Dienstag, 24. November 2015

Der Tod der Freundschaft

Wir verlassen die Turm-Analogie und begeben uns wieder auf konkreteren Boden. Beziehungen, im allgemeinen Sinne, bestehen aus Geben und Nehmen. In der Utopie herrscht die perfekte Balance dessen. In der Realität investiert eine Partei aber immer mehr als die andere, welches zu emotionalem Ungleichgewicht führt. Für die konstant investierende Person gewinnt die Beziehung an mehr Bedeutung. Schliesslich, wenn auch unbewusst, will ihr Investment Früchte tragen. Für die empfangende Person mag sich dies zwar gut anfühlen, aber die Bedeutung der Beziehung vermag es dadurch nicht zu wachsen.

Nun nehmen wir eine unausgeglichene Freundschaft. Analog dem Text über Freundschaft & Liebe wird die gebende Person unweigerlich irgendwann die unsichtbare Schwelle übertreten. Wir können uns belügen, es verleugnen, herunterspielen, aber nicht vergessen. Die Realisation darüber bringt keine Freude. Trauer ist ihre Nachricht, denn es bedeutet den Tod der Freundschaft.

Die Mitteilung dieser Botschaft verändert alles. Der Überbringer hat sich dazu entschieden, die Beziehung zu beenden. Eine Weiterführung wäre nicht gesund, ein Funken Hoffnung ist stets da. Verständnis, Enttäuschung, Ärger, die Reaktion darauf kann unterschiedlichst sein. Ich wusste es und hoffte, bei mir würde sich das selbe Gefühl einstellen. Ich wollte, dass ich mich irre. Warum musstest du unsere Freundschaft ruinieren?

Wie auch immer die Reaktion sei, Abstand wird benötigt, damit die Wogen sich glätten können. Zurück bleiben zwei verletzte Personen, die sich zwar gegenseitig sehr mögen, aber beide gehen ihren weiteren Weg alleine. Sofern es der Zufall will, werden sich die Wege in ferner Zukunft wieder kreuzen. Der Schmerz geht vorbei, aber die Erinnerungen an die guten Zeiten kann uns niemand nehmen.

http://www.vipservices.org/letting-go-improves-mental-health/

Montag, 23. November 2015

Einstürzende Neubauten

Der Turm ist gefallen.

Ein solch grosses Unterfangen, wie das Schubsen eines Turmes, sollte wohl überlegt, die möglichen Konsequenzen berücksichtigt sein. Es wäre leichtsinnig, das Risiko begraben zu werden zu hoch. Dank vereinten Kräften folgte der Sturz ohne Spektakel, die Schaulustigen blieben aus. Der Aufschlag abgefedert durch ein Moosbett. Keine Katastrophe, keine Erschütterung. Fast in seiner Gänze liegt der Turm nun da. Zu gross, um zu übersehen. Zu schwer, um wieder aufzurichten. Der Schuttplatz bekam ein neues Denkmal. Selbst dort vermögen es Blumen zu blühen - bei genügend Sonneneinstrahlung.

Nicht wer, sondern was. Symbolische Darstellung über Personifizierung.

Sonntag, 22. November 2015

Zurück in Palermo

Es war ein verrückter Sommer, unfassbar im Nachhinein. Es war klar, dass die Magie nicht mehr die gleiche sein wird bei einer Rückkehr. Kein Rhys, keine Geovana, selten Gäste, mehr Regen, gemässigtere Temperaturen, praktisch keine Touristen.

Wir sind die Zurückgebliebenen. Während für viele das Leben weiterging, blieb es hier stehen. Selbst für Margherita fühlte sich das leere Haus seltsam an. Die Stadt versprüht nun einen anderen Charme. Mitte November, auf dem Roller den Fahrtwind eines gefühlt warmen Frühlingstages umspielend, Richtung Abendsonne gleitend, deren Strahlen alles in ihrem orangen Hauch umhüllend, zeigt sich die Melancholie von ihrer schönsten Seite.

In der Vergangenheit schwelgen - eingeholt hat sie uns schnell. Im Sommer begonnene Beziehungen liegen in Trümmern, gemeinsam helfen wir uns gegenseitig die restlichen Scherben aufzuwischen. Doch dies ist das schöne im Hostel-Leben: Neue Menschen betreten den Schuttplatz und helfen mit der Beseitigung. Manche gehen ohne Notiz vorbei, andere errichten neue Türme.

Einer meiner, im Sommer errichteten, Türme steht noch, aber kann sich ähnlich demjenigen in Pisa nicht entscheiden, ob er fallen soll oder nicht. Langsames Aufrichten ist ausgeschlossen, ein kräftiger Schubser wird zeigen, ob der Turm auf die andere Seite fällt oder gerade stehen bleibt.

"Easy to get, easy to lose"