Sonntag, 20. Dezember 2015

Breakfast conversation

Don't be sad. I'm in a similar situation right now. Different circumstances, but the result is the same: She's not talking to me anymore, no final words, no goodbye, just radio silence. And all the time I'm asking myself the same questions: Why? Did it mean nothing to hear? Was anything she ever said true? How can she throw away our friendship like that?

I don't know the answers to these questions and I will not be able to find them. There is only one person in the universe who knows them: Her - and there is no guarantee, that she will ever tell them. Until then we have, not to wait, we have to move on, as much as it may hurt, but there is no point in being sad.

If you listen deep down in yourself and are honest with you, you will admit that there was always something not quite right. We are hopless, we knew this all the time and ignored it. We were living in the moment, enjoying the time we had, because we knew it will not last forever and be over sooner than we wish for. It was not perfect, but we hung on to the thought because in all the world there is nothing we want more than a happy and healthy relationship. To finally find love, have our own family and settle down. For that reason we treat them like queens and always get hurt as we are just peasants. But we don't give up, we try and try again in a neverending quest for love until we may find peace. 

Dienstag, 24. November 2015

Der Tod der Freundschaft

Wir verlassen die Turm-Analogie und begeben uns wieder auf konkreteren Boden. Beziehungen, im allgemeinen Sinne, bestehen aus Geben und Nehmen. In der Utopie herrscht die perfekte Balance dessen. In der Realität investiert eine Partei aber immer mehr als die andere, welches zu emotionalem Ungleichgewicht führt. Für die konstant investierende Person gewinnt die Beziehung an mehr Bedeutung. Schliesslich, wenn auch unbewusst, will ihr Investment Früchte tragen. Für die empfangende Person mag sich dies zwar gut anfühlen, aber die Bedeutung der Beziehung vermag es dadurch nicht zu wachsen.

Nun nehmen wir eine unausgeglichene Freundschaft. Analog dem Text über Freundschaft & Liebe wird die gebende Person unweigerlich irgendwann die unsichtbare Schwelle übertreten. Wir können uns belügen, es verleugnen, herunterspielen, aber nicht vergessen. Die Realisation darüber bringt keine Freude. Trauer ist ihre Nachricht, denn es bedeutet den Tod der Freundschaft.

Die Mitteilung dieser Botschaft verändert alles. Der Überbringer hat sich dazu entschieden, die Beziehung zu beenden. Eine Weiterführung wäre nicht gesund, ein Funken Hoffnung ist stets da. Verständnis, Enttäuschung, Ärger, die Reaktion darauf kann unterschiedlichst sein. Ich wusste es und hoffte, bei mir würde sich das selbe Gefühl einstellen. Ich wollte, dass ich mich irre. Warum musstest du unsere Freundschaft ruinieren?

Wie auch immer die Reaktion sei, Abstand wird benötigt, damit die Wogen sich glätten können. Zurück bleiben zwei verletzte Personen, die sich zwar gegenseitig sehr mögen, aber beide gehen ihren weiteren Weg alleine. Sofern es der Zufall will, werden sich die Wege in ferner Zukunft wieder kreuzen. Der Schmerz geht vorbei, aber die Erinnerungen an die guten Zeiten kann uns niemand nehmen.

http://www.vipservices.org/letting-go-improves-mental-health/

Montag, 23. November 2015

Einstürzende Neubauten

Der Turm ist gefallen.

Ein solch grosses Unterfangen, wie das Schubsen eines Turmes, sollte wohl überlegt, die möglichen Konsequenzen berücksichtigt sein. Es wäre leichtsinnig, das Risiko begraben zu werden zu hoch. Dank vereinten Kräften folgte der Sturz ohne Spektakel, die Schaulustigen blieben aus. Der Aufschlag abgefedert durch ein Moosbett. Keine Katastrophe, keine Erschütterung. Fast in seiner Gänze liegt der Turm nun da. Zu gross, um zu übersehen. Zu schwer, um wieder aufzurichten. Der Schuttplatz bekam ein neues Denkmal. Selbst dort vermögen es Blumen zu blühen - bei genügend Sonneneinstrahlung.

Nicht wer, sondern was. Symbolische Darstellung über Personifizierung.

Sonntag, 22. November 2015

Zurück in Palermo

Es war ein verrückter Sommer, unfassbar im Nachhinein. Es war klar, dass die Magie nicht mehr die gleiche sein wird bei einer Rückkehr. Kein Rhys, keine Geovana, selten Gäste, mehr Regen, gemässigtere Temperaturen, praktisch keine Touristen.

Wir sind die Zurückgebliebenen. Während für viele das Leben weiterging, blieb es hier stehen. Selbst für Margherita fühlte sich das leere Haus seltsam an. Die Stadt versprüht nun einen anderen Charme. Mitte November, auf dem Roller den Fahrtwind eines gefühlt warmen Frühlingstages umspielend, Richtung Abendsonne gleitend, deren Strahlen alles in ihrem orangen Hauch umhüllend, zeigt sich die Melancholie von ihrer schönsten Seite.

In der Vergangenheit schwelgen - eingeholt hat sie uns schnell. Im Sommer begonnene Beziehungen liegen in Trümmern, gemeinsam helfen wir uns gegenseitig die restlichen Scherben aufzuwischen. Doch dies ist das schöne im Hostel-Leben: Neue Menschen betreten den Schuttplatz und helfen mit der Beseitigung. Manche gehen ohne Notiz vorbei, andere errichten neue Türme.

Einer meiner, im Sommer errichteten, Türme steht noch, aber kann sich ähnlich demjenigen in Pisa nicht entscheiden, ob er fallen soll oder nicht. Langsames Aufrichten ist ausgeschlossen, ein kräftiger Schubser wird zeigen, ob der Turm auf die andere Seite fällt oder gerade stehen bleibt.

"Easy to get, easy to lose"

Sonntag, 18. Oktober 2015

Der Weg zur finanziellen Unabhängigkeit

Wie finanzierst du dir deine Reisen? Damit lässt sich Geld verdienen? Fragen, die mir immer wieder gestellt werden, aber ihr hättet hier nicht einen weiteren Blog Eintrag vor euch, wenn sich dahinter nicht eine weitere Geschichte verstecken würde. 

Zunächst gehen wir zurück ins Jahre 2005, eine Zeit vor Smartphones und Full HD, das Jahr in dem Hurrikan Katrina wütete, Angela Merkel zur Bundeskanzlerin , Ratzinger zum Papst und Samuel Schmid zum Bundespräsident der Schweiz gewählt wurden. Für mich war es das Jahr, indem die obligatorische Schulzeit endete und ich meine Lehre als Chemielaborant begann. Für den weiteren Verlauf der Geschichte wichtig: Am 29. Oktober traf ich mich in Basel für ein Interview zu einer damals neu gegründeten Website, für die ich als Spielejournalist tätig sein wollte. Leider hat dies damals knapp nicht gereicht.

Youtube Ära

Wir springen vorwärts ins Jahr 2013. Mittlerweile voll im Berufsleben stehend ist die Liebe zu Videospielen durch den Überfluss an Zeit wieder entfacht. Nicht jedoch die Call of Dutys, Battlefields, Assassin's Creeds und sonstigen bekannten Namen, die kleinen, kunstvollen, experimentellen Spiele hatten es mir angetan. Eine Sparte, mit der ich vorher nie in Kontakt getreten war, aber aufgrund meiner persönlichen Entwicklung nachvollziehbar war. Let's Plays, also Videos in denen Leute auf Youtube komplette Spiele durchspielen, waren damals kurz vor Erreichung des Zenits und auch ich startete einen Youtube Kanal, welcher sich ausschliesslich Indie Games widmete, eben diesen kleinen, weniger bekannten und nischigen Titeln. Am 19.04.2013 ging mein erstes Video online:




Am 26. April eröffnete ich begleitet einen kleinen Blog dazu, welcher auch heute noch online ist und mit seinem ersten Beitrag mein erstes "Interview" mit einem Spielentwickler, Andy Nguyen, beinhaltete:

[20:36] <SomniumLG> Hey Nguyen, can you tell me why you decided that guards won't follow you up or downstairs?
[20:36] <@Nguyen> because you would get chased forever haha
[20:36] <@Nguyen> and we wanted to section off each floor
[20:36] <@Nguyen> as if its their own level
[20:36] <@Nguyen> also
[20:36] <@Nguyen> one of the best aspects of Monaco is the feeling of getting away just in time
[20:36] <@Nguyen> so if youre getting beating by a guard and youre using a staircase
[20:37] <@Nguyen> and youre just about to die
[20:37] <@Nguyen> but you get through, its a great feeling
[20:37] <@Nguyen> its really tense
[20:37] <@Nguyen> if they followed you, you would just get hit and die
[20:37] <@Nguyen> the goal for monaco was to have a rise and fall to the action
[20:37] <@Nguyen> like a roller coaster
[20:37] <@Nguyen> the chase and escape
[20:37] <@Nguyen> it would be a constant chase if they just followed you
[20:44] <SomniumLG> Do you already have future plans for Monaco? Implementing new stuff and so on?
[20:44] <@CrosbotIV> SomniumLG next big update is the level editor it's in the beta and it's great


Hey, ich habe nichts von überrausragender Qualität geschrieben, dies waren auch mehr Fragen eines Fans, statt eines Journalisten. Am 18. März 2014, nach knapp einem Jahr also, ging das bisher letzte von 540 Videos auf meinem Youtube Kanal online. Nicht etwa, weil ich mein Interesse verloren hatte, sondern weil die Zeit dafür fehlte.

Den nächsten Teil müssen wir stark abkürzen, da wir ansonsten ins Jahr 2005 zurück müssten und uns in Details verlieren würden.  Kurz gefasst: Mit Bekannten versuchte ich eine Online Präsenz über Videospiele zu erstellen, das Projekt scheiterte aber an mangelndem Engagement. Der Funke in mir entfacht, schrieb ich einem anderen Kollegen, der für eine Schweizer Gamewebsite schrieb. Ganz casual schickte ich ihm den Link zu meinem Blog und Youtube Kanal angehängt mit der Frage, ob sie noch Leute zum Schreiben suchen. Zufällig taten sie dies und ich wurde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.

Das Quartal Combobreaker

Irgendwie konnte ich mich gegen einen Journalismus Studenten durchsetzen und so ging am 10. März 2014 mein erstes richtiges Review online. Mein liebstes Werk ist jedoch immer noch die psychologische Abhandlung über Veränderungen im Leben zu Dark Souls II und mein Artikel zu den manipulativen Maschenschaften der Videospielindustrie war der erste, der Beachtung auf einer anderen Homepage fand:

"Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ihr Beitrag über Lug & Trug in der Videospielebranche. Es sind sicherlich keine neuen Erkenntnisse, die die Journalisten von Combobreaker mit diesem Bericht ans Tageslicht bringen. Doch im Gegensatz zu anderen Medien wagen sie es, diese auszusprechen und deutlich zu verurteilen."

