Dienstag, 7. Juli 2015

Auf nach England

Wohnung weg, Möbel und Gerümpel entsorgt. Nur noch ein paar Verpflichtungen binden mich an die Schweiz. Der Stress war gross in den letzten Tagen und hielt bis zur Ankunft am Flughafen an. Fünf Tage sind halt wirklich nicht sehr viel Zeit, um sein komplettes bisheriges Leben aufzugeben, aber immerhin halbwegs hat es geklappt.

Mittlerweile befinde ich mich schon fast eine Woche in Leicester, England. Unglaublich, wie schnell die Zeit verfliegt. Das erste Festival, das Maverick mit Fokus auf Folk, Blues und Country habe ich bereits hinter mir. Mittwoch Abends um 20 Uhr kam ich in Leicester (bei +30°C) an und am nächsten Nachmittag zogen wir bereits los. Wir, das sind Razz und Steward, meine "Arbeitgeber", Michael aus Brasilien, Raven aus Deutschland und ich. Mit diesen Vans ziehen wir von Festival zu Festival:




Bilder vom Cafe und den anderen werde ich noch nachliefern. Am Mittwoch hatte ich zu wenig Zeit, um alle Akkus aufzuladen, weswegen ich auf die Bilder von Michael angewiesen bin. Vom nächsten Festival, dem 2000 Trees wird es aber definitiv auch bewegtes Bildmaterial geben.

Das Cafe ist einiges grösser, als ich erwartet hatte. Nach rund vier Stunden Aufbau waren wir damit fertig und während den nächsten Tagen lernte ich die Zubereitung von Falafeln, Toasties, Paninies, diversen Stews, Smoothies und Milkshakes. Meine Barista Skills hinken noch hinterher, das haben meistens Razz oder Steward übernommen. Wie in der Schweiz war das Wetter ungewohnt heiss und Freitag Nacht zog ein gewaltiger Sturm übers Gelände. Zum Glück hat alles gehalten. Gearbeitet haben wir jeweils von 8 Uhr Morgens bis 11 Uhr Abends in unterschiedlichen Schichten, je nach Auslastung des Cafes.

Das Festival selber war auf einer Tierfarm situiert und im kleineren Rahmen mit 5000 Besuchern angesiedelt. Neben den bereits genannten Genres gab es auch ein paar Singer & Songwriter in kleinen Räumen der Farm, gemütlich ausgestattet mit Stühlen. Die beste Band, die ich gesehen habe war Marty O'Rilley & The Old Soul Orchestra, eine Mischung zwischen psychedelischen Blues, Folk mit Post-Rock Elementen. Ihr erstes Album befindet sich gerade noch in Produktion, weswegen ich euch nur ein älteres Lied verlinken kann, aber die Jungs waren wirklich super und auch Michael war total angetan von ihnen.


Nebenbei haben wir noch direkte Verwandte von Edgar Allen Poe und diverse Country Sänger gesehen, aber keine konnte uns so überzeugen wie Marty O'Rilley. Ganz gemütlich war auch eine Blues Sängerin begleitet mit E-Gitarre am Samstag Abend, wobei ich durch die entspannte Stimmung und den Anstrengungen der vergangenen Tage dabei fast auf meinem Stuhl eingeschlafen wäre.

Am Sonntag Nachmittag endete das Festival um 14 Uhr, wobei wir erst nach 16 Uhr anfingen mit Abräumen, da wir die anderen Stände noch ein wenig mit Nahrung und Kaffee versorgten. Überhaupt muss ich sagen, dass es sehr faszinierend ist zu sehen, wie ein Festival entsteht. Am Donnerstag war noch alles leer und nach und nach fingen alle an die Bühnen und Stände aufzubauen bis mit der Eröffnung am Donnerstag Abend dem Festival mit den Besuchern erst richtig Leben eingehaucht wurde. Bei der Ankunft war ich zuerst skeptisch, aber am Ende fand ich es ein gelungenes Event, wenn auch die Musik meist nicht meinen Geschmack traf.

In Windeseile räumten wir am späteren Sonntag Nachmittag alles auf und in einer Rekordzeit von drei Stunden war alles in den zwei Vans verstaut. Wir hatten es so eilig, wieder nach Hause zu kommen, dass wir völlig vergessen hatten Essen für die vierstündige Fahrt vorzubereiten. Dadurch ergab sich die lustige Situation, dass wir irgendwann Abends halb verhungert an einer Tankstelle gehalten haben und Steward unbedingt Hühnchen wollte. Er war so hungrig, dass er die Plastikverpackung nicht normal öffnete, sondern sie mit dem Finger wie ein Schwert aufstach. Michael und ich waren auch ausgehungert und fingen sogleich an zu essen, wenig später bemerkten wir, dass die Hühnchenstreifen nur halb gekocht waren, was für grosses Gelächter sorgte. Wie die Tiere hatten wir uns darauf gestürzt. Dafür gabs wenig später einen Halt im Mc'Donald's, wo wir uns ein wenig stärkten für die Weiterreise.

Um 1 Uhr Morgens waren wir zurück in Leicester und jeder verschwand praktisch sofort in seinem Zimmer und ging schlafen. Am Montag war es sehr ruhig im Haus. Erst gegen Abend kam langsam wieder leben in die Bude. Alle waren jeweils nur kurz wach, um was zu essen und gingen anschliessend wieder schlafen. Das waren so meine ersten Tage in London. Ich kann gar nicht fassen, dass schon bald eine Woche rum ist, die Zeit vergeht wie im Fluge. Morgen, also am Mittwoch geht es bereits weiter zum 2000 Trees Festival. Man liest sich nächste Woche wieder, bis dann. <3

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