Sonntag, 18. Oktober 2015

Der Weg zur finanziellen Unabhängigkeit

Wie finanzierst du dir deine Reisen? Damit lässt sich Geld verdienen? Fragen, die mir immer wieder gestellt werden, aber ihr hättet hier nicht einen weiteren Blog Eintrag vor euch, wenn sich dahinter nicht eine weitere Geschichte verstecken würde. 

Zunächst gehen wir zurück ins Jahre 2005, eine Zeit vor Smartphones und Full HD, das Jahr in dem Hurrikan Katrina wütete, Angela Merkel zur Bundeskanzlerin , Ratzinger zum Papst und Samuel Schmid zum Bundespräsident der Schweiz gewählt wurden. Für mich war es das Jahr, indem die obligatorische Schulzeit endete und ich meine Lehre als Chemielaborant begann. Für den weiteren Verlauf der Geschichte wichtig: Am 29. Oktober traf ich mich in Basel für ein Interview zu einer damals neu gegründeten Website, für die ich als Spielejournalist tätig sein wollte. Leider hat dies damals knapp nicht gereicht.

Youtube Ära

Wir springen vorwärts ins Jahr 2013. Mittlerweile voll im Berufsleben stehend ist die Liebe zu Videospielen durch den Überfluss an Zeit wieder entfacht. Nicht jedoch die Call of Dutys, Battlefields, Assassin's Creeds und sonstigen bekannten Namen, die kleinen, kunstvollen, experimentellen Spiele hatten es mir angetan. Eine Sparte, mit der ich vorher nie in Kontakt getreten war, aber aufgrund meiner persönlichen Entwicklung nachvollziehbar war. Let's Plays, also Videos in denen Leute auf Youtube komplette Spiele durchspielen, waren damals kurz vor Erreichung des Zenits und auch ich startete einen Youtube Kanal, welcher sich ausschliesslich Indie Games widmete, eben diesen kleinen, weniger bekannten und nischigen Titeln. Am 19.04.2013 ging mein erstes Video online:




Am 26. April eröffnete ich begleitet einen kleinen Blog dazu, welcher auch heute noch online ist und mit seinem ersten Beitrag mein erstes "Interview" mit einem Spielentwickler, Andy Nguyen, beinhaltete:

[20:36] <SomniumLG> Hey Nguyen, can you tell me why you decided that guards won't follow you up or downstairs?
[20:36] <@Nguyen> because you would get chased forever haha
[20:36] <@Nguyen> and we wanted to section off each floor
[20:36] <@Nguyen> as if its their own level
[20:36] <@Nguyen> also
[20:36] <@Nguyen> one of the best aspects of Monaco is the feeling of getting away just in time
[20:36] <@Nguyen> so if youre getting beating by a guard and youre using a staircase
[20:37] <@Nguyen> and youre just about to die
[20:37] <@Nguyen> but you get through, its a great feeling
[20:37] <@Nguyen> its really tense
[20:37] <@Nguyen> if they followed you, you would just get hit and die
[20:37] <@Nguyen> the goal for monaco was to have a rise and fall to the action
[20:37] <@Nguyen> like a roller coaster
[20:37] <@Nguyen> the chase and escape
[20:37] <@Nguyen> it would be a constant chase if they just followed you
[20:44] <SomniumLG> Do you already have future plans for Monaco? Implementing new stuff and so on?
[20:44] <@CrosbotIV> SomniumLG next big update is the level editor it's in the beta and it's great


Hey, ich habe nichts von überrausragender Qualität geschrieben, dies waren auch mehr Fragen eines Fans, statt eines Journalisten. Am 18. März 2014, nach knapp einem Jahr also, ging das bisher letzte von 540 Videos auf meinem Youtube Kanal online. Nicht etwa, weil ich mein Interesse verloren hatte, sondern weil die Zeit dafür fehlte.

Den nächsten Teil müssen wir stark abkürzen, da wir ansonsten ins Jahr 2005 zurück müssten und uns in Details verlieren würden.  Kurz gefasst: Mit Bekannten versuchte ich eine Online Präsenz über Videospiele zu erstellen, das Projekt scheiterte aber an mangelndem Engagement. Der Funke in mir entfacht, schrieb ich einem anderen Kollegen, der für eine Schweizer Gamewebsite schrieb. Ganz casual schickte ich ihm den Link zu meinem Blog und Youtube Kanal angehängt mit der Frage, ob sie noch Leute zum Schreiben suchen. Zufällig taten sie dies und ich wurde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.

Das Quartal Combobreaker

Irgendwie konnte ich mich gegen einen Journalismus Studenten durchsetzen und so ging am 10. März 2014 mein erstes richtiges Review online. Mein liebstes Werk ist jedoch immer noch die psychologische Abhandlung über Veränderungen im Leben zu Dark Souls II und mein Artikel zu den manipulativen Maschenschaften der Videospielindustrie war der erste, der Beachtung auf einer anderen Homepage fand:

"Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ihr Beitrag über Lug & Trug in der Videospielebranche. Es sind sicherlich keine neuen Erkenntnisse, die die Journalisten von Combobreaker mit diesem Bericht ans Tageslicht bringen. Doch im Gegensatz zu anderen Medien wagen sie es, diese auszusprechen und deutlich zu verurteilen."