Nebenher produzierte ich auch einen wöchentlichen Wochenausblick in Videoform. Hinter einem Video standen rund 10 Stunden Arbeit! Neben dem Schreiben und Videos produzieren war ich noch 100% berufstätig, wodurch meine geliebten Indie Games stark in den Hintergrund rutschten.

Das Zeitalter indiegames.ch

Am 9.6.2014 entdeckte ich die Verfügbarkeit von indiegames.ch, programmierte innert zwei Wochen meine eigene Website und durch eine Mail an 20min erschien Anfangs Juli ein Portrait über mich und meine Beweggründe. Bis heute wurden über 400 Artikel auf indiegames.ch veröffentlicht, von mir und auch anderen Personen, zu Spitzenzeiten schrieben insgesamt vier Leute regelmässig dafür.

Neben dem Besuch internationaler Messen, wie die Gamescom in Köln oder die Games Week Berlin, organisierte ich unter anderem die Closing Party der Spielhalle Oslo, veranstalte eine Kinovorführung des Films GameLoading: Rise of the indies, welche erneut Erwähnung auf 20min fand, startete eine Kolumne auf SwissSMP.ch, half bei der Programmierung und Gestaltung von playfuloasis.com und habe diverse Artikel auf games.ch, einer der grössten Websites über Games in der Schweiz, veröffentlicht. Dies waren so die wichtigsten Ereignisse des Jahres, eine detailliertere Auflistung haben wir zum einjährigen Jubiläum veröffentlicht.

Irgendwann musste ich aber einsehen, dass es schier unmöglich ist, von den Einnahmen als Spielejournalist in der Schweiz leben zu können. Eine Erkenntnis, die mich nächtelang nicht schlafen liess, bis mir endlich die Lösung einfiel: ...in der Schweiz leben zu können...in der Schweiz! Bloody hell, ich bin weiss Gott nicht an die Schweiz gebunden und war schon immer sehr reisefreudig. Was danach geschah konntet ihr ja in den ersten Artikeln dieses Blogs erfahren.

Das Projekt indiecouch

Die Lebenserhaltungskosten auf praktisch Null gesenkt, brauchte ich nur noch Geld für gelegentliche Flüge und freizeitliche Aktivitäten. Das Weggli hatte ich schon, aber der Fünfer sollte es dennoch auch sein. Frei wie ein Vogel hatte ich im Sinne immer noch Veranstaltungen auf der ganzen Welt zu besuchen, jedoch stellte es sich in den letzten Jahren als immer schwieriger heraus, eine passende Couch via couchsurfing zu finden. Hostels liegen nun sowieso nicht mehr im Budget.

Zum "Glück" bin ich nicht der Einzige, dem es so geht. Unabhängige Entwickler haben meist ein sehr knapp bemessenes Budget und müssen ihre Spiele an Messen zeigen, damit sie mehr Aufmerksamkeit bekommen. Kurzerhand registrierte ich die Domain indiecouch.org, betrieb Market Research und arbeite nun seit einigen Wochen mit insgesamt vier Personen an dessen Umsetzung.

Das Ziel

Eines ist klar, momentan befinde ich mich mit meinen Einnahmen noch immer weit unter dem Existenzminimum. indiegames.ch wächst zwar stetig, aber langsam. Mit indiecouch.org lässt sich ein weitaus grösseres Publikum erreichen. Mit unserem Vorhaben und den Markteinschätzungen sollte es in Zukunft möglich sein, dieses Minimum zu überschreiten - gegen Ende nächsten Jahres.

Ihr seht also, ohne meine Arbeit als Spielejournalist, wobei dies für meine Tätigkeiten viel zu eng gesteckt ist, wären äusserst beliebte Artikel wie Groschenroman nie entstanden. Wenn ihr Gefallen an diesem Blog habt und mich auf meine Weg unterstützen wollt, dann könnt ihr dies via Patreon tun. Die Plattform ist ähnlich zu Kickstarter, aber anstatt einmal zu spenden, lässt ihr den Künstlern einen monatlichen Betrag zukommen. Die Beschreibung ist zwar vorwiegend auf indiegames.ch ausgerichtet, aber ihr kennt den Menschen dahinter, mich, ja mittlerweile.

Über was ich als nächstes Schreiben werde, kann ich noch nicht sagen, zunächst steht eine weitere ruhige Woche in der Schweiz an, bevor es für ein paar Tage an die Paris Games Week geht und danach für neun Tage nochmals in den WK. Ich würde ja für euch eine einwöchige Ausbildung zum Fallschirmspringer absolvieren, damit ich was zum Schreiben habe, aber hey, das liegt momentan finanziell einfach nicht drin. :D

Dienstag, 13. Oktober 2015

Unter Freunden



You never know what tomorrow may bring


Ein Satz, welcher bei mir nicht treffender sein könnte. Seit zwei Wochen befinde ich mich bereits in der Schweiz. Von der befürchteten Langeweile war bisher nichts zu spüren, aber die Leere zu Beginn. 

28. September 2015, kurz nach Mitternacht, das Taxi wartet bereits, um mich an die Busstation von Leicester zu bringen. Wiederum ein Abschied von guten Freunden, wiederum alleine. Selbst der Mond beschloss diese Nacht, sein kristallenes Licht gegen ein Blutrot einzutauschen, welches mich auf der Busfahrt nach London Stansted begleitete - zusammen mit Unsicherheit, dem Gefühl sich im Kreis zu drehen und der Angst, nicht weiter zu kommen.

Milde Temperaturen und ein blauer Himmel stimmten mein Gemüt bei der Landung um zehn Uhr Morgens in Basel besser. Drei Monate Abwesenheit, in Basel, sowie meinem ehemaligen Wohnort hatte sich nichts verändert. Die Welt dreht sich auch ohne deine Anwesenheit, aber die Zeit schien stehen geblieben zu sein - oder die Veränderungen zu minimal, um sie wahrzunehmen. Vielleicht auch der Geist noch nicht angekommen, stets in den vergangenen Wochen hängend, die Augen vor der neuen, temporären Realität verschlossen.

Gleich am nächsten Tag des Treffens eines guten Freundes. Der Weg zu seiner Wohnung bereits hunderte Male begangen, eine routiniertes Wechselspiel von Impulsen und dem Bewegen von Muskelsträngen. Die Gedanken wandern. Die Erkenntnis, seit geraumer Zeit wieder alleine, nicht täglich konstant von Menschen umgeben zu sein, tritt ins Bewusstsein. Alleine, aber nicht einsam; im Geiste stets vereint.

Tags darauf das nächste Treffen, begleitet mit einer Einladung zum Griechen und anschliessendem Besuch im Pub. Die Strassen Rheinfeldens gespenstig leer, auch im Pub sind wir die einzigen zwei Gäste. Selbst Donnerstag Abends beim Wiedersehen eines weiteren Freundes, sind die Strassen leer gefegt.

Der Freitag wurde mehrheitlich zur Vorbereitung genutzt, da ich am Samstag am GameZfestival in Zürich eingeladen war und kurzerhand beschloss, einen Vortrag über mein neustes Projekt indiecouch zu halten. Bewusst hatte ich die Arbeit in den letzten zwei Wochen ruhen gelassen, jetzt stürzte ich mich wiederum umso mehr in sie hinein. Von Luft und Liebe kann auch ich nicht leben, wobei es mir manchmal so vorkommt, als sei ich nicht weit davon entfernt. Womit verdiene ich eigentlich mein Geld? Für alle Uneingeweihten werde ich diese Frage im nächsten Beitrag ausführlich beantworten.

Bereits auf dem Weg nach Zürich traf ich in Rheinfelden zufällig auf einen Freund und am GameZfestival angekommen, wurde mir bewusst, wie viele Menschen ich aus der Schweizer Spieleszene bereits kenne. Bei der Präsentation gab es zwar gewisse technische Probleme, aber ansonsten verlief er reibungslos. Die Aufgeregtheit davor war kaum aushaltbar und die Adrenalin-Ausschüttung war auch nachher noch zu spüren, aber während dem Prozess ertappte ich mich sogar einmal dabei, wie ich meinen eigenen, durch die Lautsprecher verstärkten, Worte zuhörte.



Die Zeit vor- und nachher verbrachte ich mehrheitlich mit einer jungen Dame, dir mir zuvor vorgestellt worden war. Die Gesprächsthemen schienen uns nicht auszugehen und die Zeit verflog wie im Fluge. Eine unserer Gedankenkonstrukte beinhaltete einen Spielplatz für Erwachsene, mit überdimensionierten Spielgeräten. Eines von vielen Gesprächen, dass ich so schnell nicht vergessen werde.

Was ich jedoch vergessen hatte war, dass ich um acht Uhr mit einer langjährigen Freundin abgemacht hatte, aber irgendwie neun Uhr im Kopf hatte. Nicht genug, dass sie über eine Stunde am Bahnhof auf mich gewartet hatte, nein, zusätzlich hatte sie Bier, Wein, Pizza und Naschereien für unseren gemeinsamen Abend eingekauft. Mein schlechtes Gewissen konnte sie halbwegs mit den Worten "Ob ich jetzt zu Hause oder am Bahnhof warte und Musik höre macht für mich keinen grossen Unterschied", beruhigen. Es war ein wunderschöner Abend und da ich weiss, dass du das hier liest: Mein Dank aus tiefstem Herzen für deinen Beistand, deine Ratschläge in schwierigen, und deinen Humor in guten, Zeiten der vergangenen Jahre. Auf das wir noch ewigs befreundet sein werden.

Sonntag Nachmittags gegen drei Uhr befand ich mich wieder in Rheinfelden und es galt die Utensilien für den WK zusammen zu suchen und zu packen. Selbst diese fünf Tage bestanden aus einem Wiedersehen bekannter Gesichter. Weitere Details vom militärischen Alltag erspare ich euch. Meine Aufgab bestand darin 4h Wache zu schieben, gefolgt von 16h Ruhezeit, rinse & repeat. Vier Bücher, nächtliche Jasspartien, Filme und der stete Kampf um Internetempfang hielten mich beschäftigt.

An dieser Stelle möchte ich euch auch ein ganz bestimmtes Buch ans Herz legen: Das Café am Rande der Welt. Warum tue ich, was ich tue? Woher nehme ich den Mut? Selten habe ich in einem Buch unzählige meiner eigenen Gedankenschlüsse vorgefunden. Ein Buch, dass wenn ich es zu einem früheren Zeitpunkt gelesen hätte, mich zutiefst geprägt hätte, aber nun stattdessen eine Bestätigung meines Weges war. Eine philosophische Reise, die sich mit dem Sinn des Lebens auf persönlicher Ebene beschäftigt. Ohne viel Vorweg zu nehmen, im Buch wird ein Phänomen beschrieben, dass sich mit der Verteilung des Glücks beschäftigt und just während des Lesens ereignete sich eine zufällige Begegnung, die mir ab dem perfekten Zeitpunkt des Moments fast Freudentränen in die Augen trieb.

