen Abend erwacht Piazza Garrafello langsam wieder. Die Leute setzten sich an die Tische, trinken Bier zu leiser Hintergrundmusik, bis spät Abends die Tische weggeräumt werden und die Party wieder von vorne los geht bis vier Uhr Morgens. 

Dienstag, 18. August 2015

Das Leben in Palermo

Palermo ist keine Liebe auf den ersten Blick und bei der Busfahrt vom Flughafen in die Stadt kam mir öfters der Gedanke: "Oh Gott, was habe ich getan?!" Die Lage des Hostels machte dies nicht besser, da die Gegend auf den ersten Blick ziemlich heruntergekommen scheint. In den letzten Tagen lernte ich jedoch die Stadt zu lieben, auch wegen meiner Arbeit hier. Ich schildere mal kurz einen normalen Tagesablauf:

9am: Langsam aufstehen und frühstücken. Jeden Morgen gibt es frische Croissants und den besten italienischen Kaffee. Danach schauen wir (= Rhys und ich) im Kalender nach wer heute das Hostel verlässt und wann die neuen Gäste ankommen. Wir beziehen die Betten neu, waschen die Bettwäsche und hängen sie draussen auf. Alle paar Tage wischen wir die Böden oder nehmen sie feucht auf. Gegen 12-1 Uhr Mittags sind wir meistens fertig mit der Arbeit - und nehmen es dabei sehr gemütlich. Insgesamt gibt es zehn Betten im Hostel, also nie wirklich viel zu tun für uns.

Nachmittag: Die verbringen wir immer unterschiedlich. Ganz gemütlich ist das 10km entfernte Mondello mit seinen warmen Gewässern:


Um 6-7 Uhr Abends sind wir meist zurück von den täglichen Ausflügen und es ist Zeit für eine kleine Siesta. Um 10 Uhr Abends kochen wir gemeinsam und gegen Mitternacht gehts meist raus mit einigen Hostel Besuchern. Wir haben gleich um die Ecke eine Piazza bei der jede Nacht Musik gespielt wird und viele Einwohner ihren Abend verbringen. Zwischen 1 und 2 Uhr gehts zurück ins Hostel zum Schlafen, wobei es diese Woche auch schon mal 4 Uhr Morgens wurde. Dies war jedoch ein spezieller Abend, da das gesamte Hostel gemeinsam ging. Mittlerweile dürfte ich schon auf Hunderten von Bildern wie diesen vertreten sein:



Entgegen dem Eindruck ist das Hostel selber sehr ruhig. Hier finden am Abend keine Parties statt, es wird sich höchstens angeregt unterhalten und mal zur Musik mitgesungen. Die Gäste kommen aus aller Welt und wechseln ständig. Unglaublich, wie viele interessante Menschen ich bereits kennen gelernt habe. Meine Facebook Freundesliste wächst täglich. Natürlich hat man nicht mit allen den selben intensiven Kontakt, aber wenn einem jemanden nicht passt, ist diese Person nach ein zwei Nächten eh wieder fort. 

Martino (26) und seine Mutter Margherita (50?) sind die Besitzer des Hostels und das komplette Gegenteil von Stuart & Razz. Wir sind hier wirklich eine kleine Familie und unsere Arbeit wird geschätzt. Ich fühle mich willkommen und es werden auch oft positive Worte ausgesprochen. Das Vertrauen geht sogar soweit, dass wir einen Morgen lang das Hostel komplett alleine geführt haben, da sich ein familiärer Notfall ereignet hat. Wir empfingen die neuen Gäste, notierten die Passport Nummer, zeigten ihnen das Hostels und nahmen das Geld für die Nächte entgegen. Wir haben hier so wenig zu tun und uns wird soviel gegeben. Wenn Martino gerade ein bisschen gestresst ist (gestern wurde ihm z.B. der Motorrad Helm geklaut), schnappt er sich mich und wir gehen Gelato auf seine Kosten essen. Gelato im Brioche = göttlich. Falls wir zwichendurch hungrig sind, können wir in den Shop an der Strasse gehen und dem Besitzer sagen, dass Margherita bezahlt. Es ist wirklich paradiesisch hier. Auch den Gästen gefällts und viele kommen oft nochmals für eine Nacht vorbei, bevor sie wieder nach Hause oder sonst wohin reisen. 