Nebenher produzierte ich auch einen wöchentlichen Wochenausblick in Videoform. Hinter einem Video standen rund 10 Stunden Arbeit! Neben dem Schreiben und Videos produzieren war ich noch 100% berufstätig, wodurch meine geliebten Indie Games stark in den Hintergrund rutschten.

Das Zeitalter indiegames.ch

Am 9.6.2014 entdeckte ich die Verfügbarkeit von indiegames.ch, programmierte innert zwei Wochen meine eigene Website und durch eine Mail an 20min erschien Anfangs Juli ein Portrait über mich und meine Beweggründe. Bis heute wurden über 400 Artikel auf indiegames.ch veröffentlicht, von mir und auch anderen Personen, zu Spitzenzeiten schrieben insgesamt vier Leute regelmässig dafür.

Neben dem Besuch internationaler Messen, wie die Gamescom in Köln oder die Games Week Berlin, organisierte ich unter anderem die Closing Party der Spielhalle Oslo, veranstalte eine Kinovorführung des Films GameLoading: Rise of the indies, welche erneut Erwähnung auf 20min fand, startete eine Kolumne auf SwissSMP.ch, half bei der Programmierung und Gestaltung von playfuloasis.com und habe diverse Artikel auf games.ch, einer der grössten Websites über Games in der Schweiz, veröffentlicht. Dies waren so die wichtigsten Ereignisse des Jahres, eine detailliertere Auflistung haben wir zum einjährigen Jubiläum veröffentlicht.

Irgendwann musste ich aber einsehen, dass es schier unmöglich ist, von den Einnahmen als Spielejournalist in der Schweiz leben zu können. Eine Erkenntnis, die mich nächtelang nicht schlafen liess, bis mir endlich die Lösung einfiel: ...in der Schweiz leben zu können...in der Schweiz! Bloody hell, ich bin weiss Gott nicht an die Schweiz gebunden und war schon immer sehr reisefreudig. Was danach geschah konntet ihr ja in den ersten Artikeln dieses Blogs erfahren.

Das Projekt indiecouch

Die Lebenserhaltungskosten auf praktisch Null gesenkt, brauchte ich nur noch Geld für gelegentliche Flüge und freizeitliche Aktivitäten. Das Weggli hatte ich schon, aber der Fünfer sollte es dennoch auch sein. Frei wie ein Vogel hatte ich im Sinne immer noch Veranstaltungen auf der ganzen Welt zu besuchen, jedoch stellte es sich in den letzten Jahren als immer schwieriger heraus, eine passende Couch via couchsurfing zu finden. Hostels liegen nun sowieso nicht mehr im Budget.

Zum "Glück" bin ich nicht der Einzige, dem es so geht. Unabhängige Entwickler haben meist ein sehr knapp bemessenes Budget und müssen ihre Spiele an Messen zeigen, damit sie mehr Aufmerksamkeit bekommen. Kurzerhand registrierte ich die Domain indiecouch.org, betrieb Market Research und arbeite nun seit einigen Wochen mit insgesamt vier Personen an dessen Umsetzung.

Das Ziel

Eines ist klar, momentan befinde ich mich mit meinen Einnahmen noch immer weit unter dem Existenzminimum. indiegames.ch wächst zwar stetig, aber langsam. Mit indiecouch.org lässt sich ein weitaus grösseres Publikum erreichen. Mit unserem Vorhaben und den Markteinschätzungen sollte es in Zukunft möglich sein, dieses Minimum zu überschreiten - gegen Ende nächsten Jahres.

Ihr seht also, ohne meine Arbeit als Spielejournalist, wobei dies für meine Tätigkeiten viel zu eng gesteckt ist, wären äusserst beliebte Artikel wie Groschenroman nie entstanden. Wenn ihr Gefallen an diesem Blog habt und mich auf meine Weg unterstützen wollt, dann könnt ihr dies via Patreon tun. Die Plattform ist ähnlich zu Kickstarter, aber anstatt einmal zu spenden, lässt ihr den Künstlern einen monatlichen Betrag zukommen. Die Beschreibung ist zwar vorwiegend auf indiegames.ch ausgerichtet, aber ihr kennt den Menschen dahinter, mich, ja mittlerweile.

Über was ich als nächstes Schreiben werde, kann ich noch nicht sagen, zunächst steht eine weitere ruhige Woche in der Schweiz an, bevor es für ein paar Tage an die Paris Games Week geht und danach für neun Tage nochmals in den WK. Ich würde ja für euch eine einwöchige Ausbildung zum Fallschirmspringer absolvieren, damit ich was zum Schreiben habe, aber hey, das liegt momentan finanziell einfach nicht drin. :D

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