Freitag Abend war der anstrengende WK, indem ich vom vielen Sitzen und Essen knapp 4kg zugenommen hatte, vorbei. Am Samstag Nachmittag ging es Spazieren mit einem Freund und seinem Hund. Aus Zeitmangel meinerseits dieses Mal nur 8km und nach einer kurzen Verschnaufpause zog es mich weiter nach Olten.

Der Abend begann mit einer zutiefst beeindruckenden Präsentation von Lea Frei zur Organisation Aging Nepal und ihrer Zeit vor und nach dem grossen Erdbeben in Nepal dieses Jahres. Ähnlich wie ich ist Lea Journalistin, hat ihren Besitztum auf wenige Kartonschachteln reduziert und verbringt mittlerweile die meiste Zeit in Nepal, wo sie älteren Menschen hilft. Es war ein Abend gespickt mit interessanten Gesprächen über Literatur, Filme, Musik, Politik, welcher gegen 4 Uhr Morgens, nach einer Session 90er Jahre Punk, eine kurze Unterbrechung zur Schlaffindung erfuhr und später bis am Nachmittag fortgesetzt wurde. Es war auch das erste Mal, dass ich Steven und Miriam in Person kennen lernte - meine grössten Unterstützer. Ohne sie wäre das ganze Vorhaben, im Ausland zu arbeiten, nochmals ein ganzes Stück unmöglicher geworden. Steven und ich müssen sowieso bei der Geburt getrennt worden sein; so ähnlich sind unsere Geschmäcker und Ansichten in vielen Belangen. Spätestens an diesem Abend habe ich gemerkt, dass ich es so schlecht gar nicht habe in der Schweiz, dies aber hauptsächlich durch meine vielen Reisen beeinflusst ist. Die gesammelten Erfahrungen machten mich zu einem ausgeglicheneren, besseren und positiveren Menschen, was sich in den letzten zwei Wochen hier deutlich wiederspiegelte.

Sonntag Nachmittag um vier war ich wieder in Rheinfelden, kurz duschen und essen, danach ging es bereits wieder weiter zu einer Besprechung der neusten Updates für indiecouch. Da wir bis Ende Monat einen ersten Prototypen fertiggestellt haben müssen, stehen wir langsam unter Zeitdruck, sind aber auf gutem Wege. Mehr dazu im nächsten Beitrag. So long, geniesst das Leben und lest Das Café am Rande der Welt!


Warum bist du hier?


Nachtrag

Was? Du kannst diesen Beitrag doch nicht einfach beenden ohne eine Wort über die zurückgebliebenen Personen in Palermo zu verlieren! Besonders nicht nach diesen herzzereissenden letzten Artikeln! Ok, ok! In den letzten Tagen habe ich beschlossen, am 16.11.2015 wieder nach Palermo zurück zu kehren und dort bis Ende Jahr zu bleiben. Hmm? Wolltest du nicht die Zeit mit Holly verbringen? Ja, aber da ich insgeheim schon immer mehr darauf hoffte, als glaubte, überraschte es mich nicht, als diese Pläne langsam zu Staub zerfielen. Geovana hat ihr Versprechen, mir jeden Tag zu schreiben, bis heute gehalten und unsere Beziehung zueinander hat sich noch einiges mehr vertieft. Ein Wiedersehen können wir beide kaum erwarten, müssen uns aber wahrscheinlich bis Silvester in Brighton gedulden. Diesen Donnerstag verlässt sie nun Palermo und zieht nach Parma, um als Au-Pair zu arbeiten. Mein Nachfolger im Hostel war leider nicht so der Bringer und wurde nach knapp zwei Wochen wieder aufgefordert, sich etwas anderes zu suchen. Selbstverständlich stehe ich auch noch in Kontakt mit Rhys und Esme, welche von ihrem Alltag wieder vollends eingewickelt wurden, aber auch in ihnen hat die Zeit im Hostel Palermo etwas verändert, ähnlich dem Café am Rande der Welt.

Mittwoch, 30. September 2015

Leicester Tapas Trail

Mit dem Verlassen von Sizilien zum Austausch gegen England dachte ich, dies wäre es gewesen mit dem guten Essen. In meiner Abwesenheit hatte meine gute Freundin Laura von Extreme Housewifery einen Tapas Trail in Leicester mit mittlerweile über zehn Lokalitäten auf die Beine gestellt. Das besondere daran: Essen & Getränk für nur 3£!  Dies alleine ist schon ein hervorragender Deal, denn nur das Bier kostet normalerweise mehr, aber wenn sich die Pubs noch gegenseitig mit den Tapas übertrumpfen wollen profitiert der Kunde gleich nochmals mit.

Gegen 1 Uhr Nachmittags, gleich nach dem Aufstehen, begaben wir uns auf in die Stadt. Vernünftig wie wir sind, hatten wir im Bus ein Retourbillet gelöst (Haha!), aber wir alle wussten insgeheim, dass wir den letzten Bus um 23.20 Uhr nicht schaffen werden. Unser erster Stop war das Bossa, welches von Roxy's Kitchen kulinarisch versorgt wird und begann schon sehr vielversprechend mit Bier zum Frühstück, da wir noch auf zwei weitere Kollegen warteten.



Unser Hunger war nach dem Leeren des ersten Bieres jedoch zu gross und wir bestellten die ersten Tapas des Tages noch bevor die anderen eintrafen. Meine Wahl fiel auf köstliche Maiskolben in einer süssen Chilli Sauce. Aufmerksame werden bemerkt haben, dass die Biere bereits wieder halb leer sind, ein Anblick der sich auf den weiteren Bildern nicht ändern wird, da die Wartezeit auf die Tapas meist länger als eine Bierlänge war.



Danach ging es für einen kurzen Zwischenstopp ins The Turkey Cafe, mittlerweile mein dritter Besuch dort. Laura besprach mit dem Inhaber die Aufnahme des Lokals in den Tapas Trail und wir gönnten uns ein weiteres Bier in der Zwischenzeit. Die nächste Station war das Rutland & Derby, welches uns unglaubliche Lange warten liess und uns nach dem inbegriffenen Bier quasi nötigte den Hunger mit einem weiteren zu besänftigen. Das bestellte Lachsbrötchen entschädigte aber für die 45 Minuten Wartezeit:



Den Hunger konnte das Essen noch nicht stillen und wir gingen schnell weiter ins Taps, situiert in einem der ältesten Gebäude Leicesters mit der Möglichkeit das Bier selber zu zapfen. Das Taps hatte gerade Oktoberfestwochen und wir bekamen zu deutschem Bier einen ordentlich gewürzten Würstchen Eintopf. Der war zwar wunderbar, aber mit deutschem Essen hatte der nicht viel gemein. ^^


Ach ja, mittlerweile waren wir auf insgesamt sechs Leute angewachsen, da wir im Rutland & Derby einen Norweger kennen gelernt hatten, der uns zum Taps begleitete. Lustiger langhaariger Geselle mit dem Hobby (oder Beruf?) englische Schlachten detailgetreu mit Miniaturfiguren nachzustellen. Die meiste Zeit hatte ich keinen Plan wovon er redete, als er davon erzählte. Nichts desto trotz eine nette Bekanntschaft.

Unser weiterer Weg führte uns zum Bruxelles, einem etwas nobleren Schuppen, aber die Bedienung war nicht über den Trail informiert und so zogen wir enttäuscht von dannen. Unser letzter Stop, aus Zeitgründen, war dann auch schon das Firebug, welches uns mit köstlichen Burgern versorgte, aber anstatt Bier gab es dieses Mal Whisky Cola:





Die Küchen hatten nun zwar geschlossen, um gerade mal 20 Uhr, aber unser Abend war natürlich noch nicht vorbei. Wir zogen weiter in nächste Pub, trafen weitere Freunde und als die Glocke um Mitternacht zum zweiten Mal läutete, verbrachten wir den weiteren Abend im Hause eines Freundes. Irgendwo war noch eine Spur restlicher Verantwortung vorhanden und das bestellte Taxi lieferte uns gegen zwei Uhr Morgens vor der Haustüre ab.

12 Stunden Essen & Trinken, ein gepflogener Samstag in Leicester, welcher das letzte grosse Ereignis vor meiner Weiterreise in die Schweiz um Sonntag Nacht darstellte. Gute Freunde trifft man zum Glück überall in der Welt und die Wärme der Liebe (plus Alkohol) siegte über die kalten Temperaturen. Am Sonntag haben wir entsprechend nur rum gegammelt und uns Klassiker wie Withnail & I angeschaut bis zu meiner Abreise um kurz nach Mitternacht.





Samstag, 26. September 2015

Freundschaft & Liebe

Freundschaft und Liebe, zwei Gefühle deren Grenzen fliessend sein können. Ist Liebe nicht doch eine Steigerung von Freundschaft? Romantische Gefühle aber eine Reduktion der Liebe? Was, wenn die freundschaftliche Bindung den romantischen Gefühlen zu einer anderen Person um ein Vielfaches überlegen ist? Von aussen bereits als Liebe angesehen wird und die körperliche Nähe der Freundschaft die der Romantik übersteigt?

Romantische Gefühle können in Liebe übergehen, aber so die Freundschaft. Deren Chance ist kleiner, aber wiegelt sich die Energie von der Romantik zur Liebe nicht zur Überbrückung dieser Barriere auf? Möchte dieser vermeintliche Widerstand überhaupt aufgehoben werden oder bröckelt er nach und nach von alleine? Liegt da der Unterschied zwischen Freundschaft und Liebe? Des Niederfalls der unsichtbaren Mauer, ob gewollt oder vom Schicksal gefügt, wobei die Liebe dessen Herkunft um einiges intimer wahrgenommen wird, als die Weiterentwicklung der Romantik, in ihrem Werdegang von der fleischlichen zur sinnlichen Lust übergeht, gegenteilig die Freundschaft, welche zum Geist schlussendlich den Körper miteinbezieht.

Zwei Arten von Liebe, in ihrer Entstehung konvers, die eine schneller wahr genommen wird, das Wachstum der geistigen Einheit am blühen und die andere lange reifte, in ihrem Ausbruch umso intensiver ist. Während die Sinuskurve der romantischen Liebe nach Eruption bald wieder sinkt, ist die Kurve der freundschaftlichen Liebe eine exponentielle Annäherung mit dem unendlichen Begehren Eins zu sein. 

Freitag, 25. September 2015

Groschenroman

Wer liebt sie nicht, die Seifenopern? Tauchen wir ein wenig in das chaotische Liebesleben im Vucciria Hostel ein.