Unsere kleine Familie:




Das Hostel:







Rhys und ich schlafen in einem 8-Bett Zimmer, das andere hat vier. Tagsüber sind die Leute oder wir mit ausgewählten Gästen meist unterwegs und das Hostel ist praktisch leer. An Zeit zum einfach nur alleine sein mangelt es glücklicherweise nicht und auch Abends ist es immer ruhig in den Zimmern. Nur die Bedienung für die Klimaanlage mussten wir verstecken, da die Gäste die Temperatur ständig änderten. Das war es fürs erste aus Palermo. Im nächsten Beitrag werde ich näher auf einzelne Personen, Orte und sonstige Gegebenheiten eingehen, dies sollte einen Überblick über mein neues Leben als Sizilianer verschaffen. ;)

Bis bald <3


Samstag, 15. August 2015

Die letzten Tage in England

Am vergangenen Sonntag war der Punkt gekommen, an dem ich Entschied zu kündigen. Wie kam es dazu? Die generelle Stimmung habe ich ja bereits in einem vorherigen Beitrag beschrieben, dazu kam dass Razz sehr OCD ist und alles stets perfekt sein muss und nach ihrem Weg ausgeführt werden muss. Sie wollte, dass Maicon und ich den ganzen Shop betreuen und sie nichts anderes machen muss als Kaffee aus der Maschine lassen und die Kasse bedienen. Maicon erzählte mir, dass es zu Beginn nicht so schlimm war, aber von Woche zu Woche stetig schlimmer wurde. Razz fuhr sogar ein paar Mal früher nach Hause und wir mussten das Zelt alleine abbauen etc... alles in allem war die Atmosphäre einfach nicht gut. Es hätte eine wirklich gute Erfahrung sein können, aber die anfängliche Euphorie wich schnell. Nicht verwunderlich, dass ich in dieser Saison bereits die siebte Person bin, die den Shop verlässt, sei es freiwillig oder unfreiwillig. Es ist schier unmöglich den Erwartungen und Anforderungen dieser Frau gerecht zu werden. Ausserdem waren 25h Arbeit pro Woche vereinbart mit evt. ein paar Überstunden, gearbeitet haben wir rund 50h die Woche.

Am Sonntag Abend gab ich meine Kündigung per sofort bekannt und begann am nächsten Morgen etwas neues zu suchen. Meine erste Anlaufstelle war Cockermouth, da ich kein Internet hatte. Innert zwei Stunden fand ich dort einen Job in einer Bücherei und ein Zimmer in einer WG mit einer Finnin. Die Leute waren wirklich sehr hilfsbereit und eines führte zum Anderen. In einem Café nutze ich das Internet um eine Anfrage auch Couchsurfing zu senden, denn ich wollte so schnell wie möglich weg. Die Stimmung war sehr komisch. Nach der fünf stündigen Rückfahrt war überprüfte ich zu Hause in Leicester sogleich meine Anfrage und zu meinem grossen Glück wurde sie akzeptiert und ich konnte bereits am nächsten Tag dort einziehen. Nun galt es noch eine Arbeit zu für die weiteren Wochen und auch da hatte ich mehr als Glück, denn innerhalb von zwei Stunden hatte ich eine Zusage in Italien, um in einem Hostel zu arbeiten. Gott war ich froh!

