Dienstag, 21. Juli 2015

LFest 2015

Die Frau - Zierliches Geschöpf göttlicher Abstammung umgeben von einer Aura blühender Rosen, gesegnet mit einer Silhouette, deren Perfektion Kreise vor Neid erblassen lässt. Andächtig gehend, unnahbar, was geheimnisvolles verbotenes ausstrahlend und stets darauf bedacht tadelloses Benehmen an den Tag zu legen.

Dies mag vielleicht im Mittelalter so gewesen sein, am LFest fand sich eine Horde saufender, grölender Weiber, mehrheitlich männlicher gekleidet als ich, wieder. Damit ihr euch gleich von der romantisierten Vorstellung umgeben von Tausend Lesben zu sein verabschiedet, hier ein passendes Bild zum Einstieg:


Trotz der harten Worte, das LFest war wirklich eine hervorragende Erfahrung und ich weiss gar nicht so wirklich, wo ich beginnen soll. Am besten die Tage davor, denn mittlerweile sind wir nur noch zu viert. Raven musste uns am Tag vor der Abreise zum LFest verlassen. Ach ich formuliers wie es war: Er wurde hochkant hinausgeschossen begleitet mit "Fuck offs" und "get out of my house". Am 2000 Trees war er bereits auf Bewährung aufgrund seines Verhaltens und die Tage danach ist die Situation ziemlich schnell eskaliert. Mit 18 Jahren war er einfach noch zu jung und muss sich selber zuerst noch finden. Nicht jedem gelingt es, sich innert weniger Tage an neue Situationen anzupassen, aber zumindest die im gastgebenden Hause geltenden Regeln sollte man respektieren. Böse war ich seiner Abreise nicht, denn ich teilte einen Raum mit ihm und auch mir ging er immer mehr auf die Nerven mit seinem Verhalten. 

Da waren wir also nur noch vier, was automatisch mehr Arbeit für jeden bedeutete. Leider kam ich während des Festivals nicht zum Filmen, aber dazu kommen wir später, zumindest den Aufbau unseres Standes habe ich dieses Mal aufgenommen. Das Zelt selber ist dabei der kleinste Part, aber das Einrichten des Innenlebens konnte nicht wirklich gefilmt werden. Alles in allem dauert es rund vier Stunden, bis der Shop steht. 



Der Donnerstag war noch sehr gemütlich, nach dem Aufbau gab es für Maicon (in früheren Posts fälschlicherweise als Michael geschrieben) und mich nichts mehr zu tun und so entspannten wir auf der Wiese und hörten Musik. Auf dem Gelände selber war noch nichts im Gange, ausser anderen Aufbauarbeiten. Der Ort war zunächst gewöhnungsbedürftig, denn das Festival fand auf einer Pferderennstrecke statt. Ach und der Wind. Im obigen Video war es vielleicht wahrnehmbar. Es hat fünf Tage lang konstant gewindet, was mit der Zeit recht anstregend wurde, besonders aufgrund der Temperatur. Sonne, Schatten, Sonne, Schatten, abwechslungsweise im Minuten Takt.

Warum ich nicht mehr filmen konnte? Wir wurden total überlaufen. Es gab nicht viele Essensstände, knapp 6 und davon verkauften einer nur Smoothies, der andere Waffeln und ein anderer Fischstäbchen. Wir waren die einzigen, welche ein wenig vollwertigeres Essen verkauften. Wir waren konstant am Nachkochen des Stews, normalerweise bereiten wir einen Topf am ersten Tag vor und der reicht bis zum Ende. Nicht hier. Die Frauen verbreiteten das Wort über den schmackhaften Eintopf und waren selbst bereit eine Stunde dafür zu warten, bis der nächste Topf bereit war. Während einer dieser Wartezeiten verbreitete sich plötzlich das Wort über unsere Falafel und warteten auf einmal zwanzig Falafel auf meine Zubereitung. Es herrschte Chaos, Stress und jeder war am Limit. Wir hatten keine Verschnaufspause, es trudelten konstant Bestellungen rein. Selbst die anderen Shop hatten nicht mit einem solchen Hunger der Besucherinnen gerechnet und hatten im Verlaufe des Sonntags alle kein Essen mehr, was für uns noch mehr Kunden bedeutete. 

Wir hatten jeweils von 8 Uhr Morgens bis 1 Uhr Nachts offen und jeder arbeitete täglich 12-14 Stunden. Am anstrengendsten war für mich der Samstag, 17 Stunden Arbeit mit zwischendurch einer Stunde Pause zum kurz Erholen. Selbst am Montag, an dem kein Programm mehr herrschte, wurden nicht nochmals überschwemmt von Kunden, da fast alle anderen Shops bereits gegangen waren. Der Abbau dauerte dementsprechend eine Weile und erst gegen Acht Uhr Abends verliessen wir als so ziemlich letzte Personen auf dem Gelände das Festival. 

Ich habe kein einziges Konzert gesehen, ausser den spontanen Jam zwei Meter vor unserem Shop am Samstag Abend. Das war absolut bezaubernd. Viele der auftretenden Künstler haben spontan ein wenig zusammen gespielt und gesungen und nach und nach kamen mehr Menschen, um sich das impromptu Konzert anzuhören. Mir war auch nicht wirklich danach, Nachts noch in den Club zu gehen, irgendwie fühlte ich mich unter all den Frauen fehl am Platze und wie bereits zu Beginn erwähnt waren es mehrheitlich die eher männlichen Lesben und der Altersdurchschnitt müsste bei Mitte 30 gelegen haben. Es waren aber keinesfalls männerhassende Mannsweiber, versteht mich nicht falsch. Die Leute waren unglaublich freundlich und noch nie zuvor habe ich so viele Komplimente erhalten. Ich hatte am Ende das Gefühl, praktisch jede Person auf dem Festival zu kennen und wurde beim Herumlaufen konstant gegrüsst. Selbst auf der Männertoilette ergaben sich lustige Situationen. Jüngere Frau zur anderen: "Please behave, there are actual men using this toilet". 

Es war einfach eine gute Stimmung, auch wenn ich mir selber eine jüngeres Publikum gewünscht hätte. Das war übrigens leicht irritierend, die jüngeren Besucherinnen (20 rum) waren meist mit älteren zusammen und ich sah nur wenige junge Paare. Allgemein fand man die Frauen stets im Doppelpakt, nur selten waren sie alleine unterwegs, meistens wenn sie aus anderen Ländern angereist waren. Belgierinnen, Österreicherinnen, Spanierinnen, von überall kamen sie hier.

Bevor ich es vergessen, schaut euch mal die Bilder von Kelly an, einer Künstlerin, die ich am Festival kennen gelernt habe. Sie kam immer wieder bei uns vorbei und wir haben Essen gegen zwei ihrer Werke getauscht:


Ich geh mich jetzt weiter erholen, denn Morgen geht es bereits weiter bis Montag Abend an mein geliebtes Secret Garden Festival. Bis nächste Woche ihr Lieben. <3



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