Ausflug nach Australien

Die letzten Tage waren eher ruhig, was die Anzahl an Gästen anbelangt, stellenweise waren es nur zwei, welche hier länger zugegen waren: Holly aus Australien und Tom aus Deutschland. Tom hat leider die unglückliche Rolle des fünften Rades am Wagen erwischt, egal wohin wir gehen. War es zunächst noch in Ordnung für ihn mit Geovana (Mein brasilianischer Ersatz für Rhys) und mir abzuhängen, so änderte sich sein Glück, als er Gefallen an Holly fand. Euch sind sicher schon Menschen begegnet, die einfach nicht miteinander umgehen sollten, da sie sich nicht auf der selben Wellenlänge befinden und konstant aneinander vorbei reden. Tom konnte das nicht einsehen und probierte es trotzdem immer und immer wieder, obwohl von Holly aus wirklich gar nichts kam.

Donnerstag Abend kamen spontan Pläne zustande, am nächsten Tag nach Favignana zu gehen. Der Plan kam von Elizabeth aus, der Freundin von Martino (der Besitzer des Hostels). Elizabeth war wenige Wochen zuvor ein Gast im Hostel und kam nach einer Woche Abwesenheit wieder zurück, die beiden sind so sehr verliebt, dass einem fast übel wird, aber dies nur eine kleine Notiz am Rande.

Mit auf die Reise wären gekommen: Martino, Elizabeth, Tom, Holly, Geovana und ich. Dieser Plan geriet jedoch ins Wanken, als uns Martino Donnerstag Nacht mitteilte, nachdem wir gerade vom Gelato Festival (omg so genial!) Halt. Stop, da muss ich doch noch ein wenig weiter ausholen, mehrere Wochen genauer gesagt. Es war vor mehreren Wochen also, als ich über Tinder eine Litauerin kennen lernte, welche momentan in Palermo Jura studiert. Geschrieben haben wir oft, aber uns nie getroffen; jedenfalls nicht geplant. Es geschah eines Morgens, dass ich eine Nachricht von ihr bekam mit der Nachricht: "Hey, warst du gestern Abend vor der Taverna?" - Per Zufall war ich das sogar gewesen und ich konnte mich an ein Gesicht erinnern, dass sehr vertraut wirkte, aber ich wusste bei bestem Willen nicht, wo ich es einordnen sollte und ihr Blick drückte den selben Ausdruck aus. Nachdem ihre Frage positiv beantwortet wurde, kam eine Nachricht rein die sagte: "Dann warst es also doch auch du vor zwei Wochen im Bus!" Dies war doch recht verblüffend, da ich den Bus bisher nur einmal gebraucht hatte, um zum Strand in Mondello zu gelangen. Damit der Zufälle nicht genug.

Vor dem Gelato Festival gingen wir wieder zum Piazza Bellini, um die Folk Tänzer zu bewundern. Gleich als erstes erspähte ich Katharina, eine ehemalige Besucherin des Hostels, welche jetzt auch in Palermo Jus studiert. Ich konnte mich noch sehr gut erinnern, da sie am bisher einzigen regnerischen Tag gegangen ist und ich ihr half ihr tonnenschweres Gepäck die hundert Treppenstufen hinunterzutragen, was aufgrund der Nässe in einem Sturz endete, welcher aber glücklicherweise nichts mehr als ein paar bleue Flecken hinterliess. So traff ich sie also wieder, unterhielt mich mit ihr ein wenig über die letzten Tage und wenn erblicke ich da aus den Augenwinkeln? Die Litauerin! Da ich bereits mit Geovana, Holly und Tom unterwegs war und gerade mit Katharina rumgeflirtet hatte, war dieser erneute Zufall definitiv zu viel und wir haben uns nicht mal begrüsst.

Zurück zur eigentlichen Geschichte. Als wir zurück zum Hostel kamen gegen 1 Uhr Morgens, erklärte uns Martino, dass am Morgen jemand im Hostel sein müsste, da um Acht Uhr neue Gäste ankommen. Wir wollten um 8.30 Uhr gehen. Eigentlich kein Problem, aber so ist Martino halt manchmal, ein wenig kompliziert. Nach kurzem hin und her der Aufopferung, beschloss Geovana zu bleiben.

In der Nacht verschob sich jedoch das Gefüge des Universums und wo vorhin nichts war, fand ich mich plötzlich um vier Uhr Morgens im Wohnzimmer mit Holly wieder. Wir beschlossen, dass wir den nächsten Tag lieber alleine zu zweit verbringen wollten und konnten dies auch gleich Martino mitteilen, der uns entdeckte, als er kurz Wasser holen kam in der Nacht. Die liebe Geovana musste natürlich informiert werden, dass sie nun doch an den Strand kann, da ich am Morgen ausschlafen werde, was elegant über Whats App geschah. Nur Tom ging in diesem Informationskreislauf unter, wir wollten ihn ja nicht extra dafür mitten in der Nacht aufwecken.

Nach knapp drei Stunden Schlaf klingelte es um 7 Uhr Morgens an der Haustüre, ich sprang aus dem Bett und empfing noch halb schlafend die Gäste. Durch meinen spontanen Weitsprung wurde auch Geovana wach, welche mit mitteilte, dass sie trotzdem hier bleiben werde, da sie noch ein paar wichtige finanzielle Dinge zu erledigen hat. Ach ja, Geovana und ich schlafen im selben Raum wie sechs andere Gäste, Holly im Erdgeschoss im Vierer Zimmer. Seelenruhig ging ich wieder schlafen, da ich mich mit Holly erst um 10 Uhr verabredet hatte für einen Ausflug an den Strand. Vergessen hatten wir dabei, dass sie Tom letzten Abend gesagt hatte, dass er sie am Morgen wecken sollte, falls sie nicht wach ist. Im Halbschlaf bekam ich noch mit, wie der arme Tom voller Elan um 8 Uhr aufstand und duschen ging. Holly war natürlich noch am Schlafen und antwortete seinem Weckversuch, dass sie erst später an den Strand ginge, aber drückte sich nicht wirklich klar dabei aus. Richtig albern wurde es, als ich um zehn Uhr aufstand, gemütlich Kaffee trank und Tom Holly fragte, wann sie denn jetzt an den Strand ginge. Er ging am Morgen nicht mit Martino und Elizabeth mit, weil er nicht das fünfte Rad am Wagen sein wollte. Holly war seine Fragerei ein wenig unangenehm und die Blicke im Raum von ihr und Geovana waren auf mich gerichtet. Ein wenig später erklärte ich Tom im anderen Raum kurz auf Deutsch, dass Holly und ich alleine ein wenig Zeit miteinander verbringen wollten. "Ok, alles klar", die knappe Antwort.

Nach einem wunderschönen Tag zu zweit, an dem wir rund 15 Kilometer bei brütender Hitze gelaufen sind, kamen Holly und ich am Abend wieder im Hostel an. Irgendwas lag aber in der Luft und schnell wurde herausgefunden, dass Tom den Tag alleine am Strand in Mondello verbracht hatte. Bis auf ein kurzes "Hey" redete er mit keinem mehr von uns und wirkte sehr betrübt. Wenige Minuten nach unserer Rückkehr zog er sich sogar aufs Zimmer zurück und ging schlafen. Wir reden hier von einem 28-Jährigen Mann...später am Abend fand er jedoch neue Freunde bei einer Gruppe mit zwei Single Ladys. Everything's gonna be alright. Holly musste uns leider am Abend verlassen und nahm den Nachtzug nach Rom, ein längeres Wiedersehen folgt aber bereits im November, denn sie hat mich eingeladen für eine Zeit lang mit ihr in Italien zu leben, wo sie momentan als Erasmus Studentin Jura studiert. Als würde ich da nein sagen. Ich hatte bereits mit dem Gedanken gespielt, den Winter in Australien zu verbringen und dies Einladung kommt dem doch schon sehr nah.


Bruch in der Zeitlinie

Die vergangenen Zeilen wurden alle noch in Palermo geschrieben, gleich am Tag nach Hollys Abreise. Danach wurde es richtig wild und ich schreibe mittlerweile aus Leicester zu euch. Ja ihr habt richtig gelesen, ich bin wieder zurück in England in Leicester, wo alles angefangen hat. Fahren wir aber weiter mit den letzten Tagen in Palermo,

Mittlerweile war es Samstag, meine Abreise war für Mittwoch Morgen um 3.30 Uhr geplant. Mir verblieben also noch vier Tage. Manche Menschen stürzten sich zum Vergessen oder Verdrängen in Alkohol oder Drogen, das Mittel meiner Wahl war zu meinem Erstaunen Dating. Durch Holly musste ich neues Selbstvertrauen gefasst haben, jedenfalls hatte ich am Samstag Nachmittag bereits ein Date mit einer Sizilianerin in Bagheria, welches rund 15 Minuten mit dem Zug von Palermo entfernt war. Bagheria ist ein kleines Städtchen, in dem jeder jeden kennt und so war es doch ein wenig unangenehm, von vielen mit aufmerksamen und vielsagenden Blicken angestarrt zu werden. Da ihre Familie sehr konservativ war, stand es ausser Frage heim zu ihr zu gehen und so kamen wir uns auf der Toilette eines Restaurants näher. Gegen 8 Uhr Abends war ich wieder im Hostel und wurde bereits erwartet. Geovana hatte ich nichts vom Date erzählt, aber aufgrund der Art meiner Verabschiedung wusste sie, dass irgendwas im Busch war und wollte natürlich sofort aufgeklärt werden. Solche Dinge lassen sich im Hostel nicht für sich behalten, jeder weiss alles von jedem.

So zum Beispiel Martinos sonderbare Begegnung mit einem japanischen Gast. Martino kam gerade aus der Dusche in seinem Zimmer, wie Gott ihn schuf, als der Japaner an der Tür klopfte und sofort eintrat. Martino blieb ruhig und sagte er solle sofort wieder aus dem Zimmer gehen. Der Japaner schien sehr verstört durch diese Begegnung, hinterfragte nun wohl sogar sein eigenes Geschlechtsorgan und verliess zwei Stunden später das Hostel. Nicht wegen dem Penis-Vorfall, sondern weil er momentan kein Geld von seinem Account beziehen konnte. Wir boten ihm an trotzdem hier zu bleiben, aber die Schande wäre für ihn wohl zu gross gewesen.

Am Sonntag kamen unsere english sunshines Esmerelda und Giya zurück nach anderthalb Wochen Abwesenheit. Die zwei sind ihr ihrer Zeit im Hostel zu guten Freunden geworden und wir hatten einige feucht fröhliche Nächte mit ihnen erlebt. Da gibt es auch noch eine wichtige Randnotiz. In ihrer Zeit hier war ein Niederländer da, Rugy Spieler, lag mehrere Tage im Koma nach einem Autounfall, erlitt dadurch einen Gehirnschaden und musste alles neu erlernen. Die Girls ladeten ihn ein mit nach Syracusa an ein Foto Festival zu kommen. Esme flirtete konstant mit ihm, aber nur zum Spass. So war jeder höchst überrascht, als wir erfuhren, dass der Niederländer mit Giya, der eher ruhigen, an ihrem Geburtstag ins Bett gehüpft ist. Selbstverständlich wurden wir mit allen Details vertraut gemacht, was zu vielen Insider Jokes zwischen uns vieren führte. Selbst andere Gäste merkten an, welch ein eingespieltes Team wir waren.