Am Dienstag Nachmittag verliess ich bereits die Wohnung in Leicester, was sich als beste Entscheidung überhaupt heraus stellte. Der Fakt, dass mir nur die Hälfte des Lohns bezahlt wurde, weil ich gekündigt hatte, unterstreicht dies nur noch mehr. 200 Pfund verlor ich dadurch. Anyway, ich traf Mike am Nachmittag in der Stadt und später stiess seine Frau Laura hinzu. Beide Anfangs 30 und herzensgute Menschen. Sie ist Kuratorin für Museen und Bloggerin, er Musik Produzent. Wir hatten so viele Gemeinsamkeiten, wir redeten (& tranken) stundenlang bis 4 Uhr Morgens. Zu viel positives hat sich ereignet, um hier aufzulisten, aber mit Mike & Laura habe ich Freunde fürs Leben gefunden, die ich in absehbarer Zeit wieder treffen werde. Durch die beiden lernte ich die Vorzüge, Geschichte und das bunte Treiben in Leicester kennen. Es war wirklich schade, dass ich sie am Mittwoch Abend um Mitternacht bereits wieder verlassen musste und auch sie wollten nicht, dass ich gehe. So kann es gehen, zuerst unbedingt weg aus Leicester und ein paar Stunden später hätte ich für Monate bleiben können. Naja, Wochen, fuck the rain. Im nächsten Beitrag folgt die Einreise naaaach.... PALERMO und meine Arbeit hier (ein Wort: Paradies).


Northbound Festival 2. Versuch

So endlich habe ich wieder Zeit zum Schreiben. In den letzten Tagen hat sich sehr viel ereignet. Verzeiht mir den überdramatischen letzten Beitrag - ich konnte nicht widerstehen. Damit es nicht ein überlanger Beitrag wird, gliedere ich die letzten Tage nach Events, angefangen mit dem Northbound Festival.

Da waren wir also unterwegs zum Northbound Festival, die Stimmung immer noch eiskalt zwischen Razz und Stuart. Statt wie geplant Mittwochs verliessen wir Leicester am Donnerstag um 6 Uhr Morgens und waren gegen Mittag in Cockermouth im Norden Englands. Die Landschaft dort ist einiges schöner als im flachen Süden des Landes und beherbergt einige flache Hügel, welche man knapp als Berge bezeichnen könnte.

Das Festival selber fand dieses Jahr zum ersten Mal statt, wobei in den Jahren zuvor ein anderes Festival am selben Ort war. Es war relativ klein und überschaubar mit einer Hauptbühne und vier kleineren Zelten. Leider wurde für das Festival nicht genügend Werbung gemacht und es waren praktisch keine Leute anwesend. Bei den Mainacts waren jeweils alle Besucher bei der Hauptbühne und die restlichen Stages beinahe leer. Insgesamt waren vielleicht knapp 1000 Besucher anwesend, wobei das Gelände locker Raum für 5000 und mehr gehabt hätte.

Das Line-Up bestand hauptsächlich aus englischen Bands jedes Genres und das absolute Hightlight waren Publich Service Broadcasting, welche ich bereits an der Secret Garden halbwegs gesehen hatte. Es war eine unglaublich gute Stimmung, weil ein Sturm aufkam und die Musik aus den Boxen so durcheinanderwirbelte, dass wir quasi rundum umgeben von der Musik waren, anstatt nur von vorne beschallt zu werden. Dazu kam eine interessante Lichtshow gepaart mit alten Filmszenen aus der Zeit als die Menschen zum ersten Mal den Weltraum erforschten. Was für eine Stimmung!


Der Auftritt erinnerte mich stark an Godspeed You! Black Emperor, sowohl von der Musik als auch von der Bühnenshow, wobei PSB einiges leichter zugänglich sind. Daneben haben wir noch unzählige Singer/Songwriter gesehen, da die Akkustik Bühne gleich bei unserem Shop war, aber nichts davon ist hängen geblieben, eine Übersättigung fand statt. Der einzige erwähnenswerte Auftritt, denn wir noch gesehen haben wer derjenige von den Dub Pistols, wobei sie für meinen Geschmack zu wenig von ihrem DnB gespielt hatten.

Das Wetter war uns gnädig und meist sonnig, begleitet von teilweise starken Böen. Tagsüber gingen Maicon und ich oft ins idyllische Dörfchen Cockermouth und entspannten auf einer Wiese am Fluss. Gefilmt habe ich dieses Mal praktisch nichts, es bot sich nicht genug Material für meinen Geschmack und es waren zu wenige Leute anwesend. Vielleicht schneide ich was im nächsten Post, aber das war es soweit mit meinem Eindruck vom Northbound Festival, im nächsten Beitrag folgen meine letzten Tage in England und wie es dazu kam.