Esme begann am Sonntag mit Tinder herumzuspielen, aufgrund meines gestrigen Dates und es entflammte eine regelrechte Tinder-Manie unter uns vieren. Ich wollte ihnen natürlich zeigen, wer hier der Mann im Hause ist und so traf ich mich rund zwei Stunden nach Herstellung des ersten Kontaktes bereits einer Dame aus Deutschland, welche für ein paar Tage in Palermo war. Spaziergang am Meer begleitet von Feuerwerk, ein romantischer Abend, Als wir jedoch vor der Tür ihrer Wohnung war, fing es an zu regnen und ich musste mich entscheiden, ob wir wieder reingehen oder noch kurz beim Gelato Fest vorbei schauen, welches heute seinen letzten Tag hatte. Ich entschied mich zu gehen, weil ich mit den Mädels um 23 Uhr abgemacht hatte und es bereits nach halb war. Ich konnte meine Freunde schliesslich nicht für eine flüchtige Bekanntschaft im Stich lassen.

Der Fakt, dass ich kurz vor meinem Date noch ein anderes für den morgigen Tag klar gemacht hatte, brachte mir mittlerweile den Spitznamen Casanova ein und Sätze wie "Don't use your sweet talking on me!" und "You got such a way with words!" fielen des öfteren. Mit meinen drei Engeln ging ich dann also kurz nach meiner Rückkehr trinken:


Von links nach rechts: Giya, Geovana, ich und Esmerelda

Die neidischen Blicke der Italiener könnt ihr euch wohl vorstellen! Um halb zwei schwappte bei mir die Stimmung jedoch, die Abreise von Holly und die baldige meinerseits wurden ins Bewusstsein gespült, was dazu führte, dass ich dem Trubel der Strassen entfliehen wollte. Ich überliess die Mädels ihrem Schicksal und machte mich auf den Weg zurück ins Hostel. Plötzlich rief jemand meinen Namen und ich sah Martino ausufernd winkend. Er war mit Elizabeth in einer ruhigen Bar und sie luden mich zu einem Bier ein. Gleichzeitig offerierte mir Martino nächstes Jahr das Hostel als Manager zu leiten, während er für ein paar Monate sein wird. Ein Angebot, welches ich definitiv in Betracht ziehen werde, wir Details aber noch nicht geklärt haben.

Um drei Uhr war ich wieder im Hostel, schlafen konnte ich nicht. Während ich mir langsam anfing Sorgen, um die Sicherheit der Mädels zu machen, hörte ich plötzlich ein lautes Donnern auf den Strassen und kurz darauf betraten die Hübschen das Hostel. Nach Schliessung der Bar um 2 Uhr waren sich auf einem Bordstein gesessen (...) und wurden plötzlich von Typen angemacht. Geovana fing sich sogar mit einem an zu Prügeln und als sie nach Hause gingen hatten sie eine Meute von Acht Typen im Schlepptau, die unbedingt das Gebäude betreten wollten, Geovana ihnen aber glücklicherweise die Türe vor der Nase zuschlug. Meine Engel kann man einfach nicht alleine lassen.

Der nächste Tag war sehr ereignislos und verbrachte ich nach getaner Arbeit am Morgen meist schlafend bis 4 Uhr Nachmittags. Am Abend geschah es zum ersten Male, dass sämtliche Gäste mit uns auf dem Balkon unseres Zimmers verbracht hatten. Es war sehr entspannt, wobei die Insider Jokes zwischen uns vieren dominierten. Wir beschlossen an diesem Abend auch, Silvester gemeinsam in Brighton zu verbringen. Lange Umarmungen folgten beim zu Bett gehen, da Esme und Gi uns am frühen Morgen verlassen werden.

Der letzte Tag 

Alle waren sie weg, Esme, Gi, viele weitere Gäste und selbst Tom ging am Morgen, der sich in den letzten Tagen kaum mehr mit jemandem unterhalten hatte und stets alleine nach Mondello gegangen war. Zwei Deutsche brachten ein wenig Stimmung in die Bude und versorgten mich mit fantastischer Pasta, gingen aber auch am Nachmittag, den ich selber gemütlich am Meer mit einem Buch verbracht hatte. Gegen Abend waren nur noch drei frisch angereiste im Hostel und die Stimmung leicht gestresst. Mit Margherita, Geovana und Carolina, einer Spanierin, ging ich ein letztes Mal im Piazza Vucciria deliziöse Sandwiches mit frisch gegrilltem Fleisch essen und mit den zwei Mädels auf einen Spaziergang ans Meer gefolgt von Gelato. Zurück im Hostel machte ich mich daran, eine Unterkunft in Birmingham zu finden, wohin ich Morgen gehen werde für den Besuch des EGX Festivals. Alles war ausgebucht und ich gestresst, nach anderthalb Stunden schrieben mit jedoch meine Freunde in Leicester, dass ich bei ihnen übernachten könnte, hurra!

Total ausgelaugt von der Unterkunftssuche, machte ich mich gegen Mitternacht auf ins Bett, um ein wenig Schlaf zu fassen. Kurz darauf kam Martino rein, der zuvor mit Elizabeth essen gegangen war und richtete die schönsten Worte an mich, die ich jeweils zuvor von einem Menschen gehört hatte und viele Umarmungen folgten. Geovana hatte sich noch nicht verabschiedet, da sie um 3 Uhr mit mir aufstehen wollte. Als ich nach knappen drei Stunden halb wach liegend im Bett aufstand, folgte mir Geovana ganz nach ihrem Spitznamen "little shadow" wortlos in das Wohnzimmer. Zu meiner Überraschung war auch Martino da, der keinen Schlaf finden konnte, bisher war noch kein Ersatz für mich am Start. Ich begann meine letzten Sachen zu packen und darauf folgte der schwerste Abschied meines Lebens, der mir nun, drei Tage danach, noch einen Kloss im Hals beschert. Geovanas Worte, bitte geh nicht, warum musst du gehen, verschieb doch deinen Flug, machten es nicht einfacher. Es folgten mehrfache, nie endende Umarmungen von jedem und irgendwie schuf ich es um halb 4 Uhr Morgens das Hostel zu verlassen. Trotz der Gewissheit, wieder zurück zu kehren und dem Wiedersehen mit Geovana in zwei Monaten fühlt es sich immer noch wie ein grosser Fehler an.

Wie in Trance bewegte ich mich zur Busstation am Bahnhof, nahm den Bus an den Flughafen, stieg in den Flieger nach Rom, flog von dort nach London, fuhr eine Stunde mit der Tube zur Victoria Coach Station, fuhr von dort vier Stunden nach Birmingham und nahm von dort den Zug nach Leicester. Begleitet von liebreizenden Nachrichten Geovanas, wie sehr sie mich alle bereits vermissten und wie verdammt hart es war mein Bett am Morgen neu zu beziehen. Abends um 19 Uhr traf ich endlich in Leicester ein, wo ich schon von Laura erwartet wurde. Korrekt British fingen wir sogleich an zu trinken und begaben uns auf den Leicester Tapas Trail. Wenig gesellte sich auch Mike zu uns, der die Stunden vorher einen Punk Song im Studio zum #Piggate Vorfall, der gerade die runde in den Medien machte, aufgenommen hatte. Köstliches Essen, viel Bier, ein Wiedersehen mit Freunden, der Abschied von Palermo rückte für ein paar Stunden in den Hintergrund. Ich beschloss jedoch, den Tag danach noch nicht nach Birmingham zu gehen, ich brauchte ein wenig mentale Erholung. Der Freitag verlief dementsprechend ereignislos. Mike und ich fingen bereits um drei Uhr Nachmittags an zu trinken und setzten dies fort bis um ein Uhr Nachts. Ich wusste, dass ich auch am nächsten Tag nicht an die EGX gehen werde.

Hier bin ich nun wieder in Leicester, es ist Freitag Nachmittag, der Tag bisher zum Wohlgefallen Bob Marleys verbracht worden und frage mich stets, warum ich Palermo verlassen habe. Selten waren mir bisher Menschen so sehr ans Herz gewachsen, dass ich mir vorstellen könnte die nächsten Jahre mit ihnen zu verbringen. Jede Faser meines Körpers scheint noch in Palermo verankert zu sein und ist bis fast zur Überstrapazierung gespannt. Ein Ziehen im Herzen, Tränen vor Freude, des Glücks, der unfassbaren Schönheit des Lebens und der Dankbarkeit, diesen Schmerz spüren zu dürfen.

Ti amo,
Patrick

Dienstag, 15. September 2015

La vita è bella

Eine Woche nichts tun, keine Artikel schreiben, Email mal Email sein lassen, keine Artikel schreiben und das Leben geniessen. Heute wurde mir bewusst, dass ich dies seit  über anderthalb Jahren nicht gemacht habe.

Das Leben hier hat sich mit dem Abgang von Rhys schlagartig geändert. Nicht eine, nicht zwei, gleich drei Frauen sind in mein Leben getreten. Letzte Woche wurde exzessiv gefeiert bis zum legendären Wahrheit & Pflicht Abend, welche alle Beteiligten zutiefst beeinflusst hat. Folk tanzen auf dem Piazza Bellini, die Suche nach dem perfekten Glas Wein und unzählige Abenteuer, die hier besser nicht erwähnt werden hinterliessen ihre Spuren.

Die letzten Tage war Strand angesagt, irgendwann muss man sich auch wieder erholen. Mondello, normalerweise überlaufen, fanden wir nach einem halbstündigen Regen fast ohne Menschenseele vor und genossen den Sonnenuntergang am Strand. Gestern ging es nach Arenella, ein Strand der nur den wenigsten bekannt ist und viel Raum für zweisame Stunden zulässt. Bei 34°C, ohne Schatten Nachmittags um zwei Uhr ohne Mittagessen bereits anfangen Bier zu trinken war jedoch nicht die weiseste Idee, die wir hatten. Umso besser schmeckte die riesige Familien Pizza um acht Uhr Abends für 13 Euro, inklusive Getränken. Ausgeklungen wurde der Abend am Pier begleitet von den energetischen Klängen einer Gruppe Bongo Spieler.

La vita è bella =)




Eine Woche bleibt mir noch übrig in Palermo, dann heisst es leider Abschied nehmen. Ein Tag, dem ich nicht entgegen sehne. Zu schön ist das Leben hier, ein Zuhause in der Fremde, die gar nicht mehr so fremd ist. Nach einem Monat werde ich mittlerweile auf den Strassen im Viertel begrüsst, kann mich in Restaurants und Bars ohne Probleme auf Italienisch verständigen und ab und zu erreichen mich am Morgen auch Nachrichten wie: Hey, warst du gestern bei der Taverna? ;)

Piazza Garrafello ist mittlerweile tot. Die Polizei hat die ewig währende Party beendet, Musik gibt es nur noch selten und wenn in moderater Lautstärke zu hören. Dies hält die Leute jedoch nicht davon ab, regelmässig in Heerscharen ins Viertel zu strömen. Trotzdem, im Gegensatz zu früher ist hier nicht mehr ganz so viel los, aber immer noch mehr als ihr euch vorstellen könnt.

Ein anderer legendärer Abend war am ersten Wochenende ohne Musik. Wir kamen gerade vom Piazza Maggione, dem Ort an dem sich alle Studenten treffen, zurück und wenig später wurden wir Zeuge einer Schlägerei. Nicht die übliche mit ein bisschen Hauen und Abstand nehmen, hier wurde in blinder Wut aufeinander eingedroschen und als jemand ein Messer zückte geriet die Menge in Panik. Flaschen und Stühle wurden von Herumstehenden in die Hand genommen, andere suchten das Weite. Es herrschte Chaos. Barbesitzer schnappten sich die Tische und Stühle ohne Rücksicht auf die sich noch darauf befindlichen Flaschen und schlossen innert Sekunden. In wenigen Minuten war praktisch keine Menschenseele mehr vorhanden und die fünf Polizeiwagen, welche zwanzig Minuten ankamen, verschwanden wieder nach dem Drehen einer Runde. Ein Abend, denn wir nicht so schnell vergessen werden!

Eine Woche noch, die innere Unruhe beim Gedanken daran ist unbeschreiblich. Das Zurücklassen geliebter Menschen nicht vorstellbar. Palermo hat mir gezeigt, wie das Leben sein sollte und mir ein neues Zuhause gegeben. Ein Ort, den man nicht verlassen will, in der Ferne vermisst und man wertgeschätzt wird, umgeben von Liebe.

Noch eine Woche...welche in den vollsten Zügen genossen werden wird. 

Montag, 7. September 2015

Abschied

Heimkommen, für viele Vollblut Reisende das Schlimmste. Meist dauert es mehrere Wochen, um mental wieder komplett zu Hause anzukommen. Einiges schmerzlicher ist jedoch das Abschied nehmen.

Die Dauer der Bekanntschaften spielt keine Rolle, nur die Intensivität. Manche fallen leichter, andere scheinen die Welt zum Stillstand zu bringen. Ein Wiedersehen ist meist ungewiss, leb wohl ist nicht selten wortwörtlich zu verstehen. Worte bleiben ungesagt, der Austausch von Facebook und anderen Daten wird versäumt. Manche bleiben ein Leben lang in Erinnerung, die Namen jedoch vergessen. Kleine magische Momente, die genau dies bleiben sollen und nicht vom Trott des Alltages zerstört werden.

Auch wenn das Schicksal gnädig ist und ein baldiges Wiedersehen ermöglicht, trennen sich die Wege nach kurzer Zeit bald wieder; für immer. Doch es gibt sie, die Ausnahmen. Personen, deren Pfade nach nur wenigen Tagen untrennbar verknüpft sind und den weiteren Lebensweg zusammen beschreiten.

Ausnahmen sind leider nicht die Regel und so suhlen wir uns in den verpassten Chancen und erinnern uns an die intensiven Momente vergangener Tage mit der Gewissheit, dass die nächste kommen wird. Irgendwann. Und mit Glück wird sie bleiben.


In Memoriam:

- Rothaarige Isländerin, welche für eine äusserst unterhaltsame Autofahrt von Reykjavik nach Akureyri gesorgt hat

- Texanerin in San Sebastian, welche durch ihre Nacktzeichnungen und dem Strandspaziergang bei Vollmond verzauberte

- Norwegerin in Bangkok, welche sofort auf der selben Wellenlänge war und man nie wusste, ob sie geistig im klaren ist

...und alle anderen wundervollen Menschen, die mir auf meinen Reisen begegnet sind.

Meine Liebe ist mit euch.

Sonntag, 30. August 2015

Catacombe dei Cappuccini

Die Luft steht still, kein Windhauch ist zu spüren. Die draussen herrschende Hitze verschwunden, wich jedoch nicht einer Kühle, die eigene Körpertemperatur verschmilzt mit der Umgebung. Leises wispern ist zu hören, ansonsten herrscht Totenstille, wortwörtlich. Wir haben soeben die Katakomben von Cappuccini betreten, Ruhestätte von rund 8000 Leichen und über 1200 Mumien.



Unterteilt sind die Katakomben in verschiedene Bereiche: Männer, Frauen, Kinder, Jungfrauen und Mönche. Die Leichen sind in allen Stadien vorzufinden und reichen von beinahe unversehrt erhalten über Gestalten aus den schlimmsten Alpträumen zu Skeletten. Die älteste Mumie, ein Mönch, ist über 400 Jahre alt und die jüngste, ein zweijähriges Mädchen, keine Hundert. Die Ausstellungsobjekte wirken beängstigend lebendig, als könnten sie jeden Moment aus ihrer Stare erwachen.



Besonders interessant war die innere Abstumpfung gegenüber den Leichen. Der anfängliche Reflex die Katakomben sofort wieder zu verlassen, der Blick nur kurz über die Toten huschend, stets in der Mitte des Ganges gehend, verschwand nach einer Weile und mit Interesse fang ich an die Toten und deren Kleidung zu studieren. Selbst das zweijährige Mädchen konnte nicht mehr schocken, ähnlich Andy Warhols Death and Disaster Austellung mit immer schlimmer werdenden Darstellungen von Unfällen. Es war die bisher schrecklichste und zugleich eindrücklichste Erfahrung in meiner Zeit in Palermo.

Mittwoch, 26. August 2015

La Vucciria

Das schäbige Viertel Vucciria ist in ganz Sizilien für seinen wilden Mercato della Vucciria bekannt, einen quirligen Markt, der nur so wimmelt vor schreienden Verkäufern, silbernen Fischen mit starrem Blick, schaukelnden Tierkadavern, frischem Obst und Gemüse und Fleischräuchergrills. 
Vucciria, einst das Herz des von Armut geplagten Palermos und ein Sumpf von Verbrechen und Dreck, veranschaulichte die fast mittelalterliche Kluft zwischen Reich und Arm, die bis in die 1950er-Jahre in Sizilien existierte. Obwohl es immer noch ziemlich schäbig ist, zieht das Viertel Heerscharen von Touristen an und ist einer der faszinierendsten Bezirke von Palermo, in denen man umherschlendern kann.
 - Lonely Planet Guide Sizilien

Herscharen von Touristen? Mercato della Vucciria als Highlight? Naja, Lonely Planet kann nicht alles wissen. Piazza Garrafello in Vucciria ist so ziemlich der beste Ort in Palermo, um Abends seine Zeit zu verbringen. Ein Bild davon habt ihr ja im letzten Beitrag gesehen. So sieht es jeweils am Wochenende aus:


Und in Bewegung (Vorsicht: Laut!):



Zu viele Videos und Bilder lassen sich zu den nächtlichen Aktivitäten nicht find. Dies hat einen einfachen Grund: Es ist illegal. Die Musik wird erst nach Mitternacht voll aufgedreht, Stände mit Alkohol kommen angefahren und Shops stellen ihren harten Alkohol aus. Dies geschieht erst nach Mitternacht, weil die Polizei dann schlafen geht. Fragt nicht, es ist einfach so... Sollte mitten in der Nacht doch mal Polizei in der Nähe sein, macht dies schnell die Kunde. Die Musik wird abgestellt, der Alkohol versteckt. An allen Eingängen zu La Vucciria müssen Späher postiert sein. Kaum ist die Lage wieder sicher, geht die Party weiter und der weisse Rauch zahlloser Joints steigt wieder vom Partyzentrum Palermos auf. 

Touristen verirren sich selten hierhin und falls doch sind sie mehrheitlich italienischer Abstammung. Kein Wunder, diesen Part Palermos würde ich wahrscheinlich als Tourist nicht mal bei Tage betreten, geschweige bei Nacht. Tagsüber ist es gespenstig ruhig. Die Spuren der vergangenen Nacht werden beseitigt und der ganze Platz gewischt. Erst gegen Abend erwacht Piazza Garrafello langsam wieder. Die Leute setzten sich an die Tische, trinken Bier zu leiser Hintergrundmusik, bis spät Abends die Tische weggeräumt werden und die Party wieder von vorne los geht bis vier Uhr Morgens. 

Dienstag, 18. August 2015

Das Leben in Palermo

Palermo ist keine Liebe auf den ersten Blick und bei der Busfahrt vom Flughafen in die Stadt kam mir öfters der Gedanke: "Oh Gott, was habe ich getan?!" Die Lage des Hostels machte dies nicht besser, da die Gegend auf den ersten Blick ziemlich heruntergekommen scheint. In den letzten Tagen lernte ich jedoch die Stadt zu lieben, auch wegen meiner Arbeit hier. Ich schildere mal kurz einen normalen Tagesablauf:

9am: Langsam aufstehen und frühstücken. Jeden Morgen gibt es frische Croissants und den besten italienischen Kaffee. Danach schauen wir (= Rhys und ich) im Kalender nach wer heute das Hostel verlässt und wann die neuen Gäste ankommen. Wir beziehen die Betten neu, waschen die Bettwäsche und hängen sie draussen auf. Alle paar Tage wischen wir die Böden oder nehmen sie feucht auf. Gegen 12-1 Uhr Mittags sind wir meistens fertig mit der Arbeit - und nehmen es dabei sehr gemütlich. Insgesamt gibt es zehn Betten im Hostel, also nie wirklich viel zu tun für uns.

Nachmittag: Die verbringen wir immer unterschiedlich. Ganz gemütlich ist das 10km entfernte Mondello mit seinen warmen Gewässern:


Um 6-7 Uhr Abends sind wir meist zurück von den täglichen Ausflügen und es ist Zeit für eine kleine Siesta. Um 10 Uhr Abends kochen wir gemeinsam und gegen Mitternacht gehts meist raus mit einigen Hostel Besuchern. Wir haben gleich um die Ecke eine Piazza bei der jede Nacht Musik gespielt wird und viele Einwohner ihren Abend verbringen. Zwischen 1 und 2 Uhr gehts zurück ins Hostel zum Schlafen, wobei es diese Woche auch schon mal 4 Uhr Morgens wurde. Dies war jedoch ein spezieller Abend, da das gesamte Hostel gemeinsam ging. Mittlerweile dürfte ich schon auf Hunderten von Bildern wie diesen vertreten sein:



Entgegen dem Eindruck ist das Hostel selber sehr ruhig. Hier finden am Abend keine Parties statt, es wird sich höchstens angeregt unterhalten und mal zur Musik mitgesungen. Die Gäste kommen aus aller Welt und wechseln ständig. Unglaublich, wie viele interessante Menschen ich bereits kennen gelernt habe. Meine Facebook Freundesliste wächst täglich. Natürlich hat man nicht mit allen den selben intensiven Kontakt, aber wenn einem jemanden nicht passt, ist diese Person nach ein zwei Nächten eh wieder fort. 

Martino (26) und seine Mutter Margherita (50?) sind die Besitzer des Hostels und das komplette Gegenteil von Stuart & Razz. Wir sind hier wirklich eine kleine Familie und unsere Arbeit wird geschätzt. Ich fühle mich willkommen und es werden auch oft positive Worte ausgesprochen. Das Vertrauen geht sogar soweit, dass wir einen Morgen lang das Hostel komplett alleine geführt haben, da sich ein familiärer Notfall ereignet hat. Wir empfingen die neuen Gäste, notierten die Passport Nummer, zeigten ihnen das Hostels und nahmen das Geld für die Nächte entgegen. Wir haben hier so wenig zu tun und uns wird soviel gegeben. Wenn Martino gerade ein bisschen gestresst ist (gestern wurde ihm z.B. der Motorrad Helm geklaut), schnappt er sich mich und wir gehen Gelato auf seine Kosten essen. Gelato im Brioche = göttlich. Falls wir zwichendurch hungrig sind, können wir in den Shop an der Strasse gehen und dem Besitzer sagen, dass Margherita bezahlt. Es ist wirklich paradiesisch hier. Auch den Gästen gefällts und viele kommen oft nochmals für eine Nacht vorbei, bevor sie wieder nach Hause oder sonst wohin reisen. 

Unsere kleine Familie:




Das Hostel:







Rhys und ich schlafen in einem 8-Bett Zimmer, das andere hat vier. Tagsüber sind die Leute oder wir mit ausgewählten Gästen meist unterwegs und das Hostel ist praktisch leer. An Zeit zum einfach nur alleine sein mangelt es glücklicherweise nicht und auch Abends ist es immer ruhig in den Zimmern. Nur die Bedienung für die Klimaanlage mussten wir verstecken, da die Gäste die Temperatur ständig änderten. Das war es fürs erste aus Palermo. Im nächsten Beitrag werde ich näher auf einzelne Personen, Orte und sonstige Gegebenheiten eingehen, dies sollte einen Überblick über mein neues Leben als Sizilianer verschaffen. ;)

Bis bald <3


Samstag, 15. August 2015

Die letzten Tage in England

Am vergangenen Sonntag war der Punkt gekommen, an dem ich Entschied zu kündigen. Wie kam es dazu? Die generelle Stimmung habe ich ja bereits in einem vorherigen Beitrag beschrieben, dazu kam dass Razz sehr OCD ist und alles stets perfekt sein muss und nach ihrem Weg ausgeführt werden muss. Sie wollte, dass Maicon und ich den ganzen Shop betreuen und sie nichts anderes machen muss als Kaffee aus der Maschine lassen und die Kasse bedienen. Maicon erzählte mir, dass es zu Beginn nicht so schlimm war, aber von Woche zu Woche stetig schlimmer wurde. Razz fuhr sogar ein paar Mal früher nach Hause und wir mussten das Zelt alleine abbauen etc... alles in allem war die Atmosphäre einfach nicht gut. Es hätte eine wirklich gute Erfahrung sein können, aber die anfängliche Euphorie wich schnell. Nicht verwunderlich, dass ich in dieser Saison bereits die siebte Person bin, die den Shop verlässt, sei es freiwillig oder unfreiwillig. Es ist schier unmöglich den Erwartungen und Anforderungen dieser Frau gerecht zu werden. Ausserdem waren 25h Arbeit pro Woche vereinbart mit evt. ein paar Überstunden, gearbeitet haben wir rund 50h die Woche.

Am Sonntag Abend gab ich meine Kündigung per sofort bekannt und begann am nächsten Morgen etwas neues zu suchen. Meine erste Anlaufstelle war Cockermouth, da ich kein Internet hatte. Innert zwei Stunden fand ich dort einen Job in einer Bücherei und ein Zimmer in einer WG mit einer Finnin. Die Leute waren wirklich sehr hilfsbereit und eines führte zum Anderen. In einem Café nutze ich das Internet um eine Anfrage auch Couchsurfing zu senden, denn ich wollte so schnell wie möglich weg. Die Stimmung war sehr komisch. Nach der fünf stündigen Rückfahrt war überprüfte ich zu Hause in Leicester sogleich meine Anfrage und zu meinem grossen Glück wurde sie akzeptiert und ich konnte bereits am nächsten Tag dort einziehen. Nun galt es noch eine Arbeit zu für die weiteren Wochen und auch da hatte ich mehr als Glück, denn innerhalb von zwei Stunden hatte ich eine Zusage in Italien, um in einem Hostel zu arbeiten. Gott war ich froh!

Am Dienstag Nachmittag verliess ich bereits die Wohnung in Leicester, was sich als beste Entscheidung überhaupt heraus stellte. Der Fakt, dass mir nur die Hälfte des Lohns bezahlt wurde, weil ich gekündigt hatte, unterstreicht dies nur noch mehr. 200 Pfund verlor ich dadurch. Anyway, ich traf Mike am Nachmittag in der Stadt und später stiess seine Frau Laura hinzu. Beide Anfangs 30 und herzensgute Menschen. Sie ist Kuratorin für Museen und Bloggerin, er Musik Produzent. Wir hatten so viele Gemeinsamkeiten, wir redeten (& tranken) stundenlang bis 4 Uhr Morgens. Zu viel positives hat sich ereignet, um hier aufzulisten, aber mit Mike & Laura habe ich Freunde fürs Leben gefunden, die ich in absehbarer Zeit wieder treffen werde. Durch die beiden lernte ich die Vorzüge, Geschichte und das bunte Treiben in Leicester kennen. Es war wirklich schade, dass ich sie am Mittwoch Abend um Mitternacht bereits wieder verlassen musste und auch sie wollten nicht, dass ich gehe. So kann es gehen, zuerst unbedingt weg aus Leicester und ein paar Stunden später hätte ich für Monate bleiben können. Naja, Wochen, fuck the rain. Im nächsten Beitrag folgt die Einreise naaaach.... PALERMO und meine Arbeit hier (ein Wort: Paradies).


Northbound Festival 2. Versuch

So endlich habe ich wieder Zeit zum Schreiben. In den letzten Tagen hat sich sehr viel ereignet. Verzeiht mir den überdramatischen letzten Beitrag - ich konnte nicht widerstehen. Damit es nicht ein überlanger Beitrag wird, gliedere ich die letzten Tage nach Events, angefangen mit dem Northbound Festival.

Da waren wir also unterwegs zum Northbound Festival, die Stimmung immer noch eiskalt zwischen Razz und Stuart. Statt wie geplant Mittwochs verliessen wir Leicester am Donnerstag um 6 Uhr Morgens und waren gegen Mittag in Cockermouth im Norden Englands. Die Landschaft dort ist einiges schöner als im flachen Süden des Landes und beherbergt einige flache Hügel, welche man knapp als Berge bezeichnen könnte.

Das Festival selber fand dieses Jahr zum ersten Mal statt, wobei in den Jahren zuvor ein anderes Festival am selben Ort war. Es war relativ klein und überschaubar mit einer Hauptbühne und vier kleineren Zelten. Leider wurde für das Festival nicht genügend Werbung gemacht und es waren praktisch keine Leute anwesend. Bei den Mainacts waren jeweils alle Besucher bei der Hauptbühne und die restlichen Stages beinahe leer. Insgesamt waren vielleicht knapp 1000 Besucher anwesend, wobei das Gelände locker Raum für 5000 und mehr gehabt hätte.

Das Line-Up bestand hauptsächlich aus englischen Bands jedes Genres und das absolute Hightlight waren Publich Service Broadcasting, welche ich bereits an der Secret Garden halbwegs gesehen hatte. Es war eine unglaublich gute Stimmung, weil ein Sturm aufkam und die Musik aus den Boxen so durcheinanderwirbelte, dass wir quasi rundum umgeben von der Musik waren, anstatt nur von vorne beschallt zu werden. Dazu kam eine interessante Lichtshow gepaart mit alten Filmszenen aus der Zeit als die Menschen zum ersten Mal den Weltraum erforschten. Was für eine Stimmung!


Der Auftritt erinnerte mich stark an Godspeed You! Black Emperor, sowohl von der Musik als auch von der Bühnenshow, wobei PSB einiges leichter zugänglich sind. Daneben haben wir noch unzählige Singer/Songwriter gesehen, da die Akkustik Bühne gleich bei unserem Shop war, aber nichts davon ist hängen geblieben, eine Übersättigung fand statt. Der einzige erwähnenswerte Auftritt, denn wir noch gesehen haben wer derjenige von den Dub Pistols, wobei sie für meinen Geschmack zu wenig von ihrem DnB gespielt hatten.

Das Wetter war uns gnädig und meist sonnig, begleitet von teilweise starken Böen. Tagsüber gingen Maicon und ich oft ins idyllische Dörfchen Cockermouth und entspannten auf einer Wiese am Fluss. Gefilmt habe ich dieses Mal praktisch nichts, es bot sich nicht genug Material für meinen Geschmack und es waren zu wenige Leute anwesend. Vielleicht schneide ich was im nächsten Post, aber das war es soweit mit meinem Eindruck vom Northbound Festival, im nächsten Beitrag folgen meine letzten Tage in England und wie es dazu kam.

Montag, 3. August 2015

Cambridge Folk Festival

Eine gespenstisch Stille herrscht in unserem Hause in Leicester, doch nicht die übliche. Im Garten ein Mann auf der Gartenbank sitzend, daneben mehrere leer getrunkene Dosen Bier geschmückt mit Joint Stümmeln. Die Türen zu den Zimmern sind geschlossen, nur ab und an hört man ein Husten oder die Spülung der Toilette. Drehen wir die Zeit ein paar Tage zurück.

Cambridge Folk Festival! Cambridge schöne Stadt, Line-Up einigermassen ansprechend, gesehen habe ich beides nicht. Unser Shop war dieses Mal auf dem Camping Platz angesiedelt, welcher sich drei Meilen vom eigentlichen Festival befindet und wir bekamen deshalb auch keine Armbänder für das Festival. Halb so wild, Secret Garden Party steckte uns noch immer in den Knochen und zur Abwechslung war es schön, mal ohne die Vibrationen des Basses in das Land der Träume zu gleiten. Was weniger schön war: Die Kälte. Mittwoch Nacht fielen die Temperaturen auf 5°C! Immerhin wurde es danach täglich wärmer, zusammen mit dem miesen Wetter von letzter Woche reichte es jedoch aus, mir eine leichte Erkältung zu bescheren. Dank viel Tee und Paracetamol ist diese Gott sei Dank fast wieder verflogen. Jeder von uns schlief mit Schlafsack, mindestens drei Decken und Wärmeflaschen. Sommer, ha! Habe ich so nicht in Erinnerung.

Auf dem Camping Platz war nicht besonders viel los. Wir hatten jeweils am Morgen Kundschaft, hauptsächlich Kaffee und jeweils ab 20 Uhr Abends wieder. Nachmittags waren die Leute am Festival. Aufgrund dessen habe ich die letzten Tage jeweils nur fünf Stunden gearbeitet. Die restliche Zeit hätte ich zwar wunderbar für einen Ausflug in die Stadt (Cambridge...) nutzen können, wollte mich aber nicht unnötig anstrengen und die Erkältung möglichst schnell auskurieren. Die meiste Zeit verbrachte ich mit Lesen (The Handmaid's Tale beendet und mit Peter Pan auch schon bald durch!) oder einfach nur auf der Wiese liegend mit Maicon und/oder Michael redend. Es waren wirklich sehr gemütliche und erholsame Tage. Jeweils ab 10 Uhr Abends gab es im Zelt auf dem Platz ein paar Singer/Songwriter, die jeweils 3-4 Songs spielten und danach vom nächsten abgelöst wurden. Das Zelt war zwar nur zehn Meter von meinem entfernt, aber die gemütliche Musik begleitete mich jeweils sanft in den Schlaf und dauerte nur bis Mitternacht an.

Zuvor schauten wir aber immer beim Story Teller vorbei, welcher gruselige "Gute Nacht"-Geschichten erzählte, selbstredend bewaffnet mit einer heissen Schokolade. Die Geschichten waren zwar nicht umwerfend, aber die Art und Weise wie sie erzählt wurden war das Interessante. Das Zielpublikum waren Kinder, welche sich zuhauf auf dem Platz befanden, aber auch einige Erwachsene fanden sich jeweils pünktlich um halb Zehn im Story Teller Zelt ein. Ich hätte mich glatt dran gewöhnen können! Am Sonntag war es so ruhig auf dem Platz, dass ich vor lauter Langeweile Michael anfing Alice in Wonderland vorzulesen. Ehe ich mich versah hatten sich ein paar Kinder zu uns gesetzt, welcher voller Aufmerksamkeit die Geschichte mitverfolgten und mit Gelächter (ich verpasse Alice einen indischen Akzent) verzierten. Der Sonntag war passenderweise seit langem wieder ein richtig warmer Tag mit blauem Himmel und die Stimmung unglaublich gemütlich. Nach rund einer Stunde war das Buch beendet und die Mütter hatten ihre Bälger wieder am Halse, waren aber dankbar für die kleine Pause. ^^

Food Exchange haben wir auch wieder betrieben. Neben uns war ein Crepes Stand, welcher auch 3er Stacks American Pancakes mit Speck und Ahornsirup servierte. Mir läuft bereits wieder das Wasser im Munde zusammen. Daneben haben mit dem Fish & Chips Stand, der Juice Box und dem Burger Shop getauscht. Wir haben geschlemmt die die Römer! Da fallen mir wieder die leckeren Kokosnüsse mit Rum an, die wir an der Secret Garden Party hatten und auf der anderen Seite waren die Crispy Duck Wrap Leute, welche wir bereits am Maverick kennen gelernt hatten. An jedem Festival lernen wir so viele Leute kennen oder treffen ein paar wieder, es ist hervorragend und die Stimmen zwischen den Verkäufern ist auch immer gut und man tauscht sich ein wenig darüber aus wie es so läuft im Geschäft. Mit den Organisatoren hält man auch öfters ein Schwätzchen und daneben lernen wir unzählige Künstler kennen, welche bei uns Kaffee holen und sonst mit uns chillen. Eine Sängerin war sogar gerade erst in der Schweiz gewesen, in Rheinfelden (!), da ihre Stiefmutter dort wohnt.

Aber warum die gespenstische Stille in Leicester fragt ihr euch nun? Na ja, da muss ich euch zuerst Stuart und Razz ein wenig mehr beschreiben. Die beiden sind/waren ein Paar, anfangs 40 und zu gleichen Anteilen Besitzer des Shops und des Hauses in Leicester. Razz ist gebürtige Südafrikanerin und halbe Griechin, Stuart Engländer durch und durch. Razz lebt mittlerweile seit neun Jahren in England und hat genug vom unberechenbaren Wetter, vom Stress im Shop und ganz besonders von Stuart. Weil sie Bankkonto und alles gemeinsam haben, kann sie aber nicht so einfach abhauen und will deshalb den Shop verkaufen, nach Thailand Reise und das Leben wieder geniessen können. Stuart hingegen hängt immer noch an Razz und versucht sie neben seiner Eifersucht dauernd zu beeindrucken, sein konstanter Marijuana Konsum hilft im dabei nicht gerade. Selbstredend führt dies zu Streitereien, Tag ein, Tag aus. Mittlerweile befindet sich jeweils nur einer der beiden im Shop und der andere ist sonstwo weit entfernt. Je länger die Saison, desto schlimmer wird es, wie mir auch Maicon bestätigte, der bereits einen Monat länger hier ist, als ich. Den wahren Grund für die Stille hier weiss ich nicht, aber heute Morgen gab es mal wieder einen besonders heftigen Streit, welcher selbst den sonst eher ruhigen Stuart zur Weissglut trieb. Die nächsten Stunden während des Abbaus wurde nur das nötigste, wenn überhaupt, an Worten gewechselt und zur Abwechslung ging es ziemlich zügig voran. Die Wut verlief Stuart Energie und ich glaube er wollte ursprünglich vor uns abhauen, aber da das Zelt des Shops nur in seinen Van passt, musste er diesen Plan irgendwann verwerfen. Nichts desto trotz, dank seinem Eifer waren wir in nur 3.5h mit dem Abbau fertig und fuhren (Maicon mit Stuart, ich mit Razz, Michael war schon am Morgen nach Manchester abgereist) zurück nach Leicester. Zum Vergleich: Am Secret Garden und LFest waren wir jeweils um 20 Uhr fertig mit dem Abbau und hatten zur selben Zeit den Shop geschlossen.

Keine Bilder, kein Video, dafür gabs dieses Mal ein kleinen Einblick hinter die Kulissen. Mittwoch geht es bereits wieder weiter ans Northbound Festival, welches dieses Jahr erstmalig statt findet. Die Zeit mit Internet ist rar, bis nächste Woche. <3

Dienstag, 28. Juli 2015

Secret Garden Party 2015

Mit Regen ist in England zu rechnen, aber was die letzten Tage vom Himmel herunter kam, war sogar für englische Verhältnisse unüblich. Leichter Regen begleitete uns am Mittwoch beim Aufbau. Das richtige Unwetter startete hmm last mich überlegen, ich glaube es war Freitag Morgen bis Samstag Morgen. Die Tage sind schwer auseinander zu halten, da es fast durchgehend regnete. Samstag war zum Glück der trockenste Tag, die grünen Wiesen hatten sich aber bereits in ein riesiges Sumpfgebiet verwandelt. Nichts desto trotz, Secret Garden Party ist und bleibt das beste Festival, an dem ich je war. Starten wir doch gleich mit dem Video, welches aus beschriebenen Wetterverhältnissen mehrheitlich Szenen bei Nacht enthält und zwischendurch wollte ich auch einfach selber mal Spass haben, ohne die Kamera konstant dabei haben zu müssen.


Das Video startet mit der gedämpften Soundkulisse in meinem Zelt, welches sich wie üblich wenige Meter hinter dem Shop befand. Der Boden vibrierte vom Bass und ein konstantes Misch Masch von drei bis vier verschiedenen Bühnen war konstant zu hören - von 12 Uhr Mittags bis 6 Uhr Morgens. Erholsamer Schlaf war schwer zu finden. 

Ich weiss gar nicht wo anfangen, es gab dieses Jahr wieder so viel zu entdecken und im Gegensatz zu meinem letzten Besuch fand ich zwei versteckte Bühnen, die mir entgangen waren. Die Bands und DJs sind ausserhalb Englands weitesgehend unbekannt, doch das macht es so grandios. Man lässt sich einfach treiben und bleibt wo es gefällt. So fand ich Samstag Nacht (in der fast alle 33'000 Besucher das trockene Wetter genossen und fast alle Dancefloors überfüllt waren) ein kleines aber feines Zelt mit DJs die konstant DnB spielten. Bei all den Deep, Tech House und Techno Sets war ich froh, endlich mal etwas schnelleres gefunden zu haben und sprang kurzerhand in das Zelt und fing an zu tanzen. Hatte ich anfänglich noch genügend Platz für mich, so füllte sich das Zelt danach schnell - Ich hatte erfolgreich eine Party gestartet. Dort verweilte ich dann auch bis in die Morgenstunden, bevor es um 7.30 wieder zur Arbeit ging. 

Neben den grossen Ereignissen wie das Feuerwerk am Samstag, der Verbrennung der Bühne in der Mitte des Sees oder dem Paint Fight gab es unzählige kleine Highlights, die niederzuschreiben würde Tage dauern. Maicon formulierte es bei der Besichtigung des Geländes am Mittwoch treffend: I wanna take some pictures, but everything is so beautiful that I want to capture it all. 

Schaut euch einfach eines der Videos der letzten Jahre an und ihr wisst, warum nicht nur ich so von diesem Festival schwärme:



Natürlich habe ich neben all dem Feiern (nüchtern!) auch wieder genügend gearbeitet, eine Schicht sogar von Mitternacht bis 8 Uhr Morgens, aber der Part wurde im letzten Blogpost schon ausführlich beleuchtet. Dieses Mal hatten wir Verstärkung von Stephanie, einer Engländerin und Stuarts Neffen Michael. Stephanie arbeite jedoch nur bis Sonntag Morgen, da sie den Alkoholkonsum nicht unter Kontrolle hatte und auch sonst keine grosse Hilfe war. Michael war bereits letztes Jahr im Shop zugegen und war fast immer am Arbeiten, was uns zu Gute kam und dadurch ein wenig mehr Freizeit gab nach dem stressigen LFest.

Zum Lesen kam ich nicht viel, bin aber mittlerweile in der Hälfte von A Handmaid's Tale angelangt. Aus irgendeinem Grund habe ich das Bedürfnis Peter Pan als nächstes zu lesen. :D 

Der nächste Blogeintrag sollte wieder etwas länger ausfallen. Wir haben wieder nur einen Tag Wochenende und gehen Morgen bereits weiter ans Cambridge Folk Festival. Ausserdem dauerte das Schneiden des Videos dieses Mal einiges länger und ich musste noch zwei Beiträge für indiegames.ch schreiben neben dem üblichen Beantworten von unzähligen Mails. Nächste Woche gibts es wieder ein normales 2-Tage Wochenende und mehr Hintergrundinfos zum Leben in England.

See you soon <3